Ein teuflisch gemeinnütziger Plan

Motorradclub will Häuslingshaus in Blender in eine Begegnungsstätte für alle umwandeln

Häuslingshaus von 1872 in Gahlstorf
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Der Motorradclub „Schleusenteufel“ will dieses Häuslingshaus in Gahlstorf behutsam modernisieren.

Blender – Ein Bauzaun friedet den Klinkerbau rundherum ein, ebenso wie Brennnesseln. Das Innere des Hauses ist leer geräumt. Der Abrissbagger könnte jeden Moment hierherkommen nach Gahlstorf in der Gemeinde Blender. Kommt er aber nicht. Denn das Häuslingshaus aus dem Jahr 1872 soll eine Zukunft haben.

Zumindest nach den Vorstellungen des Achimer Vereins „Die Schleusenteufel“. Die Mitglieder des Motorradclubs haben das Grundstück Gahlstorf 2 vor zwei Jahren gekauft und das Areal mit sehr viel Arbeit hergerichtet. Das Haus soll behutsam modernisiert werden.

Dem Motorradclub schwebt vor, das Gebäude als Begegnungsstätte zu führen, und zwar nicht nur für gleichgesinnte Biker, sondern für alle Gruppen und Vereine, etwa Sportclubs oder die Feuerwehr. Auch (Rad-)Wanderer sollen Rast machen können. Mittels Zahlencode sollen sie Zugang zum Haus bekommen und dann Küche und sanitäre Einrichtungen nutzen können. Jugendgruppen sollen zelten können, Sportler trainieren. Selbst Dorfgemeinschaftsfeste sollen stattfinden.

Die Vereinsmitglieder haben schon das Außengelände des Häuslingshauses in Gahlstorf hergerichtet.

Der zweite Vorsitzende Robert Morgan aus Blender stellte das Projekt unlängst dem Gemeinderat vor, verbunden mit dem formlosen Antrag, den Flächennutzungsplan zu ändern und einen Bebauungsplan aufzustellen. Denn ehe die Schleusenteufel noch mehr diabolische Kräfte walten lassen (sie haben schon den Wildwuchs rund ums Haus gerodet und alte Ölfässer und anderen Müll aus dem Hausinnern entsorgt), wollen sie sich den himmlischen Segen des Gemeinderats abholen.

Der Motorradclub hat das Gebäudeinnere unter anderem von alten Ölfässern befreit.

„Die Nachbarn unterstützen das“, sagte Robert Morgan dem Gremium. Er betonte auch, dass der Verein kein Geld von der Gemeinde wolle, sondern alles selbst finanziere.

Bei einer Vereinsauflösung hätte die Gemeinde ein Vorkaufsrecht und müsste bei Gefallen 20 Prozent weniger als den Verkehrswert zahlen. Der Erlös käme dann ebenfalls Vereinen, der Feuerwehr, Kindergärten oder Sportvereinen zugute. Morgan zufolge hat es schon Vor-Ort-Gespräche mit dem Landkreis gegeben. Tenor: Wenn die Samtgemeinde dafür ist, dann würde der Kreis nicht dagegen sein.

Und wenn der Name „Schleusenteufel“ vielleicht in eine andere Richtung denken lässt: Morgan betonte, um etwaige Bedenken zu zerstreuen: „Wir sind ein Motorradverein, kein Rockerclub!“

Gemeindedirektor Harald Hesse unterstrich, das Projekt könne nur genehmigt werden, wenn die Gemeinde den Bebauungsplan aufstelle und die Samtgemeinde den Flächennutzungsplan ändere. Er gab zu bedenken, dass im dortigen Außenbereich lediglich ein privilegiertes Vorhaben, „also irgendwas mit Landwirtschaft“, genehmigungsfähig sei. „Da gibt es auch keine Ausnahme.“ Wenn die Gemeinde einverstanden sei, trage sie den Wunsch dem Samtgemeinderat vor, der dem Ansatz der Kommunen meist folge. Nun beraten die Fraktionen über das Projekt.

Das Häuslingshaus war bei Erwerb durch den Motorradclub wie ein Dornröschenschloss zugewachsen.

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