Landwirtinnen aus den Staaten zu Besuch

Milchtankstelle oder Hofladen – in den USA unvorstellbar

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Elisabeth Böse-Hartje (links) stellte der US-Delegation und Kreislandwirt Jörn Ehlers auch den Hofladen näher vor.

Eißel - Dass sich Kunden wie in Deutschland die Rohmilch direkt an einer Milchtankstelle kaufen können – „das wäre bei uns absolut unmöglich“, lautete der einhellige Tenor in der Delegation aus den USA beim Besuch auf dem Biohof Böse-Hartje in Eißel.

Wie berichtet, war eine Gruppe amerikanischer Landwirtinnen jetzt auf Informationstour im Landkreis Verden unterwegs und machte sich auch in modernen Beppener Landwirtschaftsbetrieben kundig. Danach folgte die Stippvisite auf dem Biohof, bevor die Amerikanerinnen nach Bremen, dem Endpunkt ihrer Rundreise, aufbrachen. Kreislandwirt Jörn Ehlers hatte zusammen mit dem Präsidenten der bremischen Landwirte, Hilmar Garbade, das Besuchsprogramm organisiert.

Hier nun wie angekündigt der Bericht über den Abstecher nach Eißel. Elisabeth Böse-Hartje stellte ihre umfangreiche Produktpalette im eigenen Hofladen vor, und die Berufskolleginnen aus den Staaten waren überrascht, wie vielseitig Angebote im Biobereich sein können. Während der Rundtour verpackten gerade zwei Schäfer ihr Schafsfleisch für den nächsten Markttag, was zu weiterem Erstaunen führte.

Zwecks sensorischer Überprüfung der Lebensmittel lud die engagierte Landwirtin Böse-Hartje ihre Gäste zur zünftigen Brotzeit mit norddeutschen Spezialitäten ein. Bei Hausmacherwurst und Frischkäse tauschten sich die Kolleginnen auch über zusätzliche Einnahmequellen aus.

Grundsätzlich zeigte sich die Besucherdelegation beeindruckt vom Konzept Direktvermarktung. In den USA seien die Hürden dafür wegen sehr umfangreicher Regulierungen bei Hygiene und Betriebsabläufen aber so hoch, dass dieses Modell quasi keine Rolle spiele.

Die einzige Form der Direktvermarktung sei dort der Verkauf an größere Endverbraucher. „Wir beliefern mit unserem Gemüse einige Restaurants in Seattle, die Wert auf unsere sehr frischen Produkte mit hoher Qualität legen“, erläuterte Gemüsefarmerin Rosella Mosby. Für sie käme ein eigener Hofladen schon deswegen nicht in Frage, weil die Suche nach Arbeitskräften sehr schwierig sei und die vorhandenen Mitarbeiter dringend bei der Ernte auf dem Feld benötigt würden.

Eine Farmerin aus North Dakota berichtete über einige Betriebe, die den lukrativen Service eines Urlaubs auf dem Bauernhof anbieten. Allerdings sei das Problem dabei, dass die Versicherungen in den USA Schadensersatzansprüche der Besucher bei Unfällen auf dem Hof nicht abdecken. Bei den hohen Summen, die in den Staaten eingeklagt würden, wäre dann sofort die Existenz des Betriebes bedroht. Weiterhin begleiten die organisierten Landwirte jedoch Projekte mit Schulen, damit Kinder aus Metropolregionen eine echte Farm kennenlernen können.

Jörn Ehlers sprach auch die Stalleinbrüche von Aktivisten an, die in den Betrieben filmen. Shannon Douglass aus Kalifornien berichtete von gleichen Vorfällen in den USA: „Bei uns machen sie nicht nur Fotos, sondern stehlen viele Tiere und entlassen sie in die Natur in einer Art Befreiungsaktion“.

Laut Ehlers kamen die Landwirte von beiden Seiten des großen Teichs zum Fazit, dass zu viele staatliche Regelungen andere Einnahmequellen, wie Direktvermarktung, verhindern. Vor der Abreise aus Norddeutschland besichtigte die Gruppe dann noch einen großen Autohersteller und geschichtsträchtige Orte des zweiten Weltkrieges in Bremen. 

lee

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