Ralf Zietz im Interview

„Kein Einzelfall“: Nierenspender äußert sich nach dem BGH-Urteil

Ralf Zietz half seiner Frau mit einer Lebendnierenspende - und wurde selber krank.

Morsum - Im Sommer 2010 spendete der Morsumer Ralf Zietz seiner Frau Marlies eine Niere - als Lebendspende. Seiner Frau ging es zwar danach besser, aber er selbst ist seitdem nur noch ein „halber Mensch“. Zietz, mittlerweile 54 Jahre alt, war vor dem Eingriff topfit.

Danach konnte der selbstständige Bau- und Wirtschaftsingenieur nur noch halbtags arbeiten, weil er chronisch müde und häufig erschöpft war und noch ist - insbesondere bei Belastungen wie zum Beispiel Treppensteigen, längerem Spazierengehen oder auch bei geistiger Anstrengung.  Jetzt hat der Bundesgerichtshof (BGH) über seinen Fall geurteilt und in Zietz‘s Sinne über die Klage auf Schmerzensgeld entschieden. Der Fall wurde an das Oberlandesgericht Hamm zurückverwiesen, das die Klage zuvor abgewiesen hatte. Wir sprachen mit Ralf Zietz.

Eine Lebendorganspende ist doch eigentlich eine gute Sache. Befürchten Sie nicht, dass es nach diesem Urteil weniger Organspender geben wird?

Eine Organspende an sich ist natürlich eine gute Sache. Doch man sollte Menschen davor schützen, sich unters Messer zu legen, ohne vorher über die Risiken einer Operation aufgeklärt zu werden. Und genau das war letztlich der Kern der gerichtlichen Auseinandersetzung. Ich glaube, wenn die Menschen besser über die Vor-, aber auch die möglichen Nachteile informiert werden, wird das Vertrauen, als Organspender aufzutreten, eher noch gestärkt. Das hat übrigens auch der BGH betont.

Was erwarten Sie von der Neuverhandlung vor dem Oberlandesgericht in Hamm?

Es geht um ein Schmerzensgeld von 100.000 Euro. Das ist angesichts meines körperlichen Schadens eher eine symbolische Summe. Verhandelt wird zudem über einen Schadensersatz, beispielsweise für den Verdienstausfall. Den kann ich nicht beziffern.

Waren Sie persönlich bei der Urteilsverkündung in Karlsruhe, wenn ja, wie haben Sie es erlebt?

Ich war dabei und innerlich sehr ruhig. Dieser Gerichtssaal, wie Gerichtssäle allgemein, ist bescheidener als man ihn aus den Fernsehbildern zu kennen scheint.

Wie geht es Ihnen heute, wie geht es Ihrer Frau?

Im Prinzip unverändert. Ich habe mein Leben an meinen körperlichen Zustand angepasst. Ich arbeite meist nur vormittags. Ohne Mittagsschlaf komme ich überhaupt nicht über den Tag, kann mich schlecht konzentrieren und habe des Öfteren Kopfschmerzen und Schwindelgefühle. Vor dem Eingriff habe ich mit einer Teilnahme am New-York-Marathon geliebäugelt und dafür trainiert. Heute geht sportlich nichts mehr, auch nicht das Skifahren, das ich früher gerne gemacht habe. Auch Alkohol vertrage ich kaum noch.       Meiner Frau ging es nach der Spende zunächst besser. Aber die Medikamente, die eine Organabstoßung verhindern sollen, haben mittlerweile deutliche Schäden verursacht, zum Beispiel mehrfach Hautkrebs. Aufgrund einer Infektion nach einem Unfall hat sie zudem ein Bein verloren.

Würden Sie heute, ausreichende Aufklärung vorausgesetzt, noch einmal für eine Lebendorganspende bei einem nahen Angehörigen zur Verfügung stehen?

Soviel vorweg: Eine Lebendspende ist sowieso nur bei einem nahen Angehörigen, ob blutsverwandt oder nicht, möglich. Zu ihrer Frage: Ganz klar nein.

Meinen Sie, dass Sie ein Einzelfall sind?

Bestimmt nicht. Es gibt einen erheblichen Anteil von Spendern, denen es schlecht geht. Aber viele reden nicht darüber. Der Anteil ist auf jeden Fall zu hoch. 

sp

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