Satirisches Heimspiel

Pago Balke tritt vor 140 Zuschauern in Felde auf

Meinrad Mühl (links) und Pago Balke
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Sie genossen sichtlich die Rückkehr auf die Bühne: Meinrad Mühl (links) und Pago Balke.

Felde – Ein Anfahrtsweg von knapp vier Kilometern über Sommerwiesen und Kornfelder – kurz war die Reise für Pago Balke am Samstagabend von seinem Künstlerhof am Börtelsdamm zum Auftrittsort Hof Imhorst in Felde. Hier gastierte der Rieder Sänger, Schauspieler und Kabarettist unter freiem Himmel vor rund 140 Zuschauern. Zu sehen und zu hören gab es eine Menge Songs und Satire aus seinen Programmen der letzten drei Jahrzehnte. Begleitet wurde der Mittsechziger am Piano von Meinrad Mühl.

Aufgeregt sei er, gab Balke offen zu. „Ein Jahr lang konnte ich wegen Corona nicht richtig was machen. Wenn ich heute Mist baue, kann man mich hier in Riede leicht finden.“ Die Sorge war unbegründet. Spätestens beim dritten satirischen Lied seines großen Vorbildes Georg Kreisler war der Künstler wieder bühnenwarm. Er neckte seinen Pianisten, besang humorvoll schwarze Schafe der Familie sowie Nachbarschaftsprobleme und empfahl deshalb sich vorzustellen: „Dein bester Freund wohnt nebenan.“

Mit „Alles so weit weg“ erlebten die Zuhörer die Premiere eines nachdenklichen Rocksongs über den Klimawandel. Balke schob anschließend noch einen geistreich-heißen Klimatango hinterher („Der Klimawandel ist unsere Chance. An Heiligabend gehen wir baden. 80 Millionen bleiben zu Haus. Wie bei Corona, nie mehr Staus“) und schlüpfte vor der Naturkulisse des Hofs Imhorst mit abendlichem Schwalbenflug und regenfreiem Sonnenuntergang immer wieder in wechselnde Kostüme.

Als „Dirdy Dieder“ aus seinem Programm „TiertorTour“ erzählte er in blutig verschmierter Schürze von seiner moralisch fragwürdigen und psychisch belastenden Arbeit als „Stecher“ im Schlachthof: „Ich steh´ vorne in der Kette und hinten kommt die Mortadella raus.“ Daheim musste irgendwann nach einem harten Arbeitstag der nervige Zwergpudel dran glauben. Jetzt habe er eine Katze, „die ist schneller“. Das war böse.

Und blieb es auch. Denn Balke wollte sein Publikum schon im nächsten Lied über die treuen Augen eines Hundes nach dessen Tod mit der Empfehlung trösten, die Augen in einem Glas mit Spiritus aufzubewahren. „Vor den Augen deines Hundes bist Du dann nie mehr allein.“ Da blieb manchem das Lachen im Halse stecken.

Aber Balke gab sich auch romantisch. Mit „Talisfrau“ sang er ein Liebeslied für seine Frau Ursula und plädierte dafür, in der Liebe mehr „das Reich der Mitte“ zu beachten, also die Zeit zwischen „traumhaftem Anfang und der nahenden Depression“ am Ende einer Beziehung. Das ging ans Herz.

Für alle anwesenden Männer hatte der Vollblut-Satiriker dann den ultimativen Tipp, wie sich eine Frau erobern lässt. Der „sexiest man“ sieht seinen Platz in der Küche – anstelle der Dame. „Bei Spaghetti al dente hat noch jede angebissen.“ Na dann.

Eingefleischte Balke-Fans wie Erika Frische und Tochter Kerstin Eiben aus Riede zeigten sich nach dem Schlussapplaus begeistert: „Ganz, ganz toll. Und wieder mal ein Auftrittsort mit klasse Ambiente.“ Organisiert hatte den Abend der Förderverein BI Schulwegsicherheit Riede. Auf Hof Imhorst ist die Vereinsvorsitzende Ilse Lange aufgewachsen. Hier nun Jahrzehnte später die erste Musikveranstaltung auf dem Hof zu erleben, war für sie ein wunderbares Erlebnis: „Es hat Spaß gemacht, endlich wieder Leute lachen zu sehen.“

Der Auftritt war für alle Seiten ein Gewinn. Balke und Mühl genossen sichtlich die Rückkehr ins Rampenlicht nach der kulturellen Corona-Zwangspause, und der Förderverein konnte für die Unterstützung seiner Herzensthemen Dunkelampel an der Felder Dorfstraße, Radwegbau nach Okel und Roteinfärbung des Weges am Abzweig zum Okeler Damm werben.

Von Claudia Schlüter-Ehrecke

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