40 Jahre länger katholisch als Nachbarort Oiste

Intschede trotzte der Reformation

Die Intscheder Kirche wird 200 Jahre alt. Das wird am 25. August gefeiert. Hier hielt sich der Katholizismus länger als in Oiste.

Intschede/Oiste – Friedlich, und als wäre es nie anders gewesen, firmieren heute die Kirchengemeinden Intschede, Oiste (und Blender) unter einem verbundenen Pfarramt.

So friedlich und einträchtig ging es jedoch nicht immer zu, woran im Rahmen des 200-jährigen Jubiläums der Errichtung der Intscheder Kirche noch einmal erinnert sei.

Vor über 400 Jahre machte sich in vielen Teilen des heutigen Deutschlands nämlich die Reformation breit. Aber nicht überall.

Die konfessionellen Gegensätze hielten sich in unserer Region am längsten im Raum Intschede/Oiste. Beide Kirchengemeinden waren Bastionen ihrer jeweiligen Religionen. In Oiste, das zur Grafschaft Hoya gehörte, wurde die Reformation knapp 40 Jahre früher eingeführt als in Intschede. Dort hielt sich der katholische Glauben bis 1574, was vor allem der Beliebtheit und Bekenntniskraft des Priesters Wolterus Bornemann zuzuschreiben war. In Oiste hingegen wurde bereits seit etwa 1530 unter Pastor Appelius im Geiste Luthers gepredigt.

Hier hielt sich der Katholizismus länger als in Oiste.

Da es im Mittelalter kurz nach der Reformation quasi keine Zusammenarbeit zwischen den Konfessionen gab, lag somit auch zwischen Intschede und Oiste eine unsichtbare geistige Grenze. Dass es mitunter auch handfest zuging, beweist ein Vorfall aus Blender. Dort wurde 1571 der erste lutherische Pastor Bertram Karbruch vom Sohn des Küsters ermordet.

Zwar sind Katholiken und Protestanten auch heute längst noch nicht auf einer Linie. Aber zumindest die Fehde zwischen den beiden Wesermarschdörfern hat sich erledigt. Schließlich ist Intschede auch schon eine ganze Weile reformiert.

In Intschede, das am 25. August den Geburtstag seines Gotteshauses feiert, standen an gleicher Stelle auch vor 1819 Kirchenbauwerke. Der erste schriftlich gesicherter Nachweis über einen Kirchenbau stammt aus dem Jahre 1347. Die St.-Michaelis-Kirchengemeinde ist schon seit 1120 selbstständige Kirche, einst als Tochterkirche der Kolegiatkirche Lunsen.

Auch Oiste, die jetzige Kirche wurde 1832 errichtet, ist seit vielen Jahrhunderten Kirchenstandort. Hier stammt die erste schriftliche Erwähnung aus dem Jahre 1420.

Am 25. August wird die Vergangenheit in Intschede wieder ein wenig lebendig, wenn der Kirchengeburtstag mit großem Programm gefeiert wird. Unter anderem marschieren Dorfbewohner vor dem Gottesdienst durch den Ort und dann in die Kirche ein – kostümiert wie in alten Zeiten – als Handwerker, Bauern oder Pastoren. Der Festgottesdienst beginnt um 11 Uhr, das „Spektakel“ vor der Kirche ab 10.40 Uhr.

Hierzu sind alle Intscheder eingeladen – und auch die „verfeindeten“ Oister Glaubensfreunde dürfen natürlich vorbeischauen.  sp

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Neue Streiks in Frankreich erwartet - Züge stehen still

Neue Streiks in Frankreich erwartet - Züge stehen still

Richtungskampf beim SPD-Parteitag

Richtungskampf beim SPD-Parteitag

Was bringt Ridepooling wirklich?

Was bringt Ridepooling wirklich?

Streiks in Frankreich gehen in neue Runde

Streiks in Frankreich gehen in neue Runde

Meistgelesene Artikel

Diagnose Lipödem: „Es ist ein täglicher Kampf“

Diagnose Lipödem: „Es ist ein täglicher Kampf“

Auszug aus Pflegeheim droht: 96-Jährige kann Kosten nicht mehr aufbringen

Auszug aus Pflegeheim droht: 96-Jährige kann Kosten nicht mehr aufbringen

Mehrweg statt Plastik auf dem Weihnachtsmarkt Verden - Kunden meckern und klauen

Mehrweg statt Plastik auf dem Weihnachtsmarkt Verden - Kunden meckern und klauen

Tödlicher Unfall in Daverden: BMW erfasst Radfahrerin - mehrstündige Sperrung

Tödlicher Unfall in Daverden: BMW erfasst Radfahrerin - mehrstündige Sperrung

Kommentare