Faulturm und Halle werden gebaut

Thedinghausen: Kostensteigerung erzürnt Abwasserverband

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Klärwerksleiter Heinfried Maaß zeigt auf den alten Faulturm, der sein Soll erfülllt hat. Auf der Fläche davor soll ein Neubau entstehen. 

Thedinghausen - Die Kläranlage in Thedinghausen, ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinden Thedinghausen und Bruchhausen-Vilsen, erhält einen neuen Faulturm nebst einem neuen Gasspeicher. Baubeginn soll 2018 sein.

Das beschloss der Abwasserzweckverband auf seiner Sitzung am Dienstagnachmittag. Der jetzige Faulturm, ein unübersehbares schwarzes Monstrum direkt am Deichverteidigungsweg, wurde 1975 gebaut und ist schlichtweg in die Jahre gekommen. Die alte Anlage wird durch einen Neubau ersetzt, wobei der alte Faulturm stehen bleibt und in ein Schlammlager umfunktioniert wird. Die Kosten für den Neubau sind mit rund 2,9 Millionen Euro veranschlagt.

Der künftige Faulturm wird etwa 20 Prozent mehr Effektivität als der alte besitzen und mittels Bakterien Gas erzeugen. Das Ganze ist also quasi eine Biogasanlage. Pro Tag sollen im neuen Turm rund 1200 Kubikmeter Gas produziert werden, was einer Stromproduktion von 900.000 Kilowatt jährlich entspräche – auch deutlich mehr als der alte Faulturm.

Fahrzeug- und Werkstatthalle für den Fuhrpark

Zweite Baumaßnahme, so der Beschluss des Zweckverbandes, wird der Bau einer neuen Fahrzeug- und Werkstatthalle für den Fuhrpark sowie Maschinen und Gerätschaften aller Art sein. Bislang standen einige dieser Utensilien draußen oder in „Notquartieren“, was die Funktionalität und den Wert-erhalt nicht gerade förderte. Der Hallenneubau ist mit 375 .000 Euro veranschlagt.

Einfach durchgewunken wurden diese Baumaßnahmen von der Verbandsversammlung allerdings nicht. Im Gegenteil: Es gab massive Kritik an den Planungsbüros und der Verwaltung. Der Grund: Massive Kostensteigerungen. So war der neue Faulturm eigentlich mit rund 600.000 Euro Kosten weniger veranschlagt worden, und die Kosten für die neue Halle war im Laufe einiger Jahre von 50.000 über 150 .000 auf nunmehr 375.000 Euro gestiegen – allerdings in deutlich „aufgemöbelter“ Ausführung.

„Mangelhafter Informationsfluss“ 

Dafür hagelte es Kritik: Ralph Landwehr, Dieter Tank und Joachim Otten schlugen in die gleiche Kerbe. Der Tenor: „Die Kostensteigerung war absehbar und ist am Abwasserzweckverband vorbeigemogelt worden. Solch ein mangelhafter Informationsfluss gegenüber der zuständigen Versammlung ist eigentlich nicht hinnehmbar.“ Dieter Tank: „In der freien Wirtschaft hätte es so etwas nicht gegeben. Das funktioniert hier nur, weil man mit fremdem Geld umgeht.“

Dem hielten die Planer, Klärwerksleiter Heinfried Maaß und Samtgemeindebürgermeister Harald Hesse entgegen, dass erhöhte gesetzliche Vorgaben, eine erweiterte Bauausführung und die allgemeine Preissteigerung am Bau zu den Mehrkosten geführt hätten: Heinfried Maaß: „Keine der Baumaßnahmen ist unnötig.“ Harald Hesse: „Der Faulturm ist jetzt größer und effektiver ausgelegt. Wir müssen auch zukunftsorientiert arbeiten.“

Letztlich beließ es der Abwasserzweckverband bei einer „Rüge“ und legte der Umsetzung des letztlich alternativlosen Vorhabens keine Steine in den Weg. Nur Dieter Tank stimmte dagegen.

Noch keine Entscheidung über neue Klärschlammtrocknungshalle

Zurückgestellt wurde die Entscheidung über den Neubau einer zweiten Klärschlammtrocknungshalle. Hier soll zunächst die Entwicklung auf dem Markt der immer teurer werdenden Klärschlammentsorgung abgewartet werden, nachdem ein Ausbringen auf landwirtschaftliche Flächen nicht mehr möglich ist. Klärschlamm wird weitgehend durch Verbrennung entsorgt, wodurch unter anderem höhere Transport- und Trocknungskosten anfallen.

Inklusive Gehaltskosten und weiterer kleinerer Posten umfasst der Haushalt 2018 rund 4,1 Millionen Euro. Eine Kreditaufnahme in Höhe von 2,2 Millionen Euro ist nötig. Der aktuelle Schuldenstand Ende 2017 beträgt 2,2 Millionen Euro.

Die gute Nachricht für den Bürger: Die Abwassergebühren werden im kommenden Jahr voraussichtlich nicht steigen. Letztlich entscheiden hier die jeweiligen Räte.

Abwasser geht minimal zurück

Wie Betriebsleiter Heinfried Maaß erläuterte, betrug die zu behandelnde Abwassermenge 2017 rund 1,83 Kubikmeter, ein minimaler Rückgang gegenüber 2016. Bruchhausen-Vilsen leitet dabei deutlich mehr Schmutzwasser ein, als Thedinghausen– vorrangig bedingt durch Vilsa.

Maaß weiter: „Die Reinigungsleistung der Eißeler Kläranlage ist nach wie vor sehr gut und liegt über dem Durchschnitt, was auch durch Kontrollen der unteren Wasserbehörde bei Einleitung des geklärten Wassers in die Weser belegt wurde.“ - sp

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