Ansturm auf wiedereröffneten Abfallhof für Privatkunden hält sich in Grenzen

Keine Schlangen von Beppen bis Meppen

Mirko Wiechmann hat Grünschnitt angeliefert.

Thedinghausen / Landkreis - Von Philipp Köster. Ein Kunde liefert eine Hausverkleidung an, die er ordentlich portioniert auf seinen kleinen Anhänger geladen hat. „Bitumenbeschichtet? Das macht 40 Euro.“ Mit Kennerblick hat Mitarbeiter Hermann Promies direkt an der Einfahrt zum Beppener Abfallhof ungefähres Volumen und Material gesichtet und kassiert auch gleich dort. Der ältere Herr bezahlt und freut sich, dass nicht so viel los ist. „Ich habe es schlimmer erwartet“, sagt er und kündigt eine zweite Fuhre an: „Ich komme gleich noch mal wieder.“ – „Bedrohen Sie mich nicht!“, entgegnet Promies scherzhaft.

Der Ton ist gelöst, die Sprüche locker an diesem ersten Tag auf dem Wertstoffhof nach der Corona-bedingten Schließung. Für Privatkunden hieß es über etliche Wochen: kein Zutritt. Doch am Mittwoch waren die Höfe in Beppen, Oyten und Kirchlinteln wieder geöffnet. Entsprechend hatten sich in Beppen, der größten Annahmestelle im Landkreis, Vorarbeiter Ulrich Sachs und sein Team auf einen wahren Ansturm eingestellt. Der war allerdings ausgeblieben.

Hermann Promies und sein Bruder Bernd, der sonst auf dem zurzeit noch geschlossenen Hof in Verden arbeitet, berichten zwar von einer kleinen Schlange zu Dienstbeginn gegen 8 Uhr. Aber ansonsten hat sich der Andrang bis mittags in Grenzen gehalten. Da war es in Kirchlinteln schon ein wenig wuseliger, hatte Ulrich Sachs am Morgen erfahren. Er hatte Kunden, die sich telefonisch erkundigt hatten, gebeten, nicht gleich am ersten Tag zu kommen. „Ich hatte erwartet, dass wir vor lauter Schlange selbst gar nicht ans Tor fahren können“, sagt er, während er einen Bürger „verarztet“, der alte Blumentöpfe loswerden will. „Die Frau auf dem Beifahrersitz geht aber wieder mit.“ Auch Ulrich Sachs hat den Schalk im Nacken.

Doch ist die Annahme keine Komik-Veranstaltung: „Weiter hinten bitte vorsichtig fahren, da wird es voller, und immer Abstand halten“, ermahnt der mit Atemschutzmaske bekleidete Hermann Promies die Nutzer. Weiter hinten – dort können die Leute zum Beispiel ihren Grünschnitt abgeben und ihren Anhänger gleich wieder mit frischem Kompost befüllen. Wie etwa Hans-Gerhard Bodendick aus Hustedt. „Ich war einen Tag zu spät da“, erinnert er sich an den Tag nach der Schließung Mitte März. Gleich geht es mit dem Kompost in den Garten.

Dass Bodendick aus der Gemeinde Martfeld im Nachbarkreis Diepholz kommt, kümmert Sachs und seine Mannen nicht. Im Landkreis Verden gibt es anders als etwa in Diepholz keine Beschränkung auf den „Müll-Verursachungslandkreis“. Bernd und Hermann Promies hinterfragen auch nicht, ob eine Anlieferung nun unbedingt „dringlich und unvermeidbar“ ist, wie der Landkreis die Bürger selbst zu prüfen bittet. Streng genommen entspricht wahrscheinlich keine der Lieferung an diesem Vormittag dieser Prämisse. Bernd Promies schüttelt auch ohne Corona manchmal den Kopf darüber, dass die Leute mit einer ausrangierten Energiesparlampe an Bord 20 Kilometer mit dem Auto zum Wertstoffhof fahren. Doch schränkt er ein: „Ich weiß aber ja nicht, mit welchem Vorhaben sie diese Fahrt verbinden.“

Auch Mirko Wiechmann aus Felde hätte seine kaputten Rennradfelgen, den auseinandergeschraubten Bollerwagen sowie Laub und Grünschnitt vielleicht ebenso noch bis nach Ende der Corona-Pandemie zu Hause lagern können. Doch auf dem großen Gelände in Beppen verläuft sich alles schnell. Auf Abstandsregeln muss man nicht groß achten, wie etwa im Supermarkt, dafür herrscht zu wenig Gedränge.

Wiechmann befürwortet die schrittweise Lockerung der Vorschriften für das öffentliche Leben. Er findet gut, wie Regierung und Behörden die Krise händeln. „Vielleicht könnte jetzt mehr Einzelhandel erlaubt werden. Aber es besteht auch immer die Gefahr einer zweiten Welle.“

Derweil fährt bei den Brüdern Promies am Eingangstor ein Auto mit Lörracher Kennzeichen vor. Altpier und Wertstoffsäcke hat der Fahrer geladen. Hat der Beppener Bauhof sogar Strahlkraft bis an die Schweizer Grenze? „So berühmt sind wir dann doch nicht“, sagt Hermann Promies. „Ich kenne den Mann, der wohnt hier in Beppen.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Mit Vaseline und gutem Gummi - so wird das Auto winterfit

Mit Vaseline und gutem Gummi - so wird das Auto winterfit

Jubel in Hoffenheim: Sieg gegen Roter Stern Belgrad

Jubel in Hoffenheim: Sieg gegen Roter Stern Belgrad

Leverkusen startet mit Rekordsieg gegen Nizza

Leverkusen startet mit Rekordsieg gegen Nizza

Welche Kanareninsel ist die richtige für mich?

Welche Kanareninsel ist die richtige für mich?

Meistgelesene Artikel

Bundeswehr-Einsatz rückt näher

Bundeswehr-Einsatz rückt näher

Bundeswehr-Einsatz rückt näher
Coronavirus im Landkreis Verden: 7-Tage-Inzidenz steigt - 32 Neuinfektionen

Coronavirus im Landkreis Verden: 7-Tage-Inzidenz steigt - 32 Neuinfektionen

Coronavirus im Landkreis Verden: 7-Tage-Inzidenz steigt - 32 Neuinfektionen
Corona-Risikogebiet Landkreis Verden: An einem Tag so viele Fälle wie noch nie zuvor

Corona-Risikogebiet Landkreis Verden: An einem Tag so viele Fälle wie noch nie zuvor

Corona-Risikogebiet Landkreis Verden: An einem Tag so viele Fälle wie noch nie zuvor

Kommentare