Klare Forderung des BDM an die Politik / Protestplakat aufgestellt / Ruinöser Preis gefährdet die Betriebe

Milchbauern setzen auf eine Marktumkehr

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Lore Meyer, Johanna Böse-Hartje und Elisabeth Böse (von links) vor dem frisch aufgestellten Protestplakat, auf dem Kanzlerin Angela Merkel, Landwirtschaftsminister Christian Schmidt und EU-Kommissar Phil Hogan zum Handeln aufgefordert werden.

Thedinghausen - An einer bundesweiten Aktion des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) beteiligten sich auch Mitglieder aus Thedinghausen.

An der Ecke Bremer Straße (Landesstraße 203) / Eißerler Dorfstraße wurde unübersehbar ein Plakat angebracht, das auf die derzeitige wirtschaftliche Notlage vieler Bauern, vor allem der Milchviehhalter, aufmerksam machen soll.

Der Spruch „Merkel, Schmidt & Hogan wollen lieber Milchbauern ruinieren als die Milchmenge reduzieren!“ soll die Betrachter für dieses Thema sensibilisieren. „Es ist fünf vor Zwölf“, erläutert dazu Johanna Böse-Hartje vom gleichnamigen Bio-Hof in Eißel. Ihre Schwester Elisabeth Böse weiß aus vielen Gesprächen, auch in ihrer Funktion als Tierärztin auf vielen Höfen, dass die niedrigen Preise viele Milchbauern in den Ruin treiben werden, wenn sich nicht schnell etwas ändert.

Lore Meyer, ebenfalls auf diesem Sektor aktive Landwirtin aus Thedinghausen, fügt hinzu: „Das Milchgeld reicht vorne und hinten nicht.“

Mit der jetzigen Aktion wollten die hiesigen Aktivistinnen ein Zeichen setzen. Elisabeth Böse: „Die Verweigerungshaltung der Bundesregierung und ihres Agrarministeriums sowie der EU-Kommission richtet massiven Schaden bei den Milchbauern an. Alle Überlegungen, die größte Milchmarktkrise der letzten Jahrzehnte an den wirklichen Ursachen zu packen, nämlich an der deutlichen Ausweitung der Milchproduktion in Deutschland und der EU, werden von Bundesminister Christian Schmidt mit Rückendeckung der Kanzlerin und auf EU-Ebene mit Hinweis auf den freien Markt verhindert.“

Beim BDM heißt es in einer Presseerklärung: Seit über 24 Monaten fallen die Milchpreise und seit mehr als 12 Monaten müssen sich viele Milchviehhalter mit einem Milcherzeugerpreis von deutlich unter 30 Cent je Kilogramm Milch zufrieden geben. Aktuell liegt die untere Preislinie sogar bei nur 24 Cent. Dem gegenüber stehen Futterkosten, Kosten für die Bestandsergänzung sowie sonstigen Aufwand (Tierarzt, Besamungskosten) in Höhe von 23,4 Cent je Kilogramm. Darin sind weder Arbeitskosten noch Kosten für Erhaltungs- und Neuinvestitionen, die Altersvorsorge, Sozialversicherungskosten und mehr enthalten.

Und auch die weiteren Aussichten für 2016 sind alles andere als ermunternd. Viele Milchviehhalter wissen längst nicht mehr, wie sie ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen sollen, doch die Bundesregierung und die EU-Kommission setzen sich trotzdem in keiner Weise für eine Marktumkehr ein.

Weiter heißt es in der Presseerklärung: Wer auf die Selbstheilungskräfte des freien Marktes setzt, baut darauf, dass irgendwann eine Markterholung schon dadurch eintreten wird, dass Milchviehhalter ihren Betrieb einstellen müssen. Das ist menschenverachtend und unverhältnismäßig, wenn man gleichzeitig die Möglichkeit hätte, sehr viel früher einzugreifen und mit politischem Handeln Anreize dafür zu setzen, dass überschüssige Milchmengen erst gar nicht produziert werden.

Johanna Böse-Hartje: „Es ist paradox. Wir Milchviehhalter wären bereit in dieser Krise, die Milchmengen organisiert zu reduzieren, aber die Politik sperrt sich.“

sp

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