Leinen los

Halterin aus Morsum ärgert sich über freilaufende Hunde

Nadine Sojka mit Windhund Armani.
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Nadine Sojka mit Windhund Armani.

Morsum – Armani ist ein Windhund, ein Longdog-Rüde. Ein drahtiger kleiner Kerl. Die Hybridkreuzung aus einem italienischen Windspiel und einem Whippet hat eine Schulterhöhe von nicht einmal 50 Zentimetern und bringt keine zehn Kilo auf die Waage. Armanis Halterin Nadine Sojka aus Morsum legt ihm auch bei milderen Temperaturen dieser Tage einen Hundemantel um.

Zwar sind Windhunde pfeilschnelle Hetzjäger, aber „zu Hause ist er ein Lamm. Der würde keinem Einbrecher was tun.“

Armani mag auch nicht so gern andere Hunde. Wenn Vierbeiner auf ihn zulaufen, bekommt er es mit der Angst zu tun. Und genau das ist das Problem, das Nadine Sojka gehörig ärgert: dass andere Halter ihre Hunde einfach frei herumlaufen lassen. Binnen weniger Monate hatte sie mit dem gerade zwei Jahre alt gewordenen Armani schon diverse ungewollte Kontaktaufnahmen.

Bernhardinerhündin „bin ich gar nicht losgeworden“

In einem Fall schoss eine Bernhardinerhündin plötzlich von einem Hof über die Straße auf Armani zu und wollte den Rüden im Nacken packen. „Die bin ich gar nicht losgeworden.“ Erst als Nadine Sojka um Hilfe gerufen habe, sei die Besitzerin aufgetaucht und habe ihren Hund zurückbeordert und sich der in diesen Fällen oft geäußerten Floskel „Das hat der ja noch nie gemacht“ bedient. Armani, damals noch kein Jahr alt, habe „den Schock seines Lebens“ erlitten.

Mit einem Cattle Dog sei es bereits zu zwei ungewollten Begegnungen gekommen, einmal in der Brut- und Setzzeit im Frühjahr und Sommer, in der Leinenpflicht gilt. Die Besitzerin versicherte Nadine Sojka zwar, ihr Hund sei lieb, doch das nütze nichts, wenn ihr eigener Angst habe.

Nadine Sojka wundert sich: Es sei für alle gefährlich, wenn die Hunde plötzlich über die Straße rennen würden, außer für die Tiere auch zum Beispiel für Auto- oder Motorradfahrer. Es komme darüber hinaus auch immer öfter vor, dass Reiterinnen und Reiter ihre Hunde beim Ausritt mitnähmen und frei durch Feld Flur und Wald laufen ließen. Dabei sei es Bestandteil der sogenannten Reitbegleithundeprüfung, dass die Hunde nah mitlaufen müssten.

„Ein Hund sollte nicht ins Unterholz. Der hat da nichts zu suchen“

Für die Morsumerin ebenso ein Unding: „Ein Hund sollte nicht ins Unterholz. Der hat da nichts zu suchen. Der Wald ist dem Wild vorbehalten.“ Allenfalls auf den Waldwegen sollten die Hunde laufen dürfen, aber natürlich an der Leine.

Sie stellt klar: Hinter dem Verhalten der Hunde stehe nicht ein böser Charakter oder dergleichen. Aber es sei nicht nötig, dass sich Tiere von Angesicht zu Angesicht „Hallo“ sagten und beschnüffelten. „Die können sich schon auf zehn Meter Entfernung beschnuppern.“

In der Hundeschule lerne man, wie man sich zu verhalten habe, wenn man anderen Zwei- und / oder Vierbeinern begegne. Und dazu zähle es nun mal auch, den Hund anzuleinen. Dank Internet, Fernsehen und spezieller Literatur sei es ein Leichtes, an weiteres Wissen über die richtige Hundeerziehung zu gelangen, sagt die junge Frau. Sie gibt zu bedenken: „Es gibt einfach auch viele Menschen, die Angst vor Hunden haben.“ Und weiter: „Es hält doch auch jeder an einer roten Ampel an und fährt nicht einfach über die Kreuzung. Fehlt da einfach der Verstand? Oder ist es denen egal?“, fragt sie sich.

Immer mehr „fremde“ Herrchen und Frauchen in der Kuhlenkamp-Gegend

Nadina Sojka vermutet, dass es mit der Corona- und Homeoffice-bedingten Zunahme der Hundehaltung auch zu einer höheren Anzahl an solchen Auswüchsen gekommen sei. Seit 2016 halte sie Hunde, aber erst in den vergangenen Jahren seien auch immer mehr „fremde“ Herrchen und Frauchen mit ihren Hunden in der Kuhlenkamp-Gegend aufgetaucht.

Die Verwaltung verweist auf die besondere Schonzeit in Waldgebieten und in der übrigen freien Landschaft von Anfang April bis Mitte Juli. „Das Gesetz soll gerade geborene Rehkitze oder brütende Vögel vor freilaufenden Hunden schützen“, fasst der Erste Gemeinderat Roland Link Paragraf 33 der Niedersächsischen Wald- und Landschaftsordnung zusammen.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Verden: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Außerhalb dieser Zeit beziehungsweise wenn keine Waldgebiete oder die freie Landschaft betroffen ist, gelte kein Leinenzwang. „Es obliegt dem Halter, verantwortungsvoll mit dem Hund umzugehen, was ja grundsätzlich über entsprechende Sachkundenachweise sichergestellt wird. Die Samtgemeinde appelliert an die Halter, in Situationen den Hund an die Leine nehmen, wenn man beispielsweise auf andere Hunde oder Personen (insbesondere Kinder, ältere Personen) trifft, um eine gefährliche Situation gleich von vorneherein zu vermeiden. Das dient dem Schutz aller“, sagt Roland Link.

Sofern es Hinweise gebe, dass ein Hund gefährlich sein sollte oder der Halter nicht die entsprechende Sachkunde zum Führen eines Hundes besitzt, werde die Samtgemeinde Thedinghausen tätig, unterstreicht der Erste Gemeinderat.

Autogassifahren

Nachtrag: Am Mittwoch wurde Armani wieder von einem Hund geängstigt, berichtet die entsetzte Halterin von einem Vorfall in Einste. „Ich kann nicht mehr.“ Der Halter habe im Auto gesessen, während er sein Tier draußen habe herumlaufen lassen. Der Autofahrer habe auf ihre Kritik, man lasse die Hunde nicht frei herumlaufen, nur geantwortet, sie solle doch dort nicht Gassi gehen. „Mein Hund hat natürlich wieder Panik. Der frei laufende Hund zeigte keine Aggression, aber Armani hat wieder einen Schock. Wieder sind wir zehn Schritte zurück und beginnen neu mit dem Training“, spielt Nadine Sojka auf das spezielle Programm zum Angstabbau an, dem sich Armani unterzieht. „Ich bin fix und fertig und erschrocken über das egoistische und respektlose Verhalten der Menschen.“ Sie schüttelt den Kopf darüber, dass die Leute nicht mal richtig Gassi gehen, sondern mit dem Auto hinterherfahren. pk

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