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Löffelkunst und nackte Haut in Felde

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Leni Heyne wirft von oben einen Blick in die Skulptur „Luftballon“. Künstlerin Ursula Balke gibt ihr Halt.
Leni Heyne wirft von oben einen Blick in die Skulptur „Luftballon“. Künstlerin Ursula Balke gibt ihr Halt. © Schlüter-Ehrecke

Felde – Kunstfest bei Balkes in Felde – das ist seit 15 Jahren an Pfingsten Tradition. Im großen Bauerngarten und auf der Diele zeigten elf Kunstschaffende aus der Region ihre Werke und kamen mit vielen der mehr als 300 Besucher ins Gespräch. Die Stimmung war sommerlich entspannt. Mittendrin: Horst Wesemann, der „Löffelanwalt“, wie sich der frühere Strafverteidiger nennt.

Der Bremer bietet Löffelkunst zum Anfassen, vom 1,50 Meter langen, federbesetzten Objekt, das wahlweise als Corona-Abstands-Löffel oder Häuptlingszepter dienen kann, bis zum alltagstauglichen Suppenlöffel im Normalformat, gefertigt aus dem Weihnachtsbaum des „Löffelanwalts“ anno 1995. „Aus jedem Holz lässt sich ein Löffel machen“, so Wesemann. Und das denken wohl auch seine Bremer Nachbarn, die dem Künstler regelmäßig Holz von ausrangierten Möbeln oder vom Gartenschnitt andienen. An inspirierendem Material mangelt es ihm jedenfalls nie.

„Hier, den hat mir der Zünsler beschert“, sagt Wesemann und drückt Besucherin Andrea Franz einen Buchsbaum-Löffel in die Hand. Die ist ganz entzückt von der Haptik. „Ein toller Handschmeichler, so glatt wie Babyhaut“, beschreibt Franz die Art und Weise, wie sich das Holz anfühlt. Zu jedem Löffel liefert Wesemann eine kleine Anekdote, und dass seine Löffel auch als Kunstwerke zum Aufhängen taugen, beweist er mit im Rosenpavillon präsentierten Löffel-Leinwänden. Ein Augenschmaus.

Andrea Franz war sehr angetan von der künstlerischen Vielfalt und dem tollen Freiluft-Kunst-Ambiente. Sie ist schon Stammgast. „Erstaunlich, mit wie viel Hingabe die Gastgeber das Kunstfest Jahr für Jahr ausrichten und jedem Künstler seinen Raum geben“, lobte sie.

„Löffelanwalt“ Horst Wesemann aus Bremen zeigt Andrea Franz seine Löffel-Handwerkskunst.
„Löffelanwalt“ Horst Wesemann aus Bremen zeigt Andrea Franz seine Löffel-Handwerkskunst. © Schlüter-Ehrecke

Auf der Gartenveranda zeigte Ulrich Kaschner unter dem Titel „Die Betrachtung der Betrachter“ Fotos von Menschen, die sich Kunstwerke ansehen. Im weitläufigen Garten blieben die Augen der Besucher an Sensen- und Sägeblattvögeln von Pago Balke hängen. Der hatte wieder eine kleine Gruselecke eingerichtet und beispielsweise einen Iltis künstlerisch unter Hochspannung gesetzt. „Ein bisschen Protestkunst muss ja sein“, so Balke über seine Skulpturen, mit denen er Tierversuche anprangert.

Große Kunstdichte herrschte auch auf der Hofdiele, wo zwischen Malereien und Fotografien von beispielsweise Britta Gansberg und Thomas Lagies Gastgeberin Ursula Balke ihre neuesten Skulpturen zeigte. Publikumsmagnet war ein von außen unscheinbar anmutender, oben abgeschnittener Luftballon. Nur wer sich auf den Tritt neben der Skulptur wagte, konnte einen Blick von oben in das Innere des Ballons werfen und sah: Inmitten von Rosen lag eine nackte Frauenfigur, die sich versonnen im Spiegel betrachtete. „Ich ärgere mich, dass ich keine Kamera installiert habe. Von Lachen bis Erstaunen war alles dabei“, erzählte Balke und spannte so thematisch den Bogen zu den Betrachter-Fotografien von Ulrich Kaschner.

An das Kunstfest schloss sich Sonntagabend noch ein Hofkonzert an. Selin Demirkan von den „Zollhausboys“ sang mit ihrer Berliner Band „Sam & Sara“ Folk- und Popsongs.

Von Claudia Schlüter-Ehrecke

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