„So selbständig leben wie möglich“

Moderne Waldheim-Wohnstätte eingeweiht: Offenheit prägt schon den Bau

Architekt Jens Kruse (links) erklärte das neue Wohngebäude und übergab Bewohnerin Nathalie Burggräfe den symbolischen Gebäudeschlüssel zur Einweihung. - Fotos: Hemmen
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Architekt Jens Kruse (links) erklärte das neue Wohngebäude und übergab Bewohnerin Nathalie Burggräfe den symbolischen Gebäudeschlüssel zur Einweihung.

Thedinghausen - Die Offenheit steht dem neuen Wohngebäude auf dem Gelände des alten Bahnhofes sozusagen auf die Fassade geschrieben. Der bewusst schlicht gehaltene Bau hat einen hellen, freundlichen Klinkerstein, und nach hinten gehen die Fenster in große Glasfronten über, so dass viel natürliches Tageslicht für eine angenehme Atmosphäre sorgt. Dazu kommen ein Garten und eine Terrasse mit unverbautem Blick in die Natur.

Am Sonnabend wurde diese neue Wohnstätte der Stiftung Waldheim an der Bahnhofstraße 19 in Thedinghausen offiziell eingeweiht.

In seiner Begrüßungsansprache dankte Waldheim-Vorstandsmitglied Carl Georg Issing zunächst allen an dem Bau Beteiligten und ging dann auf das heilpädagogische Konzept der Waldheim-Einrichtung ein: „Menschen mit geistiger Behinderung leben hier so selbstbestimmt wie möglich und erhalten von uns die Unterstützung, die dazu nötig ist.“

2011 sei gemeinsam mit dem Landkreis und später auch mit Vertretern des Landes Niedersachsen gemeinsam verabredet worden, das Wohnangebot der Stiftung Waldheim zu verändern. Ein Teil der Doppelzimmer in Cluvenhagen sollten zu Gunsten neuer Wohnplätze in umliegenden Gemeinden aufgelöst werden, um den Menschen mit Behinderung eine Chance auf ein Leben in größtmöglicher Normalität zu geben.

Die Wohngruppe 36 fühlt sich wohl in den neuen Räumen. Von links: Bastian Bahr, Michael Hoppe, Timm Buczko, Leiterin der Wohngruppe Sina Tönnies, Nathalie Burggräfe, Mirco Klindworth.

In Thedinghausen wurde der erste Schritt gemacht. „Die Bewohner fühlen sich auch angenommen in der Nachbarschaft“, betonte Carl Georg Issing. „Zunächst haben wir uns auf die Innenräume konzentriert“, berichtete Sina Tönnies, Leiterin der Gruppe, in die 28 Bewohner der Stiftung Waldheim bereits im vorigen Herbst umzogen.

Jeder habe sein Zimmer nach eigenen Wünschen und Vorlieben gestaltet. Dafür stand eine große Auswahl an Farben und Materialien zur Verfügung. Die Küchen- und Essbereiche mit Übergang zum offenen Wohnbereich werden gemeinschaftlich genutzt.

Die Wohngruppe ist in vier Wohngemeinschaften für jeweils sechs Personen in zwei Appartements auf zwei Ebenen gegliedert. Alle sind an den Arbeitstagen in Werkstätten für behinderte Menschen beschäftigt. Nach Feierabend und an den Wochenenden stehen ihnen erfahrene Mitarbeiter zur Seite und begleiten durch den Alltag. Die Unterstützung orientiert sich an der konkreten Lebenssituation und den persönlichen Fähigkeiten des Einzelnen.

Prossner lobt die inklusive Arbeit der Stiftung

Für die musikalischen Zwischentöne bei der Einweihung sorgte die 20-köpfige „Crazy Chor Company“ unter der Leitung von Theaterpädagogin Ruth Podlich mit Liedern wie „Money, Money“, und „Ich war noch niemals in New York“. Begleitet wurde sie von Stephanie Fizke am E-Piano.

Helmut Prossner übermittelte als zweiter stellvertretender Landrat die Grüße vom Landkreis. Integration sei zu wenig. Die Stiftung Waldheim betreibe Inklusion, und das bedeute „mittendrin dabei zu sein“, hob Prossner hervor.

Harald Hesse, Bürgermeister der Samtgemeinde Thedinghausen, betrat „Oh happy Day“-singend die Bühne. Er erinnerte an Helene Grulke, die sich in einer schlimmen Zeit für Menschen eingesetzt habe, die damals als minderwertig galten. Hesse würdigte die Arbeit der Stiftung, die auf ständige Verbesserung ausgelegt sei. Dies unterstütze auch die Samtgemeinde Thedinghausen.

460.000 Euro kostete der Bau

SPD-Landtagsabgeordnete Dörthe Liebetruth gratulierte zum neuen Haus und fasste sich kurz: Sie wisse aus eigener Erfahrung in der Familie, wie wichtig die geleistete Arbeit ist. Die gut 460.000 Euro seien somit gut investiertes Geld vom Land Niedersachsen.

Zum Schluss erklärte Architekt Jens Kruse vom Architektenbüro Haslob Kruse + Partner anhand von Bildern das Baukonzept für 1250 Quadratmeter Fläche. Er fasste zusammen: „Um einen zentralen Innenhof sind die Wohngruppen so angelegt, dass eine Verbindung zu den einzelnen Räumen gegeben ist.“

Kruse dankte allen Beteiligten für eine reibungslose und vertrauensvolle Zusammenarbeit, bevor er Bewohnerin Nathalie Burggräfe den symbolischen Gebäudeschlüssel übergab.

Zu der anschließenden Besichtigung der Wohnstätte und der Party mit dem Verdener Duo „Pure Invention“ lud Moderatorin Imke Burma vom Blaumeier-Atelier Bremen, die auch durch die gesamte Eröffnungsfeier geführt hatte, die zahlreichen Gäste ein. Zur Kaffee- und Kuchentafel steuerte dann die „Crazy Chor Company“ des Waldheims unter anderem ein fröhliches „Aber bitte mit Sahne“ bei. 

hem

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