Bodenständigkeit aus Bremen

Harald Hesse scheidet in Kürze als Verwaltungschef der Samtgemeinde Thedinghausen aus

Der scheidende Samtgemeindebürgermeister Harald Hesse studiert das Protokoll der Emtinghauser Ratssitzung. (Archiv-)
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Noch genug zu tun: Der scheidende Samtgemeindebürgermeister Harald Hesse studiert das Protokoll der Emtinghauser Ratssitzung.

Thedinghausen – Ein grüner Lehrer aus Bremen auf dem Land? Es gab vor reichlich sieben Jahren nicht wenige in Thedinghausen, die zumindest skeptisch waren, ob das mit Harald Hesse als Samtgemeindebürgermeister gut gehen würde – nach fast zwei Dekaden mit Verwaltungs-Urgestein Gerd Schröder an der Spitze. Dieter Mensen hatte Hesse seinerzeit aus dem Hut gezaubert.

Bei der Stichwahl setzte er sich gegen Diethelm Ehlers (SPD) durch.

„So wahr mir Gott helfe“: Hesse bei der Vereidigung durch Diethelm Ehlers 2014

Wenn man den Worten aus den Mitgliedsgemeinden Glauben schenken darf und es sich nicht um bloße Höflichkeitsfloskeln zum Abschied handelt, dann ist es gut gegangen. Hesse (65) geht Ende des Monats in den Ruhestand und macht Platz für die frisch gewählt Anke Fahrenholz (SPD).

Warme Worte gab es vor allem von den Schwarzen in Emtinghausen und Blender. „Er hat uns immer gut vertreten“, sagt Blenders ebenfalls scheidender Bürgermeister Andreas Meyer (CDU). Einen vertrauensvollen Draht dank „ähnlichen Stallgeruchs“ hatte Hesse auch zu Gerold Bremer in Emtinghausen.

In Thedinghausen steht die Verabschiedung am kommenden Dienstag um 19.30 Uhr in Döhlings Gasthaus noch an – beim einzigen inhaltlich bedeutsamen Tagesordnungspunkt der Ratssitzung. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass es dann ebenfalls lobende Worte gibt. Wie übrigens auch in Riede. „Dort war es aber nicht ganz so einfach“, blickt Hesse auf seine Zeit als dortiger Gemeindedirektor zurück.

Ihm half in den vergangenen sieben Jahren eine wesentliche Voraussetzung, um als grüner Lehrer aus Bremen auf dem Land zurechtzukommen: „Bodenständigkeit“. Hesse ist in Uphusen als Kind einer Landwirtsfamilie groß geworden. Später hat er fünf Jahre in Ahsen-Oetzen gewohnt. Und seine Fähigkeit, Platt zu snacken, ist ein Türöffner gewesen. Bei Vorstellungsrunden in den Räten mit anschließender Getränkeaufnahme hat er sich zu den Menschen „Zugang verschafft. Die kannten mich ja nicht“.

Dabei war er kein unbeschriebenes Blatt: Schon als junger Mann saß Hesse im Verdener Kreistag. Nach einigen Jahren, in denen den Grünen noch das Attribut der „Spinner“ anhaftete, ging es Mitte der 1980er-Jahre gleich in der Mehrheitsgruppe mit der SPD ans Gestalten. Auch im Achimer Stadtrat, einem Gremium, in dem es in der Regel rauer zugeht als in der Waldschänke in Bahlum beim Emhuser Gemeinderat, hatte sich Harald Hesse seine kommunalpoltischen Sporen verdient. Hinzu kam, dass dieser Lehrer – 21 Jahre war er vor dem Verwaltungschefposten als Pädagoge tätig – gelernter Diplom-Verwaltungswirt war.

Nachdem es mit der Bewerbung auf die Stelle des Achimer Stadtdirektors gegen den Willen der dortigen CDU – trotz der Empfehlung von Hans Schröder für dessen Parteifreunde auf der anderen Weserseite – nicht geklappt hatte, trat Hesse also im November 2014 seinen Job in Thedinghausen an.

Als wichtigste Herausforderung galt es, mit seinem Team im Rathaus, die Umsetzung der Rechtsansprüche auf Kinderbetreuungsplätze zu meistern. „Wir mussten im Krippenbereich immer kurzfristig im Februar auf die nicht vorhersehbaren Wünsche der Eltern reagieren, damit im Herbst genug Plätze zur Verfügung stehen.“ Auch die Umwandlung der Grundschulen in Ganztagsgrundschulen mit drei Mensaneubauten sei eine „ziemliche Nummer“ gewesen.

Weitere Bretter, die unter Hesses Ägide zu bohren waren: die Flüchtlingskrise 2015 sowie Corona. Durch ein hohes Maß an bürgerschaftlichem Engagement beziehungsweise Disziplin der Thedinghauserinnen und Thedinghauser, die große Ausbrüche verhindert habe, habe die Samtgemeinde beide Krisen recht glimpflich überstanden.

Apropos Samtgemeinde: An der bestehenden Struktur mit vier Kommunen im losen Samtgemeindeverbund mochte Hesse nichts ändern. „Emtinghausen hätte vielleicht bei einer Einheitsgemeinde mitgemacht, Thedinghausen sowieso. Doch in Riede und Blender brauchte ich damit gar nicht anzukommen. Das wäre aussichtslos gewesen.“ Bereits die Idee, die Kitas wie die Schulen unter der Regie der Samtgemeinde laufen zu lassen, um Verwaltungsabläufe zu verbessern, habe er verwerfen müssen.

Schlüsselübergabe: Hesse und sein Vorgänger Gerd Schröder, der zuvor 18 Jahre Verwaltungschef war.

Im Verhältnis zu den Mitgliedsgemeinden habe er immer darauf achten müssen, dass sich keine extrem benachteiligt fühlt. „Das ist ja ähnlich wie in einem kleinen Landkreis.“ Mit Ruhe und Sachlichkeit – beides habe er sich in der kommunalpoltischen Arbeit der Vorjahre angeeignet – sei es ihm gelungen, für Projekte Einvernehmen oder zumindest große Mehrheiten zu bekommen, auch wenn es zuvor kontroverse Diskussionen gab, die ihm zuweilen die Fähigkeit zur Impulskontrolle abgenötigt hätten. Hesse nennt zum Beispiel die Holzhackschnitzelheizung für die Gudewill-Schule. Es sei ihm ebenso gelungen, die Verwaltungsspitze mit nunmehr drei Fachbereichen statt vier Ämtern umzustrukturieren und Zustimmung für den Rathausumbau zu bekommen.

Seinen letzten Arbeitstag hat Harald Hesse am 21. Oktober, dann nimmt er Resturlaub. Und danach? „Ich muss dann erst mal spüren, wozu ich Lust habe.“ Konkrete Pläne hat der 65-Jährige noch nicht. Bereit für die Familie wäre er, aber der Vater eines 32-jährigen Sohns hat noch keine Enkel, auch seine Frau, Mutter zweier Kinder, noch nicht. Vielleicht geht es auf eine Radreise durch Deutschland. In jedem Fall will er die Zeit nutzen, die er dann nicht mehr für den Beruf geben muss. Denn der Job als Hauptverwaltungsbeamter zehrt. „Psychisch wie physisch.“ Allein 350 Sitzungen in den verschiedenen Räten neben den Hunderten informellen seien an die Substanz gegangen.

„Am Ende gehe ich zufrieden aus diesem Amt, wohlgemerkt: nicht selbstzufrieden, aber zufrieden mit dem, was wir gemeinsam gestaltet haben.“ Harald Hesse geht übrigens mit seiner Frau zurück nach Bremen – dann als grüner Pensionär.

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