Ein Kneipenkataster der Vergangenheit

Peter Dorschs neuer historischer Kalender thematisiert die früheren Gaststätten in Thedinghausen

Peter Dorsch mit einem Ausdruck des Titelblatts. Er selbst hat noch gar keinen Kalender bekommen
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Peter Dorsch mit einem Ausdruck des Titelblatts. Er selbst hat noch gar keinen Kalender bekommen.

Thedinghausen – Es ist wahrscheinlich, dass schon einige Leute den neuen historischen Kalender über Thedinghausen von Peter Dorsch in Händen halten, er selbst aber nicht. „Ich war auch ganz überrascht, dass die schon zu kaufen sind“, sagt der 70-Jährige.

Die Ausgabe für das Jahr 2022 ist die neunte seiner heiß begehrten Kalender. Wie immer zieren Fotos aus (längst) vergangenen Zeiten die zwölf Monate. Verbunden ist damit eine mehrwöchige Recherche zu den Bildern. Bei der Betrachtung der alten Aufnahmen kommen alteingesessenen Thedinghauserinnen und Thedinghausern Erinnerungen hoch, die womöglich besonders viel Wehmut erzeugen. Denn die vorerst mit 150 Stück in den Verkauf gegangene Ausgabe steht unter dem Motto „Unsere ehemaligen Gaststätten“.

Angesichts der Vielzahl an Schließungen von Gasthäusern in der jüngeren Vergangenheit hätte Dorsch kein trefflicheres Motto wählen können. Entsprechend kommt das Gasthaus Niedersachsen vor, das im Jahr 2020 für immer seine Pforten schloss. Doch diese jüngste Schließungwelle war möglich nur eine letzte. Schon in Jahren und Jahrzehnten zuvor ging es zuweilen Schlag auf Schlag. Vor allem die 1980er-Jahren seien schicksalhaft gewesen, als binnen weniger Jahre fünf ortsbekannte Gastwirte verstarben und damit auch die von ihnen geführten Kneipen verschwanden.

Der Kalender erinnert an 18 frühere Gasthäuser, weitere 8 werden namentlich erwähnt, die aus Platzgründen aber nicht abgedruckt werden konnten: TheDingHaus, Harmonie, Wirtshaus, Up’n Swutsch, Mullwerder, Englischer Berg, Straußenfarm, und Cordes/Mory.

Die Fotos und Postkarten zeigen Gaststätten aus Thedinghausen und Nahumgebung.

Zu sehen sind neben dem Gasthaus Niedersachsen zum Beispiel der Braunschweiger Hof, Top Secret (ein ehemaliges Nachtlokal) und das Gasthaus Schröder. Anekdote am Rande: Beim Anblick des Fotos eines Mannes am Zapfhahn entfuhr der Sachbearbeiterin bei der Verdener Kalendermanufaktur, wo die Exemplare gedruckt werden: „Das ist ja mein Opa!“ Sie hatte im Inhaber der Gaststätte Helmke in Eißel ihren Großvater ausgemacht.

Peter Dorsch bedauert die Entwicklung: „In Thedinghausen gibt es nun nichts mehr, wo man mal ein Schnitzel essen oder Karten spielen kann.“ Es müsse wieder eine klassische Kneipe her, wünscht sich der fitte Ruheständler. Dorsch weiß aber auch, dass viele Menschen ein Stück weit dazu beigetragen haben, dass die Gasthäuser schlossen, weil sich das Abend- und Freizeitverhalten in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt habe. Heute fast schon unvorstellbar, dass es eingangs von Thedinghausen zu Anfang des 20. Jahrhunderts gleich vier florierende und gut besuchte Gaststätten mit Saal- und Kegelbetrieb gab (Brüns Marie, Trantels Hotel, Hotel Meyerholz später Seedorf und Dopp später Niedersachsen).

Kalender in Thedinghausen erhältlich

Der historische Kalender mit alten Thedinghauser Gaststätten-Ansichten ist bei Papier Lange sowie bei Tee & So an der Braunschweiger Straße zu bekommen. Er ist für 19 Euro erhältlich.

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