Krähenproblem in Thedinghausen: Bauausschuss will mehr als eine bloße Vergrämung

Lichtung der Bäume und Einsatz von Falken

Bauausschussmitglieder und Anwohner sprechen vor Ort über das Thedinghauser Krähenproblem.
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Bauausschussmitglieder und Anwohner sprechen vor Ort über das Thedinghauser Krähenproblem.

Thedinghausen – „Die Tiere zu töten, wäre die einfachste Variante.“ Thedinghausens Bauamtsleiter Frank Bielefeld weiß aber selbst, dass diese Radikallösung, des Krähenproblems im Rathauspark Herr zu werden, nicht erlaubt ist. Zumindest nicht von Menschenhand.

Doch soll etwas geschehen: Wie berichtet, krächzen die Vögel laut betroffenen Anwohnern ab dem Frühjahr von früh bis spät, auch wenn es jetzt etwas ruhiger geworden sei. Und sie koten Fußweg und Ampel an der Braunschweiger Straße voll, sodass die Leute oft gezwungen sind, ohne Querungshilfe die Straße zu wechseln – nicht nur eine Gefahr für Kinder.

Beim Ortstermin im Rahmen der Bauausschusssitzung unter Leitung von Arno Thalmann (CDU) machten sich die Mitglieder des Gremiums am Dienstagabend selbst ein Bild von den Gegebenheiten. Viel zu sehen oder zu hören von den Tieren war nicht, nur ihre Hinterlassenschaften flächendeckend. Anwohner schilderten, dass sie im Frühjahr und Sommer ab 4 Uhr morgens bis weit in den späten Abend vom Gekrächze genervt würden.

Bielefeld sagte, die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises würde wohl einer Vergrämung zustimmen. Das würde bedeuten: Nestentnahme durch einen Steiger maximal bis zum 31. März, und auch nur, wenn kein Ei im Nest liegt. Aber: Es sei nicht ausgeschlossen, dass sich die Krähen einfach in die vierte oder fünfte Baumreihe zurückziehen oder kleinere Kolonien bilden, heißt es in der Beschlussvorlage.

Der Ausgang des Unterfangens wäre also völlig ungewiss. Sicher wäre aber, dass die Vergrämung mehrere Tausend Euro pro Jahr verschlingen würde. Auch eine Umsiedlung sei aussichtslos, hieß es. Ausschussmitglied Heinz von Hollen weiß, dass es sich um „intelligente“ Tiere handelt, die sich rasch regenerieren und neben den Anwohnern auch seinen Berufsstand, die Landwirte, plagen. Auf bis zu 4 000 Euro schätzt er seine eigenen Verluste durch den Futterfraß der Krähen in diesem Jahr. „Wir kriegen das Problem auf lange Sicht nicht in den Griff“, sagte er später im Renaissancesaal des Erbhofs bei der Sitzung fast schon resignierend.

Um wenigstens etwas Abhilfe zu schaffen, brachte der Bauausschuss auf Grundlage eines von Ralph Landwehr (CDU) formulierten Antrags eine Auslichtung der Bäume auf den Weg. Eine Eiche und eine Kastanie sollen verschwinden, und eine Platane, deren Ast weit über die Straße hängt, soll gestutzt werden. Die Grünen und Heinz von Hollen stimmten dagegen. Die Bäume seien ortsbildprägend, mahnte Dieter Mensen (Grüne). Und von Hollen prophezeite, die „Altvorderen würden Sturm laufen gegen einen Baumbeschnitt“. Einig war man sich aber, dass die bloße Nestentnahme „rausgeschmissenes Geld“ sei.

Auch streben die Thedinghauser Lokalpolitiker einstimmig etwas an, was es in Niedersachsen noch nicht gegeben hat: den Einsatz eines Falkners zur Dezimierung der Krähen. Das sei zwar gesetzlich erlaubt, aber die Naturschutzbehörden hätten es noch nirgends im Land genehmigt, sagte Bielefeld.

Der Druck auf die Behörde müsse – ähnlich wie beim Wolf – hochgehalten werden, damit sich etwas ändere, meinte Landwehr und brachte wie auch die anderen Parteien bei einer Enthaltung vom Unabhängigen Daniel Strassner ein Lärmgutachten ins Spiel. Schließlich würde Lärm und die damit einhergehende Störung der Nachtruhe gesundheitliche Schäden hervorrufen, hätten Studien erwiesen.

Bauamtschef Bielefeld will sich erkundigen, wer den Krähenlärm überhaupt messen kann. „Das ist ja etwas anderes als eine Verkehrslärmmessung.“

Von Philipp Köster

Zurzeit gibt es etwa 30 Nester in sieben Bäumen im Rathauspark.

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