Informationsveranstaltung zum neuen Flüchtingsquartier „Polar“ / Unterbringung von bis zu 170 Personen möglich

Bohlmann: „Kein Rundumsorglospaket“

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Auf dem Podium, von links: Polizeirat Thorsten Strier, Landrat Peter Bohlmann, Samtgemeindebürgermeister Harald Hesse, Thedinghausens Bürgermeister Diethelm Ehlers, der Thedinghauser Ordnungsamtsleiter Sönke Haverich und Petra Hille-Dallmeyer von der örtlichen Flüchtlingsinitiative.

Morsum - In informativer und keineswegs aggressiver Weise lief die Informationsveranstaltung über die geplante Flüchtlings-Unterbringung im Firmenkomplex des ehemaligen Fenster- und Türenwerkes „Polar“ in Morsum ab.

30 bis 40 Flüchtlinge wird der Landkreis in der kommenden Woche in dem Bürotrakt und der Produktionsstätte in Ahsen-Oetzen unterbringen. Für zunächst einmal drei Jahre hat der Landkreis Verden diese Immobilie angemietet, um dem Strom der zugewiesenen Flüchtlinge Herr zu werden. Landkreis und Gemeinde informierten am Mittwochabend im Morsumer Schützen Centrum (MSC) darüber, wie die Unterbringung ablaufen soll.

Gut 100 interessierte Bürger waren zu der Infoveranstaltung gekommen. „Dass Polar als Flüchtlingsunterkunft hergerichtet werden soll, war kein großes Geheimnis“, sagte Landrat Peter Bohlmann. Er spielte mit offenen Karten und kündigte die Möglichkeit an, dass bis zu 170 Personen in der ehemaligen Produktionsstätte aufgenommen werden könnten. Die Frage nach dem Zeitraum der Unterbringung blieb unbeantwortet: „Wenn es weniger als drei Jahre werden, sind wir natürlich froh.“

Fakt ist, dass die Umrüstung in eine Unterkunft nahezu fertiggestellt ist. In den ehemaligen Verwaltungstrakt ziehen nächste Woche die ersten Flüchtlinge ein.

Die Frage nach der Nationalität der Ankommenden konnte Bohlmann nicht beantworten. „Wir bekommen die Zahlen zwei Tage vor der Ankunft mitgeteilt. Es ist aber momentan der Trend festzustellen, dass wenige aus den Balkanländern und Schwarzafrika kommen – aber viele Kriegsflüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan.“

Eine Halle hinter den Büroräumen wurde als Gemeinschaftsraum hergerichtet. Die Polar-Heizung ist angezapft und läuft. 14 Duschen und Waschbecken wurden nachgerüstet.

In der angrenzenden Halle werden ab dem 20. Dezember etwa 60 weitere Personen untergebracht. Eine weitere Überlegung der Verwaltung ist, eine weitere Halle in Holzrahmenbauweise für noch einmal 60 bis 70 Personen herzurichten, wenn das nötig werden sollte. Das ergibt letztendlich eine mögliche Zahl von bis zu 170 Personen.

„Ist das nicht zu viel für den Ort?“, fragte Bernhard Köcklar aus dem Publikum. „Als ein bisschen Kaffeesatzleserei“ bezeichnete Bohlmann die Frage und verwies auf gute Erfahrungen, wenn Flüchtlinge zentraler im Ort anstatt weit außerhalb untergebracht werden. „Lernen Sie die Leute erst einmal kennen, dann werden Sie erleben wie dankbar diese sind“, sagte Petra Hille-Dallmeyer von der Initiative „Ankommen in Thedinghausen“. Weiter ausgeführt wurde, dass eine Selbstversorgung gewährleistet sei und entsprechende Küchengeräte und Waschmaschinen installiert werden. Bohlmann: „Werden es mehr als 100 Personen, müssen wir sehen, ob das noch klappt.“

Der Achimer Polizeirat Thorsten Strier thematisierte Sicherheitsbedenken und sprach die guten Erfahrungen mit Sicherheitsdiensten an. Ein Sicherheitsdienst wird auch bei Polar vor Ort sein – zunächst tagsüber und bei mehr als 100 Personen rund um die Uhr. „Außerdem stehen wir täglich mit den Unterkünften in Kontakt“, so Strier, der den Anwesenden viele Sorgen in Bezug auf Gewalt und Kriminalität durch bisherige Erfahrungswerte nehmen konnte.

„Wer reinigt die Unterkunft“, fragte Hildegard Maaß. „Hier setzen wir klar darauf, dass diese Tätigkeiten selber erledigt werden und wir kein Rundumsorglospaket anbieten“, so Bohlmann.

„Die meisten Flüchtlinge“, so Petra Hille-Dallmeyer, „freuen sich erfahrungsgemäß über Hilfe von Einheimischen. Aber es ist unterschiedlich: Manche suchen Kontakt, andere haben bereits gute Kontakte, zum Beispiel Verwandte in der Gegend. Wieder andere sind zum Zeitpunkt ihrer Ankunft noch damit beschäftigt, ihre teilweise traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Man muss abwarten, was die Menschen konkret brauchen. Wer helfen will kann sich auf unserer Internetseite www.ankommen-in-thedinghausen.de eintragen.“

ha

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