1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Thedinghausen

Kleine Tipps mit großer Wirkung im Haus auf der Wurth in Thedinghausen

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Selbst hergestelltes Deo, Lippenbalsam und Waschmittel. „Nachhaltig leben muss nicht unbedingt teuer sein“, so Hüchting.
Selbst hergestelltes Deo, Lippenbalsam und Waschmittel. „Nachhaltig leben muss nicht unbedingt teuer sein“, so Hüchting. © cse

Thedinghausen – Die Jeans, die sie trägt, ist geflickt, die geblümte Sommerbluse kommt aus zweiter Hand: Julia Hüchting kleidet sich, denkt und lebt nachhaltig. Das Thema „Zero Waste“, zu Deutsch „Null Müll“, beschäftigt die 33-Jährige schon seit einigen Jahren. Freitagabend schilderte sie sehr unterhaltsam im gut besuchten Haus auf der Wurth im Rahmen der Initiative „Welcome Thedinghausen“, wie man im Alltag weitgehend Verpackungs- und anderen Müll vermeiden kann.

Wassereis einzeln in Plastik verpackt und dieses wiederum im Dutzend in einer Kunststoffbox liegend – für Hüchting der Gipfel an Verpackungswahn, den sie in einem örtlichen Supermarkt entdeckt hat. 32 Millionen Tonnen Plastik landen weltweit jährlich in der Umwelt. Der Abbau dieses Erdölprodukts dauert mehrere Jahrhunderte. Die Meere sind voll mit Mikroplastik und am Ende konsumiert der Mensch diese Partikel selbst über die Nahrung. „Fünf Gramm Plastik essen wir pro Woche“, wusste die Thedinghauserin zu berichten. „Das ist so viel wie eine Kreditkarte.“ Da ging schon ein erstauntes Raunen durch den Saal. Plastikflaschen hat Hüchting deshalb als erstes aus ihrem Alltag entfernt. Und sich dann Zimmer für Zimmer durch ihr Haus gearbeitet.

Müll vermeiden, umweltbewusster und nachhaltiger leben, das gehe nicht auf einen Schlag, sondern sei ein Prozess aus experimentieren, reflektieren und weitermachen, sagt Hüchting. Und einer, dessen Erfolg sich bei ihr drei Jahre nach der Umstellung real messen lässt: Ein einzelner gelber Sack landet im Zwei-Personen-Haushalt Hüchting nur noch alle acht Wochen statt alle 14 Tage zur Müllabholung an der Straße. Und beim Restmüll werde die kleinste aller möglichen Tonnen nur noch alle vier Wochen geleert.

Referentin Julia Hüchting gab viele praktische Tipps zur Müllvermeidung.
Referentin Julia Hüchting gab viele praktische Tipps zur Müllvermeidung. © cse

Doch wie starten mit der Müllreduzierung? Am besten mit einer Analyse des eigenen Hausmülls und des Abfalls von unterwegs. „Machen Sie Fotos, listen Sie den Müll auf und dann hinterfragen Sie kritisch ihr Kaufverhalten“, so Hüchting.

Eingeschweißtes Obst und Gemüse sollte man bewusst liegen lassen, stattdessen lose Produkte bevorzugen. Wurst, Fleisch, Käse und Fisch könne man an der Theke in eigene Dosen füllen lassen, Brot und Brötchen in mitgebrachte Stoffbeutel packen und Getränke in Mehrwegflaschen kaufen. In der näheren Umgebung gebe es auch schon einige Unverpackt-Läden sowie Unverpackt-Stationen in Supermärkten. Kleidung und Gebrauchsgegenstände könne man gebraucht kaufen oder tauschen und die Lebensdauer von Kleidung, Möbeln und Elektrogeräten ließe sich durch Reparatur oder Umwidmung verlängern und bewirke so eine selbstbewusste Abkehr vom Dauerkonsum. „Es sind Kleinigkeiten. Es ist alles nicht die Welt, aber es verändert die Welt“, ist sie überzeugt. „Und wenn alle es machen, ist es am Ende des Tages auch wirkungsvoll.“

Das größte Potenzial zur Müllvermeidung sieht Hüchting übrigens daheim im Badezimmer. „Holen Sie Glas und Holz in diesen Raum. Das ist doch viel heller und schöner als buntes Plastik“, so die Referentin. Plastikzahnbürsten ließen sich durch kompostierbare Exemplare aus Bambus ersetzen, Zahnpastatuben durch Tabletten oder Pulver und ein Seifenstück für Gesicht, Hand und Körper ersetze Flüssigseife und Duschgel.

Peelings, Lippenbalsam, Deos, Wasch- und Putzmittel könne man mit nur wenigen Mitteln einfach und kostengünstig selbst herstellen. Und für Experimentierfreudige sei vielleicht eine Po-Brause oder eine japanische Toilette interessant, wenn es um das Ersetzen von Toilettenpapier gehe.

Und wenn doch mal eine Plastik- oder Papierverpackung daheim landet? Dann solle man sie eben mehrmals benutzen. „Wiederverwenden ist cool“, sagt Julia Hüchting.

Von Claudia Schlüter-Ehrecke

Auch interessant

Kommentare