Schwindelfrei – und zu 100 Prozent zuverlässig

23-Jähriger aus Kabul arbeitet sich bei Gerüstbauer hoch

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Packt ordentlich mit an: Der 23 Jahre alte Amir Mohammed Mohammadi (rechts) punktet bei seinem Chef Paul Pieper.

Intschede - Von Sandra Bischoff. Manchmal hapert es noch ein wenig an der deutschen Sprache, an der handwerklichen Ausbildung gibt es allerdings wenig zu meckern: Amir Mohammed Mohammadi steht wohl für das, was man als gelungene Integration bezeichnet. Vor zweieinhalb Jahren ist der gebürtige Afghane nach Deutschland geflohen und hat jetzt seinen ersten Arbeitsvertrag bei der Firma Bassenberg Gerüstbau unterschrieben, wo er seit einigen Monaten ein Praktikum absolviert.

Mitte Februar klingelte in der Betriebsstätte an der Intscheder Dorfstraße das Telefon und eine Mitarbeiterin des Niedersächsischen Bildungswerks für Wirtschaft fragte Betriebsleiter Stefan Pieper, ob er sich vorstellen könne, einen 23-jährigen Gerüstbauer aus Kabul ein Praktikum machen zu lassen. Stefan Pieper und sein Sohn, Bauleiter Paul Pieper, mussten nicht lange überlegen. Sie sagten zu, und nur wenige Tage später erschien Amir Mohammed Mohammadi. „Ich habe in Kabul schon fünf Jahre lang im Gerüstbau gearbeitet“, sagt der 23-Jährige, der in Deutschland in diesem Bereich Fuß fassen wollte.

Bevor er sein Praktikum antrat, besuchte er einen siebenmonatigen Deutschkurs. „Ich verstehe alles sehr gut, aber das Sprechen ist nicht so einfach.“ Das haben auch seine Chefs schnell erkannt und in Absprache mit dem Bildungswerk lernt Mohammadi weiterhin an zwei Tagen die für ihn fremde Sprache. „Das war wichtig, damit Amir eine gute Mischung aus Theorie und Praxis erhält“, sagt Paul Pieper. An den anderen drei Tagen der Woche hilft der 23-Jährige im Betrieb mit.

Schnell Vokabular angeeignet

Das fachspezifische Vokabular hat er sich schnell angeeignet, sagen seine beiden Chefs. Und zudem seien die Arbeiten hierzulande nicht komplett anders als in seiner Heimat, allerdings nehme man in Kabul die Sicherheitsvorschriften nicht ganz so ernst, haben sie aus Gesprächen mit ihrem jungen Kollegen erfahren.

Am 31. Mai hat Mohammadi seinen letzten Tag als Praktikant. Ab 1. Juni ist er einer von 15 fest angestellten Mitarbeitern der Außenstelle von Bassenberg Gerüstbau. „Wir haben einen extrem großen Bedarf an Mitarbeitern, der Fachkräftemangel ist ja kein Geheimnis“, sagt Paul Pieper. Und sein Vater ergänzt: „Man müsste diese Möglichkeit viel stärker in Betracht ziehen, es gibt ja noch viel mehr Leute wie Amir, die einen Job suchen und arbeiten wollen. Man muss dann allerdings die Hürde nehmen, dass die Deutschkenntnisse vielleicht anfangs nicht ganz so gut sind.“

Mit Bus, Bahn und Fahrrad zur Arbeit

Der Praktikant aus Kabul punktet bei Vater und Sohn Pieper sowie bei seinen Kollegen dafür mit anderen Eigenschaften. „Er ist schwindelfrei und zu 100 Prozent zuverlässig und pünktlich.“ Und dass, obwohl er nicht um die Ecke wohnt. Von seiner Wohnung in Dörverden fährt er mit dem Bus nach Verden, steigt in den Zug nach Langwedel und schwingt sich dann aufs Fahrrad nach Intschede. „Ich nehme den ersten Bus“, sagt Mohammadi. Seine Tätigkeit bei dem Gerüstbauer in Intschede beginnt am frühen Morgen. Er freut sich, dass sein beruflicher Start in seiner neuen Heimat so reibungslos klappt. „Ich bin sehr froh darüber.“

Für Vater und Sohn Pieper ist klar: „Der Neuzugang bereichert den Betrieb. „Er ist noch jung und bringt Schwung und Potenzial mit, so etwas ist immer förderlich. So jemanden wie Amir nehmen wir auf jeden Fall gerne wieder.“

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