Bestandsaufnahme der Biotope in der Gemeinde Thedinghausen

Von paradiesisch bis ausgetrocknet

Kleines Paradies: Die Wiehe-Kuhle in Horstedt. Sie wurde vor einigen Jahren ausgebaggert.

Thedinghausen – In der Gemeinde Thedinghausen gibt es jede Menge Biotope, mehrere davon auf privatem Gelände. Vielfach handelt es sich um alte Kuhlen, die einst Weserhochwasser nach Deichbrüchen in den Marschboden gespült haben. Hier tummelt sich allerlei Getier – auch seltene Spezies, von der Libelle bis mitunter sogar zum Eisvogel.

Für Frösche und Lurche sowie andere Amphibien sind derartige Kuhlen sowieso ein Paradies. Fast alle dieser kleinen Teiche sind auch von Fischen wie Aal, Hecht und Schleie besiedelt. In früheren Zeiten sorgte die Viehbeweidung an den Böschungen und Uferrandstreifen dafür, dass diese Kuhlen nicht zuwuchsen. Das ist heute nicht mehr der Fall. Und daher wächst und wuchert es dort ungestört.

Das ist zunächst einmal der Lauf der Natur. Doch Laub und Totholz, das in die Gewässer fällt, bringt vielfach eine Verschlammung mit sich – dies umso mehr, als dass mit dem Eintrag von Laub auch eine Überdüngung verbunden ist, was wiederum das Algenwachstum fördert.

Probates Mittel in den Vorjahren, um der Verschlammung Herr zu werden, und zumindest die gemeindeeigenen Biotope zu erhalten, war eine Ausbaggerung. Diese wurde von der Gemeinde alle Jahre oder auch Jahrzehnte veranlasst. Doch seit einigen Jahren hat sich auf diesem Sektor nichts mehr getan.

Grund genug für Christiane Reinke, Landschaftsarchitektin im Rathaus, sich zusammen mit ihrer ebenfalls für Naturschutz zuständigen Kollegin Perdita Fricke, einmal persönlich ein Bild zu machen. Unter Hilfestellung von Insider Gerd Schröder wurden zahlreiche Kuhlen unter die Lupe genommen.

Die Erkenntnis dabei: Viele Kuhlen hätten eine „Renovierung“ nötig, beispielsweise die Notkuhle im Adeligen Holz oder der Teich am Gut Donnerstedt. Hier und anderswo ist seit über zwei Jahrzehnten nichts geschehen. Andere Kuhlen sind sogar total trocken gefallen, zum Beispiel der Ahser Grund in Ahsen-Oetzen. Dieses Trockenfallen ist außer auf eine verringerte Wassertiefe durch Laubeintrag auch auf die derzeitige und vorjährige Trockenheit zurückzuführen.

Richtig gut geht es nur noch wenigen Gewässern, beispielsweise der Wiehe-Kuhle in Horstedt. Diese ist aber auch erst vor wenigen Jahren entschlammt worden.

„Alle erforderlichen Maßnahmen sind letztlich eine Entscheidung der Politik“, meint Perdita Fricke. „Es muss ja nicht jedes Mal sofort ein Bagger teuer in Aktion treten. Das ist bei größeren Gewässern, zum Beispiel der Haake-Kuhle, zudem sehr aufwendig. Die Gewässer brauchen erst einmal Licht und Luft. Oftmals hilft schon eine fachgerechte Beschneidung des Uferbewuchses, um den ökologischen Zustand deutlich zu verbessern.“

Insgesamt gibt es in der Gemeinde Thedinghausen über 20 Kuhlen, die als Biotop gelten (in der ganzen Samtgemeinde natürlich mehr).

Zusätzlich wurde im Rahmen der Renaturierung vor einigen Jahren ein weiteres großes Biotop im Bereich der Eyter angelegt. Auch dieses Kleinod wurde bei der Bereisung inspiziert. Fazit hier: Ein gelungenes Werk, auch wenn einige Senken ein wenig zu flach angelegt worden sind, denn sie fallen häufiger trocken als eigentlich vorgesehen.

Gespeist werden übrigens alle Biotope vorwiegend über das Grundwasser, das sich wiederum am Wasserstand der Weser und Eyter orientiert. Zumindest den Kuhlen außendeichs würde ein ordentliches Hochwasser guttun. Dann würden sie nämlich mal wieder so richtig aufgefüllt, ein wenig durchgespült und auch mit neuem Leben gefüllt.  sp

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