Landgerichtsprozess nach Attacke in Bahlum: Angeklagter bestreitet Tötungsabsicht

Angriff mit dem Hammer als „Strafe“

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Mediengruppe Kreiszeitung

Bahlum/Verden - „Wenn ich nicht da gewesen wäre, dann wäre meine Tochter heute nicht mehr hier“, sagte ein 85 Jahre alter Zeuge aus Emtinghausen-Bahlum gestern am Landgericht Verden. Er kämpfte mit den Tränen, als er von der Tat berichtete, die die Staatsanwaltschaft Verden als versuchten Totschlag verfolgt. Ein 68 Jahre alter Angeklagter aus Drebber (Kreis Diep-holz) hatte mit einem Schweißerhammer auf die in Riede lebende Tochter des Zeugen eingeschlagen.

Die Tat hatte sich am 27. August vergangenen Jahres, gegen 12 Uhr, auf dem Hof des Mannes ereignet. Der 85-Jährige saß zu dem Zeitpunkt an seinem Lieblingsplatz in der Küche. „Mit einem Mal hörte ich ein ohrenbetäubendes Geschrei“, schilderte er dem Gericht. Der Angeklagte habe seine 60 Jahre alte Tochter in die Küche geschubst, ihr Gesicht gegen eine Wand gedrückt und „immer wieder auf sie eingeschlagen“.

„Da war schon überall Blut. Was macht ein Vater dann?“, fragte er und beantwortete es selbst: „Ich habe meine letzte Kraft gesammelt, ihn geschnappt und auf die Eckbank gedrückt“, schilderte der 85-Jährige. Den spitzen Schweißerhammer habe der Angeklagte noch in der Hand gehalten, dann aber auf die Eckbank geworfen.

Der Angeklagte hatte die Hammerschläge bereits am ersten Verhandlungstag gestanden. Er habe seine „Ex“ bestrafen wollen, aber nicht töten. „Es war keine Eifersucht, sondern eine tief empfundene Enttäuschung, dass sie nicht hinter unserer Beziehung stand, wie sie es gesagt hatte“, erklärte der Angeklagte sein Motiv. Kurz zuvor hatte die 60-Jährige die Beziehung beendet.

Überraschend war der Angeklagte dann am Tattag auf dem Hof in Bahlum aufgetaucht. Er habe drei bis vier Mal mit dem Hammer zugeschlagen, bevor die Frau in die Küche flüchten konnte, wo er dann freiwillig von ihr abgelassen habe, berichtete er. Der Vater hatte jedoch sechs bis sieben Schläge gesehen. „Die Küche war voller Blut und das Mädchen hatte Blut im Gesicht“, schilderte der 85-Jährige. „Ich musste ihn so festhalten, mit letzter Kraft, dass er aus dem Griff nicht mehr rausgekommen ist.“ Dann erst habe der Angeklagte den Angriff nicht weiter fortgesetzt. Nach der Tat will der 68-Jährige in der Gegend umher gefahren sein. Die Fahrt hatte dann gegen 15 Uhr an einem Straßenbaum in der Nähe von Emtinghausen ein jähes Ende gefunden.

Unklar ist, ob der Angeklagte den Hammer mitgebracht hatte. Das würde der Behauptung widersprechen, dass es eine spontane Tat gewesen sei. Der Angeklagte will den Hammer vor der Tat aus einer Scheune auf dem Hof geholt haben. Der 85-Jährige bestreitet, dass es sein Werkzeug sei.

Der Prozess wird am Donnerstag, 10. März, fortgesetzt.

wb

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