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Viele Kuhlen in der Samtgemeinde Thedinghausen leiden unter der Trockenheit

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Von: Dieter Sperling

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Führt noch genügend Wasser: Die Mühlenkuhle ist der größte Teich in Thedinghausen.
Führt noch genügend Wasser: Die Mühlenkuhle ist der größte Teich in Thedinghausen. © sp

Samtgemeinde – Kuhlen – etwas gängiger: Teiche – sind wesentlicher Bestandteil der Flussniederungen im Bereich der Samtgemeinde Thedinghausen. Doch auch diese Biotope leiden derzeit unter der Trockenheit.

Der niedrige Grundwasserpegel führt dazu, dass der Wasserstand stellenweise rapide gesunken ist. Der Grundwasserpegel wiederum wird beeinflusst vom Wasserstand von Weser und Eyter – wobei die Kuhlen im Bereich der aufgestauten Eyter noch etwas besser „dran sind“. Nichtsdestotrotz begünstigt der niedrige Wasserstand das Zuwachsen der Gewässer, die durch den Laub-eintrag noch zusätzlich belastet werden und so schrumpfen. Stellenweise tut auch das in vielen Gewässern verbreitete Gewächs, das bezeichnenderweise „Wasserpest“ genannt wird, sein Übriges.

Das Thedinghauser Urgestein Gerd Schröder, der als Vorsitzender der Weser- und-Aller-Fischereigenossenschaft Verden alle Kuhlen kennt, diagnostiziert: „Zum Glück hat es in diesem Jahr noch kein Fischsterben gegeben. Doch diese Biotope leiden erheblich unter der Hitze. Einige sind bereits nahezu verschwunden, einigen anderen droht das gleiche Schicksal. In fast allen diesen Gewässern hat zudem der Fischbestand, beispielsweise Brassen, einige Weißfisch-Arten oder auch Hechte, merklich abgenommen.“ Schröder weiter: „Wenn nicht von menschlicher Seite eingegriffen wird, könnten einige dieser ökologischen Kleinode durch Verlandung für immer verschwinden. Für die Kuhlen im Außendeichbereich wäre eine ordentliche Überschwemmung, das neben frischem Wasser auch neue Fische herbeispülen würde, sicher eine Linderung.“ Über kurz oder lang bedrohte Kuhlen seien, so Gerd Schröder, unter anderem die Sandackerkuhle oder die Rottkuhle in Nottorf sowie die Schwarze Kuhle in Ahsen-Oetzen.

Manche Kuhlen entstammen einem Nebenarm der Weser – wie hier die Alte Weser Riede.
Manche Kuhlen entstammen einem Nebenarm der Weser – wie hier die Alte Weser Riede. © sp

Kuhlen nennen sich die entlang der Flüsse Eyter und Weser oft perlenartig aufgereihten kleinen Gewässer. „Um die 50 Kuhlen hat es einmal in Thedinghausen und umzu gegeben“, erzählt Gerd Schröder. Diese entstanden bei Deichbrüchen, von denen es zumindest im 18. und 19. Jahrhundert etliche gab. Teilweise gehörten die heutigen Kuhlen auch einst einem Nebenarm der Weser an.

Das mit großer Geschwindigkeit über den Damm strömende Hochwasser riss seinerzeit ganze Deichabschnitte weg. Die Wucht des Wassers strudelte auf der Rückseite des Deiches aus. Darauf ist die runde Form vieler Kuhlen zurückzuführen.

Die größte Kuhle in Thedinghausen ist die Mühlenkule, gefolgt von der benachbarten Ratskuhle. Hier brach der Deich fast bei jedem Hochwasser. Erst die Rückverlegung der Deiche sorgte für einen starken Rückgang dieser Kuhlenspülerei.

Die Überschwemmungen reichten seinerzeit bis in die Dörfer hinein. Für die Menschen bedeutete ein Deichbruch in früheren Jahren eine Katastrophe. Häuser wurden überflutet, Vieh ertrank und im Sommer wurde Ernten vernichtet. Die Kuhlen nützten den Menschen aber auch – beispielsweise als Fischfanggrund. Die Bakterien im Wasser wurden zudem für die Flachsbearbeitung benutzt und im Winter – damals gab es noch richtige Winter – wurde dort Eis zum Kühlen des Bieres geschlagen und in Kellern bis zum Sommer eingelagert.

Einen merklichen Rückgang im Bestand der Kuhlen gab es in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als viele dieser Teiche vom Reichsarbeitsdienst zugeschüttet wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis weit in die 70er-Jahre hinein wurden außerdem etliche Kuhlen als Müllkippen zweckentfremdet. Durch Zuschütten der Gewässer verschafften sich zudem mitunter Landwirte zusätzliche Flächen.

Gerd Schröder hofft, dass viele der Kuhlen noch lange Bestand haben werden: „Denn sie prägen das Landschaftsbild seit Jahrhunderten. Und das sollte möglichst lange auch so bleiben.“  sp

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