Bahlumer Zwei-Mann-Betrieb

Handpan-Bauer Baur & Brown: Nur 30 weltweit

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Mit dem Layout bestimmt Tim Baur die Tonart der Handpan (linkes Bild).

Bahlum - Von Joachim Behr. Auf dem gesamten Erdball gibt es nur etwa 30 Handpan-Bauer. Der 1977 in Köln geborene Tim Baur ist einer davon. Seit etwa fünf Jahren fertigt er in reiner Handarbeit perkussive Handpans auf dem ehemaligen Bauernhof von Manfred Wendt am Strahmweg 2 in Emtinghausen-Bahlum.

Diese Instrumente interessierten den Motorradmechaniker Baur damals außerordentlich. Mit seiner Freundin – beide haben zusammen einen kleinen Sohn – wollte er näher an die Stadt Bremen ziehen, und sie fanden den etwas abseits gelegenen Wendt-Hof, den sie gemietet haben.

Tim Baur baut dort seitdem die Cosmicpan-Handpan und die Om Drum (Zungentrommel). Über eine Anzeige lernte er Bill Brown in Dortmund kennen, einer der erfahrensten Pan-Tuner Europas, der bereits seit 1986 mit großem Erfolg Steeldrums und die sehr bekannte Caisa fertigt.

Es stellte sich heraus, dass beide seit Jahren von der Erforschung und dem Bau von Musikinstrumenten aus Metall fasziniert sind. Tim Baur lacht: „Als wir uns trafen, dachte ich, was wohl passiert, wenn zwei erfahrene Hersteller all ihre Energie, Freude und Erfahrung in einen großen Topf werfen?“ Antwort: Man erhält ein noch besseres Ergebnis.

Die Firma „Baur & Brown“, eine Zweimann-Manufaktur, wurde gegründet. Seit 2015 baut sie Handpans. Brown gab seine Caisa-Produktion an einen Freund ab.

Im Ausstellungsraum sind die Instrumente auszuprobieren. Sie werden von Bahlum aus in die ganze Welt vertrieben. Tim Baur spielt aber auch Didgeridoo (im Hintergrund).

Handpans sind exotische Musikinstrumente, denen sich die herrlichsten Töne entlocken lassen. Dieses besondere Instrument hat seinen Ursprung Mitte des vorletzten Jahrhunderts, also um 1850, auf der Karibikinsel Trinidad. Das auch Pantam oder Hangdrum genannte Gerät entwickelte sich aus der Steeldrum beziehungsweise Steelpan.

Ein Insulaner hatte der Legende nach seine Trommel an einen Freund verliehen. Als er diese verbeult zurückbekam, beulte er sie wieder aus und bemerkte dabei eine Veränderung der Tonhöhen. Später wurden sogar Ölfässer genommen, und dann nahmen die Steeldrums ihren Lauf. Aus der Weiterentwicklung entstand die Handpan.

Ihre Besonderheit ist ein magischer, warmer Klang mit ausgewogenen, exakt eingestimmten Obertönen. Eine Handpan besteht aus zwei kugelförmig gewölbten Metallteilen (Tellerboden), welche miteinander verklebt, verschraubt oder vernietet sind. Die Form erinnert etwas an ein Ufo.

Die Oberseite, also die Spielfläche, bringt einen tiefen Mittelton aus einer kugelförmigen Mitte. Darum herum liegen fünf bis zehn kreisförmig angeordnete weitere Töne. An der Unterseite befindet sich ein Schallloch.

Verschiedene Stahlarten werden verwendet

Zum Bau der Pans verwenden Tim Baur und Bill Brown normalen Stahl, Edelstahl oder rostbeständigen Dyna-Stahl. Handpans haben in der Regel einen Durchmesser von 45 bis 65 Zentimeter, eine Höhe von 15 bis 30 Zentimetern und wiegen rund vier Kilogramm. Jedes in Bahlum hergestellte Exemplar ist ein Kunstwerk und Unikat.

Die komplexe Herstellung erfolgt per Hand. Nur die Halbkugelsegmente als Rohformen sind industriell vorgefertigt. Diese Schalen werden in einen Stimmrahmen eingeklemmt, um Verformungen während des Dengelns vorzubeugen.

Mittels einer Schablone werden die Tonfelder auf die Schale übertragen und markiert. Mit Hilfe von Pressen oder auch per Hand werden die Vertiefungen in die Mitte der Tonfelder gebaut. Diese Vertiefungen stabilisieren das Tonfeld und geben einen optischen Mittelpunkt, der beim Spielen der Orientierung dient.

Mit dem Hammer wird gedengelt

Um ein „gerades“ Tonfeld zu erzielen, wird mit einem Hammer um und auf den Tonfeldern gedengelt. Tim Baur weiter: „Sobald ich die Tonflächen ausgearbeitet habe, wird die Handpan gebrannt. Dafür nehme ich einen Gasbrenner. Dieses hat den Effekt, Spannungen, die beim Umformprozess entstanden sind, zu entspannen und dem Material eine andere Härte zu geben. Durch diesen Vorgang erhält das Material auch seine Farbgebung. Der Farbton ist bei normalem Stahl blau, bei Edelstahl goldbraun und bei nitriertem Material grau-blau.“

Mit einem Hammer führt Tim Baur vor, wie er die Tonfelder bearbeitet, ausdehnt und zurücktreibt, bis das Material die richtige Härte hat. In jedem Tonfeld wird zunächst der Grundton eingestimmt. Dazu kommen eine Oktave und eine Quinte, und es ist durch Formgebung möglich, noch weitere Obertöne einzustimmen.

Stimmprozess sehr aufwändig

Sehr zeitaufwändig gestaltet sich dieser Stimmprozess. Es ist zu beachten: Wenn nur ein Ton verändert wird, verändern sich die anderen mit. Ist die komplette Handpan gestimmt, wird sie aus ihrem Rahmen befreit und die Unterseite mit der Klangöffnung montiert. Dies geschieht durch Kleben, Nieten oder Schrauben. Die Handpan wird danach noch einmal nachgestimmt.

Gespielt wird sie mit den Fingern oder Händen – daher der Name Handpan – Hand-Pfanne. Die Preise liegen zwischen 1000 und 3000 Euro.

Es gibt auch Zubehörteile: Ständer aus Holz, Transportbehälter und mehr. Lieferzeiten von zwei bis drei Monaten sind wegen der komplizierten, zeitaufwändigen Arbeiten die Regel.

Auch bei der Rundfahrt der Bewertungskommission des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ durch Emtinghausen und Bahlum wurde der Betrieb „Baur & Brown“ im September besucht. Sicherlich hat auch dieses einzigartige Handwerk dem Ort einige Pluspunkte gebracht.

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