Einmaliges Projekt im Landkreis

Wohnen bei „Kijuri“: Hilfe für junge Mütter und Väter

+
Folkard Wittrock mit Rebecca Wittrock-Rijksen und Kay Steenblock (hinten von links) sowie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des „Kijuri“ in Riede.

Riede - „Im vergangenen Jahr wurde die Idee ins Leben gerufen, eine Mutter- beziehungsweise Vater-Kind-Einrichtung, in der meist junge Mütter, ab 16 Jahre und Väter ab etwa 18 Jahre mit ihren Kindern von Geburt an bis zum Alter von sechs Jahren aufgenommen werden, um zu lernen, ein eigenständiges und lebenswertes Leben zu führen.“

Dies erklärten die Inhaber Rebecca Wittrock-Rijksen und ihr Ehemann Dr. Folkard Wittrock, beide wohnen in Okel, bei einer Besichtigung des Hauses „Kijuri“ und einem Gespräch. Und weiter: „Diese außergewöhnliche Einrichtung ist einmalig im gesamten Landkreis Verden.“

Die dort aufgenommenen Mütter und Väter kommen aus schwierigen Verhältnissen mit Gewalterfahrungen, sind meist in Heimen aufgewachsen und haben keinen Schulabschluss. Ein normales Leben ist nicht möglich. Sie werden von den umliegenden Jugendämtern der Gemeinden und Städte an Einrichtungen wie nun im „Kijuri“ in Riede vermittelt und genießen eine Betreuung rund um die Uhr, 24 Stunden lang täglich.

Es sind ständig Pädagogen anwesend, insgesamt sind sechs Mitarbeiterinnen und ein Mitarbeiter angestellt. Die Mütter und Väter sind mit ihren Kindern stets zusammen. Sie können ein bis zwei Jahre untergebracht werden. Dabei wird eine gewisse Struktur, ein gemeinsamer Tagesablauf entwickelt, der morgens mit dem gemeinsamen Frühstück beginnt. Während der Unterbringung stehen durch die Pädagogen für die Mütter und Väter zahlreiche Angebote zur Verfügung – etwa die Elternschule, um einen Schulabschluss zu ermöglichen oder bei dem wichtigen Thema Ernährung mit vielen praktischen Dingen, um später selbstständig klarzukommen.

Die Mütter und Väter werden eingespannt bei der Zubereitung der täglichen Speisen, es wird gemeinsam gekocht, eben alles, was in Familien gefordert wird.

Die große Küche mit allen erforderlichen Geräten wurde ausgiebig in Augenschein genommen.

Und dieses alles war die Intention von Erzieherin Rebecca Wittrock-Rijksen (37 Jahre) und ihrem Ehemann Folkard Wittrock, Doktor der Physik an der Universität Bremen (52 Jahre), solch eine Einrichtung ins Leben zu rufen. Um dieses alles zu ermöglichen, suchten sie eine Immobilie im Landkreis Verden, arbeiteten gemeinsam mit dem Jugendamt Verden zusammen. Sie wurden am Okeler Damm 3 mit dem ehemaligen Segelke-Haus fündig, denn von der Infrastruktur her eignete sich Riede sehr gut für diesen Plan. Beiden sagte das Haus mit Stallungen zu, „ein Rohdiamant“ wie sie bemerkte. Gemeinsam erwarben sie Haus und Grundstück mit Kay Steenblock als Hausmiteigentümer.

„Ein langer, langer Weg lag vor uns, aber wir gingen mit großer Überzeugung an die Arbeit“, so Rebecca Wittrock-Rijksen. Durch Abriss und Umbau mussten etwa 150 Tonnen Schutt beseitigt werden. Die umfangreichen Renovierungen erwiesen sich durchaus als schwierig. Doch letztlich entstanden beziehungsweise entstehen nun acht großzügige helle und geräumige Zimmer mit separaten Bädern. Davon sind bereits vier bezogen.

Eine große moderne Küche mit Vorrats- und Aufenthaltsräumen und vieles mehr runden das Objekt ab. Die Bauarbeiten sollen im Dezember abgeschlossen sein, zurzeit werden noch die „Feinarbeiten“ erledigt. Bei einem Rundgang über das etwa 16.000 Quadratmeter große Außengelände mit Weideflächen, Streuobstwiese, Foliengewächshaus und Unterstellschuppen für Geräte sowie einem großen Garten wurde deutlich, dass sich auch hier viele Möglichkeiten ergeben.

Eigenversorgung mit Gemüse und Obst

Wie Rebecca Wittrock-Rijksen bereits plant, sollen viele Sorten Gemüse zur Eigenversorgung angepflanzt werden, es wurde bereits Apfelsaft gepresst. Und natürlich ist auch an Haustiere gedacht. Zu den zwei Katzen sollen sich noch Hühner sowie später Schafe und Pferde gesellen. Dadurch haben die Mütter, Väter und Kinder auch einige tägliche Aufgaben zu verrichten.

Die Kinder- und Jugendhilfe Riede „Kijuri“ hatte am Samstag zu einem Lichterfest und Tag der offenen Tür eingeladen. Dabei konnten sich die zahlreichen Besucher das gesamte Bauvorhaben und Einrichtung anschauen und sich davon überzeugen, dass hier Menschen mit allen Möglichkeiten, Energie und Einsatz dabei geholfen wird, ein normales Leben führen können.

Im Haus fanden die Besucher auch Kunsthandwerk, darunter auch Spielzeug und Kleidung zum Erwerb vor. Draußen in einer kleinen Remise auf dem Hof schmeckten Knipp, Bratwurst sowie kalte und warme Getränke. Und überall zierten leuchtende Fackeln, Girlanden und Lampions das Gelände.

jb

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Siegerin Kerber lobt Vogel - Lange & Eishockey-Team geehrt

Siegerin Kerber lobt Vogel - Lange & Eishockey-Team geehrt

Weihnachtsbaumverkauf in Westeresch

Weihnachtsbaumverkauf in Westeresch

Nikolausmarkt in Bücken

Nikolausmarkt in Bücken

Weihnachtsmarkt in Blender

Weihnachtsmarkt in Blender

Meistgelesene Artikel

Katzen im Tierheim Verden: Pechschwarz und putzmunter

Katzen im Tierheim Verden: Pechschwarz und putzmunter

Zielvereinbarung zwischen Rat und Bürgermeister unterzeichnet

Zielvereinbarung zwischen Rat und Bürgermeister unterzeichnet

Brockmann wird wieder Bürgermeister-Kandidat

Brockmann wird wieder Bürgermeister-Kandidat

Traditionelles Weihnachtskonzert des Gymnasiums am Wall im Dom

Traditionelles Weihnachtskonzert des Gymnasiums am Wall im Dom

Kommentare