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Glasfaserkabel-Ärger in Thedinghausen

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Von: Philipp Köster

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Tiefbau für Glasfaser an der Thedinghauser Bürgerstraße. In Kürze soll abermals gebuddelt werden.
Tiefbau für Glasfaser an der Thedinghauser Bürgerstraße. In Kürze soll abermals gebuddelt werden. © Köster

Thedinghausen – Wenn in Kürze der Tiefbau für die Glasfaserkabelverlegung in Thedinghausen abgeschlossen sein wird, geht die Buddelei aller Voraussicht von Neuem los. Und damit die Beeinträchtigung von Anwohnerinnen und Anwohner sowie der Verkehrsteilnehmer.

Das liegt daran, dass sich die beiden Protagonisten, Glasfaser Nordwest und die Firma TM-Net, nicht auf eine gemeinsame Verlegung einigen konnten. Das Verdener Unternehmen TM-Net, hinter dem die Marco Bungalski GmbH steht, kritisiert diesbezüglich die Konkurrenz von Glasfaser Nordwest. Das Unternehmen sei nicht an einer Mitverlegung interessiert, so der Eindruck bei Bungalski.

Mögliches Motiv: Hinter der Verlegung stehen die für die Unternehmen lukrativen Vertragsabschlüsse mit den Kundinnen und Kunden im Grundzentrum Thedinghausen.

Um den Glasfaserkabelsalat ansatzweise zu verstehen, muss man wissen, dass hinter Glasfaser Nordwest die großen Unternehmen Telekom und Stadtwerke Bremen (swb, Tochter der EWE) stehen, die nach erfolgtem Ausbau in die Kundenakquise gehen. Und zwar nach dem Eindruck von TM-Net-Bungalski mit unlauteren Mitteln.

Doch erst noch mal zurück zur gescheiterten gemeinsamen Verlegung. Laut Volker Schimanski, Vertriebsleiter von TM-Net, hat seine Firma bereits im Dezember die Verlegung sogenannter Lichtwellenleiter-Trassen bei der Samtgemeindeverwaltung beantragt – und damals auch schon ins Spiel gebracht, mit Glasfaser Nordwest „einen gemeinsamen Tiefbau hinzubekommen“.

Doch dazu ist es in den Monaten danach nicht gekommen. Bis heute nicht. Zwar gab es im ersten Maidrittel einen E-Mail-Verkehr zwischen TM-Net und der von Glasfaser Nordwest beauftragten Tiefbaufirma Wesernetz. Doch über Ansätze zur Klärung der technischen Fragen ist man nicht hinausgekommen.

Dabei hatte Thedinghausens Bauamtsleiter Frank Bielefeld bei einem von ihm initiierten Treffen der beteiligten Akteure im Rathaus eigenem Bekunden nach darauf gedrängt, dass es zu einer Einigung kommt: „In diesem Gespräch wurde von mir klar zum Ausdruck gebracht, dass ich einen gemeinsamen Ausbau erwarte, um die Infrastruktur zu schonen, die Verkehrssicherheit nicht unnötig oft einzuschränken und die Belastung der Einwohnerinnen und Einwohner möglichst gering zu halten.“ Das Gespräch sei seiner Einschätzung nach „sehr gut“ verlaufen und die beiden handelnden Telekommunikationsunternehmen hätten eine gemeinsame Verlegung zugesagt, sofern man sich bei der Kostenverteilung einig werde, teilt Bielefeld auf Nachfrage mit.

Doch bis Ende Mai passierte nichts hinsichtlich eines gemeinsamen Vorgehens. Derweil begann Glasfaser Nordwest / Wesernetz mit den Tiefbaumaßnahmen. TM-Net kümmerte sich nun selbst um die Einholung von Angeboten von Tiefbaufirmen. Erst am 31. Mai ging bei TM-Net/Bungalski ein Angebot von Glasfaser Nordwest ein. Doch zu einem Preis, der nach Angaben von Volker Schimanski den Eindruck untermauerte, Glasfaser Nordwest wolle keinen gemeinsamen Tiefbau. „Für den Meterpreis hätten wir ganz Thedinghausen locker allein mit Glasfaserleitungen versorgen können“, sagt Schimanski.

Bei Glasfaser Nordwest sieht man die Sache anders. Bis März, als bereits alle Genehmigungen vorgelegen hätten, habe es keine Hinweise auf einen möglichen Doppelausbau gegeben, antwortet Sprecherin Tomke Hollander auf eine Presseanfrage. Bei besagtem Gespräch im Rathaus sei man sich einig gewesen, die Belastung durch eine Mitverlegung gering zu halten. Und obgleich die notwendigen Unterlagen inklusive Feinplanung von TM-Net nicht wie vereinbart vorgelegt worden seien, habe es ein Angebot gegeben, worauf TM-Net nicht geantwortet habe, so die Glasfaser-Nordwest-Sprecherin.

Wie dem auch sei: Fakt ist, dass an einen gemeinsamen Ausbau nicht zu denken ist, obwohl alle beteiligten Akteure die Sinnhaftigkeit sehen. Für Wolfgang Golasowski, Vorsitzender der Gemeinschaft der Selbstständigen (GdS), ist das ein Ärgernis: „Statt zweimal zu buddeln, sollte man die Energie lieber in die Versorgung der Betriebe in der Randlage stecken, zum Beispiel in Morsum.“

Auch Bauamtsleiter Frank Bielefeld spricht von einer „starken Verärgerung im Rathaus“ ob der gescheiterten Zusammenarbeit. Als Eigentümerin der Infrastruktur habe die Gemeinde zwar auf eine gemeinsame Verlegung gedrängt, aber „eine obrigkeitliche Durchsetzung ist nach meiner Rechtsauffassung nicht möglich“.

Für TM-Net/Bungalski noch ärgerlicher sind aber etliche Widerrufe bereits abgeschlossener Verträge über die Versorgung mit schnellem Glasfaserinternet. Die Verdener werfen insbesondere der Telekom beziehungsweise der von der Telekom beauftragten Ranger Marketings- und Vertriebs GmbH unlauteres Geschäftsgebaren und einen unfairen Wettbewerb vor. Bei Ansprache an der Haustür würden die Außendienstmitarbeiter von Ranger nach Informationen von Vertriebsleiter Volker Schimanski nämlich behaupten, TM-Net/Bungalski würde in Thedinghausen eine Art Privatnetz betreiben wollen. Wenn man dafür einen Vertrag abschließe, käme man aus diesem nie wieder heraus. TM-Net/Bungalski liegt eine Versicherung an Eides statt von einem Kunden vor, in dem dieses Vorgehen bestätigt werde.

Schimanski betont, die Firma TM-Net gewährleiste den sogenannten Open Access, das bedeutet, die von Bungalski betriebenen Netze seien offen für andere Anbieter. Entsprechend sei auch ein Wechsel nach zwei Jahren Vertragslaufzeit möglich.

Wegen der Widerrufe bereits abgeschlossener Verträge und der Verunsicherung der Kunden im Anschluss an die Telekom/Ranger vorgeworfene Form der Kundenakquise hat TM-Net eine Anwältin beauftragt, die gegen die Telekom eine entsprechende Unterlassungserklärung angestrengt hat.

Anfang des Jahres hatte diese Zeitung bereits über ähnliche Methoden von Außendienstmitarbeitern in Verden berichtet, die der EWE und der Telekom zugerechnet wurden. Die Firma Ranger, seit 18 Jahren Partner der Telekom, weist die Vorwürfe nicht rundheraus von der Hand, bleibt aber relativ unkonkret: „Die von Ihnen geschilderte Beschwerde hat für uns oberste Priorität. Wir haben direkt nachgeschult, das Thema über unser Qualitätsmanagement sensibilisiert – und gezielte Maßnahmen eingeleitet“, heißt es in einer E-Mail von einer Julia Büttner –  ohne Firmensignatur oder Telefonnummer. Worin die „Sensibilisierung des Themas“ und die „eingeleiteten Maßnahmen“ bestehen, bleibt indes unklar.

Von Philipp Köster

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