Ein Landarzt sagt Ade

Dr. Konrad Wulst geht mit 70 Jahren in den Ruhestand

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Dr. Konrad Wulst, langjähriger Hausarzt in Thedinghausen, geht zum Jahresende in den Ruhestand. Auch für Ehefrau Sabine (hinten links) sowie die Arzthelferinnen Marianne Albers-Brandt und Petra Schaber endet die Zeit in der Praxis an der Jahnstraße.

Thedinghausen - Das Jahr 1989 war ein Schicksalsjahr Deutscher Geschichte. Auch für Konrad Wulst.

Damals verließ er nämlich mit Frau und Kindern unter schwierigen Umständen – im geschlossenen Zug über Polen – die DDR und landete schließlich in Hannover. „Ich war die politische Bevormundung leid“, erläutert er seine Beweggründe für das Verlassen seiner Heimat, Neukirch in der Oberlausitz. Sein Medizinstudium hatte er in Berlin und Dresden absolviert.

Kurz nach der Ankunft in Westdeutschland spülte ihn das Schicksal nach Thedinghausen. Da wurde gerade ein Nachfolger für den ausscheidenden Land- und Hausarzt Dr. Sturm gesucht. „Reiner Zufall“, mein Konrad Wulst.

Seitdem gehört Dr. Konrad Wulst zum Thedinghauser Inventar. Tausende von Patienten sind im Laufe der Jahre durch seine Hände gegangen. Doch nun ist Schluss.

„Ich bin jetzt 70 Jahre alt. Da darf man auch mal in den Ruhestand gehen“, meint er schmunzelnd. Seine Frau Sabine, die in der Praxis mitarbeitet, nickt zustimmend.

Noch kein Nachfolger in Sicht

Die Familie Sturm hatte genau über der Praxis an der Jahnstraße im Obergeschoss ihr Domizil. Der „Doc“ war somit nicht selten erster Anlaufpunkt, wenn im benachbarten Schulzentrum schnelle medizinische Hilfe benötigt wurde. Ansonsten bestimmten Erkältungen, Herzleiden, Diabetes und mehr seinen Alltag. „Es gab immer genug zu tun“, resümiert er und freut sich auf seine Zeit als „Arbeitsloser.“

Zu tun wird es auch weiterhin genug geben. Doch die Patienten müssen sich einen neuen Hausarzt suchen. Denn die Suche nach einem Nachfolger ist vergeblich gewesen – obwohl die Gemeindeverwaltung maßgeblich unterstützend eingegriffen hat. Wirtschaftsförderer Frank Bielefeld: „Die Gemeinde hat lange nach einem Nachfolger für Dr. Wulst und damit nach einem zweiten Hausarzt für Thedinghausen gesucht. Doch leider ohne Erfolg. Wir bleiben am Ball, wobei für eine Praxis durchaus ein anderer Standort denkbar wäre.“.

So ist dieser Thedinghauser Gesundheitspunkt bald Geschichte. Eine Arzthelferin hat einen neuen Job gefunden, die andere geht in Rente. Die Einrichtung der Praxis wird, soweit möglich, verkauft und ansonsten dahin gespendet, wo man sie noch bestens gebrauchen kann – beispielsweise für ein Krankenhaus in Afrika. Den Patienten blieb nur, ihre Unterlagen abzuholen – und darauf zu hoffen, dass sie in der Nähe bei einem anderen Arzt unterkommen. 

sp

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