Dezentral und „Zack - Zack - Zack“

Impfstart in Thedinghauser Hausarztpraxen

Impfen in Hausarztpraxis in Riede
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Die hausärztliche Gemeinschaftspraxis des Rieder Landärzte-Teams startete bereits Anfang der Woche mit den ersten Impfungen. Das Bild zeigt von links Rieke Cherbinske-Linke, Joachim Wagner, einen Patienten sowie Gaby Kastens.

Thedinghausen – „Ich habe gar nichts gemerkt“, sagt Iris Sternhagen völlig entspannt. Schon komisch: Dieser kleine, kaum spürbare Nadelstich passt von der Dramatik her gar nicht zum großen, monatelangen, zermürbenden, ermüdenden, aufwühlenden, polarisierenden, tödlichen, alles beherrschenden Zirkus, den dieses elende Coronavirus mit uns veranstaltet.

Iris Sternhagen hat also nichts gemerkt vom Piks, den ihr Arzthelferin Katja Bruns gesetzt hat. Die 53-jährige Patientin ist am Donnerstag die 16. auf der Liste der Impflinge in der Hausarztpraxis Weyhe an der Braunschweiger Straße. Wie so viele Praxen in dieser Woche in Deutschland steigt auch die im Thedinghauser Zentrum ins dezentrale Impfgeschehen ein.

Weil sie in der Altenpflege arbeitet, kommt Iris Sternhagen an diesem Vormittag als eine von 30 Patientinnen und Patienten an die Reihe. Die Praxis halte sich streng an die Vorgaben der Priorisierungsreihenfolge der Coronavirus-Impfverordnung, betont Dr. Sascha Bade. Nix mit Vorrang für Privatpatienten und Tennisfreunde der Ärzte, räumt er mit Drängler-Gerüchten auf.

„Es geht Zack – Zack – Zack, fast im Fünf-Minuten-Takt“, sagt der Mediziner. Alle Impflinge seien bislang erschienen. Schließlich gehe es auch darum die 30 „Dröhnungen“, wie Bade sie nennt, zügig in die Oberarme der Leute zu kriegen. Innerhalb von sechs Tagen muss das Vakzin verimpft sein.

Tut gar nicht weh: Arzthelferin Katja Bruns impft Altenpflegerin Iris Sternhagen in der Thedinghauser „Hausarztpraxis Weyhe“

Fünf Violen hat die Praxis von Dr. Daniel Strassner, Inhaber der Brunsviga-Apotheke ganz in der Nachbarschaft, bekommen. Strassner beliefert die Hausarztpraxis Weyhe und die von Dr. Röpke, und zwar nach einem penibel beachteten Prozedere. „Bis Dienstag 12 Uhr müssen die Ärzte ihre Bestellung für die darauf folgende Woche abgeben, die Apotheker bis 15 Uhr beim Großhändler.“ Der Handel wiederum ordere das Vakzin bei einem der rund ein Dutzend Lager. Der Großhandel gebe dann mittwochs Rückmeldung, wie viel geliefert werden kann; das gäben die Apotheken dann weiter an die Ärzte, und die planten dann die Impfungen.

Dr. Strassner zeigt das Ausfuhrprotokoll für die Zuteilung an die Praxis Dr. Röpke: Demnach kam das Vakzin am Dienstag um 4 Uhr aus der Ultratiefkühlung bei minus 78 Grad Celsius. Über den Großhändler gelangte es bis 11.50 Uhr zur Apotheke. 20 Minuten später war es in der Praxis. Neben der minutiösen Abzeichnung des Auslieferungsprozesses war auch die Einhaltung der Kühlkette von Bedeutung, so der Apotheker.

Aus einer Viole mit Impfstoff lassen sich in der Praxis, angereichert mit Kochsalz, sechs Spritzen bestücken und verimpfen. In dieser ersten Woche ist es der Impfstoff von Biontech. „Ich selbst habe Astrazeneca bekommen“, sagt Bade und berichtet auch von Nebenwirkungen bei sich selbst und im Praxisteam. Doch seien die alle im Rahmen. Nur Thrombose-Patienten würde er das soeben von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) wiederholt als unbedenklich attestierten Astrazeneca-Vakzin nicht spritzen.

Iris Sternhagen freut sich trotzdem über den Impfstoff aus dem Hause Biontech. Sie musste zuvor Formulare ausfüllen, die die Patienten vorab von der Internetseite der Praxis herunterladen können (www.hausarztpraxis-weyhe.de). Bevor sie den Piks von Katja Bruns bekommt, fragt der Doktor noch, ob die Patientin gesund ist. „Ein fiebriger Infekt ist ein Ausschlusskriterium für die Impfung.“ Nach der Injizierung muss sich die 53-Jährige noch 15 Minuten in der Nähe aufhalten. „Wir müssen schnell Zugriff haben, falls doch mal jemand zusammenklappt.“

Doch es läuft alles rund. Und rasch. Wenn es drauf angekommen wäre, hätte die der Praxis zugeteilte Impfstoffmenge auch innerhalb von eineinhalb Stunden in den Mann und die Frau gebracht werden können, sagt Dr. Bade. „Wir hätten schon vor drei Monaten in den Praxen anfangen sollen.“ Für seine beiden Praxen in Thedinghausen und Weyhe rechnet er die realistische Anzahl an Impfungen parallel zum laufen Betrieb hoch und kommt auf 6 000. „Und das multiplizieren Sie mal mit der Anzahl der Hausarztpraxen in Deutschland: 50 000.“ Selbst wenn er die Probleme mit der anfänglichen Versorgungsknappheit gegenrechnet und die Tatsache einkalkuliert, dass nicht alle Praxen impfen, wagt Bade die Behauptung, dass das „hier viel schneller geht“. Ja, man hätte sich die Einrichtung von zentralen Impfzentren für viele Millionen Euro komplett sparen können, kritisiert der Mediziner, bevor er sich Impfling Nr. 17 zuwendet.

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