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Illmer 6 in Thedinghausen: Abwägungsentscheidung für Neubauten

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Der Staakweg in Thedinghausen
160 Meter des Staakwegs müssen für die Erschließung weichen, hat Ralph Landwehr (CDU) ausgerechnet. © pk

Thedinghausen – Wer erwartet hatte, nach der Bauausschusssitzung zum Baugebiet Illmer 6 würde es auch auf der Ratssitzung eine Woche später hoch hergehen, sollte recht behalten. Vor allem SPD-Ratsherr Diethelm Ehlers war sauer über „Unterstellungen“ sowie „maßloses und unverschämtes“ Verhalten von Anwohnerinnen, das er in besagter Bauausschusssitzung und in einem Leserbrief an diese Zeitung vernommen hatte.

Und gleich zu Beginn der Ratssitzung am Dienstagabend im Morsumer Schützen-Centrum wies er die Gäste vorsorglich darauf hin, dass die Einwohnerinnen und Einwohner laut Geschäftsordnung 15 Minuten Zeit für Fragen hätten – und erntete Raunen und Kopfschütteln von den Belehrten.

Anwohnerin (und Leserbriefschreiberin) Petra Tietjen fragte dann auch nach. Sie erkundigte sich vor allem nach einer nicht-öffentlichen Infoveranstaltung für die Ratsleute Ende Juni. Ihre Mutmaßung: Dort könnte hinsichtlich Illmer 6 schon alles beschlossen worden sein. Bürgermeister Thomas Metz entgegnete, solche nicht-öffentlichen Treffen seien gang und gäbe. Und Bauamtsleiter Frank Bielefeld sagte, es sei bei dem Treffen um Informationen über die Änderungsvorschläge der Grünen Liste und deren „massive Auswirkungen“ auf die Gestaltung des Baugebiets gegangen. Entscheidungen wurden nicht getroffen, hieß es aus Rat und Verwaltung.

Bielefeld sagte, im Gegensatz zu den ursprünglichen Planungen sei das Baugebiet kleiner geworden, der Wald südlich des Staakweges sei rausgenommen worden. Und in der jüngsten Bauausschusssitzung seien zwei Änderungen vorgenommen worden (Fassaden- und Dachfarben eingeschränkt sowie Schutz zweiter Bäume).

Ralph Landwehr (CDU) führte umfassend (so umfassend, dass er von „Zeitwächter“ Ehlers über die laut Geschäftsordnung fünfminütige Redezeitbegrenzung aufgeklärt wurde) aus, dass es bei der Diskussion um eine Abwägung gehe – eine Abwägung zwischen neuem Wohnraum auf 26 Grundstücken, die laut angedachter Vergaberichtlinie zu 80 Prozent an Leute aus Thedinghausen beziehungsweise der Samtgemeinde vergeben werden sollen, auf der einen Seite, und dem Schutz des Naherholungsbereichs am Staakweg sowie der mangelnden Infrastruktur auf der anderen Seite. Faktisch würden aber nur 160 von 1100 Metern des Staakwegs für die Erschließung gebraucht, bei dem es sich auch nicht um ein Landschaftsschutzgebiet handele. Das spreche bei der Abwägung eher für die Grundstücke. Weitere Eckpunkte, die aus Sicht von Landwehr in der Diskussion zu kurz kämen, seien die Eingeschossigkeit, die Verhinderung von Stadtvillen und 25 Prozent Solardachflächen. Verdienste der Grünen Liste (GL), lobte der Christdemokrat. Von einer Schlappe für die GL, wie in dieser Zeitung getitelt könne also nicht die Rede sein. (Der Verfasser hatte sich vergangene Woche angesichts der fast durchgängigen Ablehnung der Änderungswünsche und Geschäftsordnungsanträge der GL in der Überschrift zum Bauausschuss-Artikel zur Überschrift „Schlappe für die Grüne Liste“ hinreißen lassen. In der Sportsprache werden bei einer 1:6-Niederlage auch Begriffe wie Schlappe oder gar Klatsche verwendet.)

Hinsichtlich der infrastrukturellen Versorgung meinte Landwehr, wenn die Bauplätze an Thedinghauser vergeben würden, seien deren Kinder ja zumeist schon in den Kitas untergebracht. Überdies müsse auch an die mittelfristige Auslastung der Infrastruktur von Kitas und Schulen mit genügend Kindern gedacht werden.

Sozialdemokrat Diethelm Ehlers gestand der GL im Vergleich zur Bauausschutzsitzung zu, dass von vornherein Gasheizungen ausgeschlossen werden sollten. Dem würde seine Partei zustimmen, wenn es beantragt würde.

Dieter Mensen (Grüne Liste) kritisierte CDU und SPD, dass sie sich auf besagter Sitzung inhaltlich nicht geäußert, sondern die Vorschläge nur konsequent abgelehnt hätten. „Ihr hättet sagen können: ,Der Wald ist uns nicht wichtig’.“ Ebenso, dass keine Reihenhäuser gewünscht und dass keine Quartiersfläche gebraucht werde (Vorschläge der GL). Es fehle zudem im Beschlussvorschlag ein Konzept, um fossile Energieträger auszuschließen.

Wie die Grüne Liste lehnt auch die Unabhängige Bürgerliste (UBL) Illmer 6 und das Verfahren ab, „trotz des starken Plädoyers von Ralph Landwehr“, wie Daniel Strassner sagte. Mit einem Neubaugebiet werde die angespannte Lage im Hinblick auf die (vor-)schulische und ärztliche Versorgung nicht entspannt. Aus ökologischer Sicht sei die weitere Flächenversiegelung abzulehnen. Wie die Grünen betrachte seine Gruppe den Baumpark auch nicht als Ausgleichsfläche.

Schließlich sprach sich der Rat gegen ein von der GL beantragtes umfangreiches Energiekonzept aus (SPD und CDU gegen GL und UBL), fand aber eine Mehrheit für den Ausschluss von Gasheizungen (bei drei Gegenstimmen von Wolfgang Kaib (FDP), Bürgermeister Thomas Metz (CDU) und Landwehr („Das soll der Markt regeln“). Den gesamten Aufstellungsbeschluss lehnten wie angekündigt GL und UBL (6 Stimmen) ab, SPD und CDU (13) stimmten dafür. In der Auslegungsphase besteht noch mal Gelegenheit für Einwendungen.

Von Philipp Köster

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