Eine bunte Truppe für das weiße Gemüse

Multi-Kulti-Team sorgt beim Hof Bremer in Emtinghausen für die Spargelernte

Chefin Susanne Bremer (r.) freut sich über ihr bunt gemischtes Spargelstecher-Team. Das ist für sie gelebte Vielfalt auf dem Land.
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Chefin Susanne Bremer (r.) freut sich über ihr bunt gemischtes Spargelstecher-Team. Das ist für sie gelebte Vielfalt auf dem Land.

Emtinghausen – Als Susanne Bremer am Dienstag Radio Bremen hört und es dort um das Thema Vielfalt und den sogenannten Diversity-Tag geht, um Perspektiven des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Herkunft in unserer demokratischen Gesellschaft – da denkt die Emtinghauserin: „Das ist mir viel zu theoretisch und in die Zukunft gedacht. Hier auf dem Land machen wir das doch schon!“

Prompt ruft die Chefin des Bauernhofs an der Dorfstraße beim Sender an und schildert dort, was für eine bunte vielfältige Truppe auch in dieser Spargelsaison auf ihren Feldern steht.

Und gegenüber dieser Zeitung tut sie das gerne ausführlich. Es war im Frühjahr 2020. Die polnischen Erntehelfer, ein bewährtes Team, konnten und wollten nicht kommen angesichts der Pandemie. „Sie hatten Angst, ihre Familien allein zu lassen“, erinnert sich Susanne Bremer. Woher nun Spargelstecher kriegen? Zehn Leute müssten es sein.

Die Landwirtschaftskammer empfahl, auf ihren Portalen Suchanfragen zu stellen. „Doch das nützte uns nichts. Wir hätten die ja nicht unterbringen können, wenn sie von weiter weg gekommen wären.“ Für Susanne Bremer und ihren Mann Gerold war klar, dass sie die erforderlichen hygienischen Standards nicht würden erfüllen können, etwa wenn permanent die Duschen desinfiziert hätten werden müssen.

Es mussten also Helfer aus der Region, am besten aus dem Ort sein.

Zunächst waren es Mitarbeiter aus der Gastronomie. Da die Lokale damals geschlossen waren, gab es für Thekenkräfte und Küchenhelfer Kapazitäten, bei der Ernte anzupacken. „Einer kam jeden Tag aus Blumenthal.“ Hin und zurück 100 Kilometer.

Dann ging es Schlag auf Schlag: Über die evangelische Jugend in Thedinghausen wurden Schüler vermittelt, über die Flüchtlingsinitiative „Ankommen in Thedinghausen“ Migranten aus Eritrea, Gambia und Syrien.

Am Ende hatte der Betrieb ausreichend Spargelstecher, um in einem Zweischichtsystem die Ernte einzubringen. „Und bis auf ein zwei haben alle durchgehalten“, sagt Susanne Bremer erfreut.

Eine verminderte Ernte übrigens: Weil die Restaurants erst Mitte Mai wieder öffnen durften und vorher als Abnehmer ausfielen, wurden nur drei der insgesamt fünf Hektar bewirtschaftet. Die nicht beernteten Spargelreihen vom vergangenen Jahr sorgen nach der Pause in diesem Jahr für „wunderbare Ware“. Das konnte sich der Hof aber nur erlauben, „weil wir klein genug sind“. Als 100-prozentiger Selbstvermarktungsbetrieb mussten die Bremers keine festen Lieferverträge erfüllen.

Die vielfältige Truppe ist übrigens auch in diesem Jahr wieder dabei, mit wenigen personellen Änderungen. Die Stimmung auf dem Feld ist gut, trotz der Knochenarbeit mit dem vielen Bücken. „Wir arbeiten nicht im Akkord. Wer vielleicht nicht ganz so viele Stangen sticht wie der andere, dafür aber einen ordentlichen Stich macht, bekommt auch den gleichen Lohn.“ Susanne Bremer achtet auch darauf, dass nicht länger als fünf Stunden gearbeitet wird pro Schicht.

Noch bis Ende Juni, bis zum Johannistrieb, geht das Folienheben, Stechen und Folienwiederabdecken in Emtinghausen weiter. Vielleicht wegen des verzögerten Starts auch ein paar Tage über den Johannistag, den 24. Juni, hinaus. Bis dahin ist Susanne und Gerold Bremers bunte Truppe auf den Feldern. Einfarbig ist ohnehin nur der weiße Spargel.

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