Landgerichtsurteil gegen 46-jährigen Emtinghausener: 20 Monate Haft und dann Entzug

„Ohne Alkohol eine Gefahr, mit Alkohol fatal“

Verden – Gerade einmal 15 Tage nachdem er zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden war, drohte ein 46 Jahre alter Angeklagter aus Emtinghausen am Nachmittag des 24. März 2020 damit, sein Haus in die Luft zu sprengen, wenn seine Frau nicht zu ihm zurückkehren würde. Gestern hat ihn die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Verden dafür wegen Störung des öffentlichen Friedens und versuchter Nötigung zu 20 Monaten Haft verurteilt. Außerdem ordnete die Kammer die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

Anders als in dem ersten Prozess kam der Mann dieses Mal nicht mit der Urteilsverkündung wieder auf freien Fuß. Er wurde in eine Klinik zurückgebracht. Darin, dass der 46-Jährige krank ist, waren sich alle Verfahrensbeteiligten in dem neuen Prozess einig. Uneinig waren sich Verteidiger und Staatsanwältin nur, ob eine psychische Erkrankung oder eine Suchterkrankung im Vordergrund steht.

Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt hatte, neben zweieinhalb Jahren Haft, die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus beantragt. In ihrer Argumentation nahm sie Bezug auf die Einschätzung des Leiters der Klinik, in der sich der Emtinghausener nach der Tat im März aufhält. Das Hauptproblem sei eine „narzisstische Persönlichkeitsproblematik“, hatte Marquardt dem Chefarzt folgend argumentiert. „Ohne Alkohol ist die Gefahr für gleichartige Delikte riesig, mit Alkohol fatal“, zitierte sie den Mediziner.

Alkoholisiert war der Mann auch schon bei den Taten aus dem ersten Prozess gewesen. Weil er in Suizidabsicht mit mehr als zwei Promille und 128 Stundenkilometern in Thedinghausen die Vorfahrt an einer Kreuzung missachtet und einen Unfall verursacht hat, wurde er wegen versuchten Totschlags und verschiedener Verkehrsdelikte verurteilt. Wie schon damals hatte ihn seine Frau auch unmittelbar vor der Tat im März mit den gemeinsamen Kindern verlassen.

„Der erste Prozess spielt genauso wenig eine Rolle wie das Messer, das der Angeklagte bei der Tat im März bei sich gehabt hat“, argumentierte Verteidiger Michael Brennecke. Sein Mandant habe sich der versuchten Nötigung seiner Ehefrau schuldig gemacht, aber nicht den öffentlichen Frieden gestört. Die Gasflaschen im Haus seien, bis auf eine am Herd angeschlossene, leer gewesen.

„Wir sind überzeugt, dass der Schwerpunkt bei der Alkoholabhängigkeit liegt“, hieß es in der Urteilsbegründung. Damit folgte die Kammer der Empfehlung einer psychiatrischen Sachverständigen, die den Prozess begleitet hatte. „Eine Suchtproblematik ohne Persönlichkeitsproblematik ist nicht denkbar“, stellte der Vorsitzende Richter, Dr. Andreas Ortmann, denn auch fest. „Es sollte so sein, dass beides zusammen behandelt wird“, sagte er über die Arbeit in der Entziehungseinrichtung.

Eine verminderte Schuldfähigkeit ließ die Kammer dennoch gelten. „Und die Drohung war geeignet, den öffentlichen Frieden zu stören“, betonte der Vorsitzende. Die Ehefrau hatte die Polizei informiert, und es war zu einem Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei gekommen. Als der Angeklagte während dieses Einsatzes das Haus verließ, um Weidenkätzchen zu schneiden, wie er in dem Prozess aussagte, wurde er überwältigt. Er befand sich alleine in dem Haus.

Beide Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Von Wiebke Bruns

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