Generalversammlung / Offensive Öffentlichkeitsarbeit angemahnt

Weniger Betriebe, aber höhere Milchanlieferung

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Einigermaßen zufriedene Gesichter bei der Generalversammlung der Milchliefergenossenschaft Thedinghausen, von links: Joachim Burgemeister (Rendsburg, Genossenschaftsverband), Hans Holtorf (frischli-Geschäftsführer), Rainer Wortmann (Beppen / Aufsichtsratsvorsitzender), Johann Schütte (Vorstandsvorsitzender), Hans-Günter Hollmann (Rehburg / Geschäftsführer), Jürgen Fahrenholz (Gödestorf / Vorstand), Carsten Ellmers (Rieda / Vorstand) und Harry Krapp (Wechold / Aufsichtsrat).

Thedinghausen - Der Strukturwandel in der Landwirtschaft wurde auch bei der Generalversammlung der Milchliefergenossenschaft Thedinghausen, der ehemaligen Molkerei Thedinghausen, deutlich.

Drängten sich vor 20 Jahren noch weit über 200 Milchbauern im Veranstaltungsraum, so war die Zahl am Donnerstagabend im Gasthaus Niedersachsen doch merklich geschrumpft.

Die Milchanlieferung ist hingegen seitdem deutlich gestiegen, da die einzelnen Betriebe immer größer werden. 2014 wurden 30,8 Millionen Kilogramm (in etwa Liter) an den Vertragspartner, die frischli-Milchwerke in Rehburg-Loccum, geliefert. Das sind noch einmal 1,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Dabei war die Zahl der Lieferanten innerhalb Jahresfrist von 58 auf derzeit 53 gesunken. Im Schnitt liefert jeder Hof 580000 Liter pro Jahr. „Dabei fallen weit über 99 Prozent der angelieferten Milch in die Güteklasse 1“, freuten sich Geschäftsführer Hans-Günter Hollmann und Reiner Wortmann als Versammlungsleiter und Aufsichtsratsvorsitzender.

Der Milchauszahlungspreis lag 2014 bei 37,12 Cent, eine leichte Steigerung gegenüber 2013. Dieser vergleichsweise gute Auszahlungspreis im Vorjahr konnte die Milchbauern allerdings kaum darüber hinwegtrösten, dass der Milchpreis aktuell nur noch bei 28 Cent liegt – kaum kostendeckend. Und eine weitere leichte Talfahrt ist nicht ausgeschlossen.

Hans Holtorf, Geschäftsführer der frischli-Milchwerke, begründete den Milchpreis-Niedergang mit weniger Nachfrage aus China und Russland sowie mit „natürlichen Schwankungen im Markt“. Mit dem unlängst erfolgten Wegfall der Milchquote habe der niedrige Preis nichts zu tun, so Holtorf.

Der Umsatz 2014 betrug rund 11,4 Millionen Euro. Die Bilanzsumme belief sich auf 1,8 Millionen Euro. Die Gewinn- und Verlustrechnung weist ein überschaubares Minus von 7500 Euro auf, was fast ausschließlich mit den derzeit extrem niedrigen Zinsen zusammenhängt. Der Fehlbetrag wird aus den Rücklagen (derzeit 380000 Euro) ausgeglichen. Aus der Versammlung gab es wegen dieser Vorgehensweise kritische Stimmen. Tenor: „Wenn das so weiter geht, ist das Sparbuch irgendwann leer.“ Vorstandsvorsitzender Johann Schütte (Schwarme): „Wir haben das Problem erkannt und suchen nach Lösungen. Die sind aber nicht so einfach zu finden. Außerdem sind Rücklagen grundsätzlich für solche Fälle da.“

Schütte wurde bei den Wahlen ebenso bestätigt wie Carsten Ellmers (Rieda) als Mitglied im Aufsichtsrat.

In einem Gastvortrag ging Joachim Burgemeister vom Genossenschaftsverband auf die Öffentlichkeitsarbeit der Landwirte ein. „Auch die Milchwirtschaft gerät langsam in den Sog der Kritik an der Massentierhaltung.“ Burgemeisters Credo: Die Milchbauern sollten argumentativ offensiv dagegen halten, aufklären, die hohe Qualität ihres Produktes hervorheben sowie eine transparente Tierhaltung praktizieren.

Kreislandwirt Jörn Ehlers (Holtum-Geest) griff das Thema auf. „Man muss schon ehrlich sein. Die Heidi-Kuh auf der einsamen Alm gibt es quasi nicht mehr. Den Tieren in unseren Ställen geht es aber nicht schlecht. Wir Landwirte müssen auf die Bürger zugehen und dürfen unseren Gegnern nicht das Feld überlassen. Das gilt auch oder gerade für die sozialen Netzwerke. Auch hier muss man auf ungerechtfertigte Angriffe schnell und sachlich reagieren. Das gilt nicht nur für den Berufsverband, sondern für jeden einzelnen Landwirt.“

sp

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