Natasha Korsakova und Pago Balke begeistern im ausverkauften Renaissance-Saal des Erbhofes

Wer hat den Pianisten erschossen?

Natasha Korsakova und Pago Balke sorgten im Erbhof für einen bemerkenswerten Abend mit Krimilesung und Musik. Foto: Schmidt

Thedinghausen - Von Ingo Schmidt. Klassische Violinen-Klänge der Extraklasse, spannende Krimi-Ereignisse rund ums italienische La Familia und La Dolce Vita, dazu noch allerlei Kuriositäten – der Freitagabend hielt für die Gäste im restlos ausverkauften Renaissance-Saal großartige Unterhaltung bereit.

Eingeladen hatte einmal mehr der Förderverein Erbhof, und zwar zu einer musikalischen Krimilesung – auf Anregung durch Katrin Göstemeyer. „Ich hatte eine ähnliche Lesung beim Göttinger Literaturherbst gesehen“, berichtete die Inhaberin der Rieder „Bücherkiste“. „Und konnte mir das gut auch im Erbhof vorstellen.“ Violinistin und Autorin Natasha Korsakova hatte in der südniedersächsischen Universitätsstadt Schauspieler musikalisch begleitet, die aus ihrem Erstlingswerk lasen.

Schnell war der Kontakt zwischen dem vielseitigen Rieder Bühnenakteur Pago Balke und Natasha Korsakova hergestellt. Nach gut einjähriger Planungsphase stand nun der Thedinghausener Termin zur außergewöhnlichen Lesung aus dem inzwischen zweiten Krimi „Römisches Finale“. Zeit für Proben blieb indes nicht und deshalb geriet die Veranstaltung zu einem spannenden Abenteuer für alle Beteiligten.

Musik spielt in den Krimis der 46-Jährigen eine zentrale Rolle, die Morde geschehen stets im Musiker-Milieu. Der Roman erzählt in Rückblenden die Geschichte des Commissario Di Bernardo, der in Kalabrien gegen die Mafia ermittelte und sich resigniert nach Rom versetzen ließ. Mit seinem Kollegen Ispettore Del Pino, der in jeder Sekunde dem „Schönen Leben“ nachhängt, muss der Kommissar den Mord am Pianisten Emile Gallois aufklären, der erschossen im Parco della Musica aufgefunden wird.

Zum Einstieg in den musikalischen Krimiabend spielte die gebürtige Russin das Stück Chaconne von Tomaso Antonio Vitali, ein Beerdigungslied. Anschließend begann Balke seinen Part mit einem Prolog, der von der Taufe des Sohnes von Clan-Chef Don Guiseppe in den 1950er-Jahren erzählt. Der Padre hält dem Nachkommen Schlüssel und Messer entgegen: Dieser solle sich früh entscheiden zwischen Schmach und Ehre, ob er den Blutzoll leisten wolle oder zum Verräter werden würde. „Dieses Ritual hat es tatsächlich gegeben“, wußte die Autorin, die mit vielerlei Berichten und Erzählungen über italienische Verhältnisse Überleitungen zu ihren virtuosen Beiträgen herstellte.

„Eine Schlüsselfigur in dem Roman ist Tangogeigerin“, verriet Natasha Korsakova. Von Ereignissen um Mafia-Morde tief berührt und durch eine Reise nach Lecce in Kalabrien inspiriert, möchte Korsakova in ihren Krimis das Spannungsfeld beschreiben, in dem unbescholtene Menschen im Umfeld einer kriminellen Parallelgesellschaft einem normalen Leben nachgehen.

Korsakova spielte, sprach viel über Musikgeschichte und lieferte Anekdoten. „Ich liebe Kuriositäten“, erklärte die Adoptivtochter eines italienischen Journalisten.

Sie baute zum Beispiel das überlieferte Bad der Beatles nach einem Konzert in Rom 1965 in der Fontana delle Rane in ihre Geschichte ein – und präsentierte zum Abschluss „Hey Jude“ auf ihrer Violine. Den Abend beendete die preisgekrönte Künstlerin mit einer weiteren, als Zugabe gefeierten, Bach-Solosonate.

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