Versuchter Totschlag in Bahlum

Der Gutachter hat das Wort

Bahlum/Verden - Zum Abschluss der Beweisaufnahme in dem Landgerichtsprozess um einen versuchten Totschlag im August 2015 in Emtinghausen-Bahlum ging es gestern um die Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten. Darum, ob die Einsichtsfähig- und Steuerungsfähigkeit des 68-Jährigen aus Drebber zum Tatzeitpunkt eingeschränkt, womöglich sogar aufgehoben war.

Von einer verminderten Schuldfähigkeit wird auszugehen sein, denn eine Affekttat hält der psychiatrische Sachverständige Dr. Heinz-Wilhelm Gössling für nicht ausgeschlossen. Dafür habe es bei dem Angeklagten, dem der Experte eine „narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung“ bescheinigt, insbesondere drei Auslösereize gegeben:

Ein Telefonat mit dem Vater des Opfers am Morgen des Tattages, von dem der Angeklagte behauptet, dass er nur deshalb von Drebber zu dem Hof nach Bahlum gefahren sei. Und als er dort draußen auf dem Hof auf die spätere Geschädigte getroffen habe, die wenige Tage zuvor eine Beziehung mit dem 68-Jährigen beendet hatte, habe diese ihn gefragt: „Hast Du etwas vergessen?“, wodurch sich der Angeklagte nach eigener Aussage provoziert gefühlt habe. Der dritte Punkt sei, dass die Frau ihm nicht in eine Scheune gefolgt sei, so wie er es verlangt habe. Unklar ist, ob der 68-Jährige dort zur Tatwaffe, einem Schweißerhammer, gegriffen hat, oder ob er diesen bereits für die Tat mitgebracht hatte.

„Die Einsichtsfähigkeit des Angeklagten war nicht beeinträchtigt“, betonte der leitende Klinikarzt aus Hannover. Anders verhalte es sich mit der Steuerungsfähigkeit des 68-Jährigen, die dürfte zum Tatzeitpunkt vermindert gewesen sein. Folgt das Gericht der Einschätzung, wäre dem Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit zuzubilligen, die sich zu seinen Gunsten auf das Strafmaß auswirkt.

Dabei spielt aber auch die Schwere der Verletzungen eine Rolle. Mit einem spitz zulaufenden Schweißerhammer hatte der Angeklagte, das ist unbestritten, mehrfach auf die Frau eingeschlagen. Die gestrigen Ausführungen eines Rechtsmediziners zeigten deutlich, dass es dabei nur dem Glück zu verdanken ist, dass diese am Ende nur potenziell lebensgefährlich waren.

Von mehreren Schlägen auf den Kopf seien zwei erheblich gewesen und führten zu Schädelfrakturen, die eine Operation erforderlich machten. Einmal war die Schulter getroffen worden und dreimal die Handbereiche. Vermutlich, als sich die Frau vor den Schlägen auf den Kopf schützen wollte.

Sie hatte versucht, dem Angriff zu entkommen und war in die Küche zu ihrem Vater gelaufen. Dort soll der Angeklagte weiter zugeschlagen haben, bis der 85-Jährige dazwischen ging. Danach floh der Angeklagte vom Tatort. Seine Flucht endete an einem Straßenbaum. Der nicht vorbestrafte 68-Jährige sitzt in Untersuchungshaft.

Am Montag sollen die Schlussplädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung gehalten werden. Es ist von einer Urteilsverkündung noch am selben Tag auszugehen. - wb

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