Gemeinderat schickt geänderten B-Plan „Eyterniederung“ auf den Weg

Eine große Mistplatte mehr

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Naturbelange werden im B-Plan ganz groß geschrieben, aber auch die Landwirtschaft soll Platz finden.

Thedinghausen - Nach hitziger Diskussion hat der Thedinghauser Gemeinderat auf seiner Sitzung am Montagabend im Morsumer Gasthaus Döhling die Aufstellung des Bebauungsplanes „Eyterniederung / Beppener Bruch“ in seiner überarbeiteten Form beschlossen. Ziel des B-Planes ist bekanntermaßen, das Gebiet von größeren baulichen landwirtschaftlichen Anlagen frei zu halten und es stattdessen Natur, Landschaft und Naherholung zu widmen – ohne die Landwirtschaft in ihren Entwicklungsmöglichkeiten völlig abzuwürgen.

Vor allem die Grünen lehnten den Plan ab, der vielen Bauern in der Region Baufenster für mögliche Stall- und andere Anlagen bietet (wir berichteten ausführlich). In der Tat hat es im neuen Entwurf noch eine größere Änderung gegeben. Ein Landwirt aus Schwarme (Hähnchenmäster) kann eine großflächige Mistplatte samt Güllesilo errichten. Dieter Mensen (Grüne) monierte: „Die Mistplatte liegt im Kernbereich des neuen Schutzgebietes, stört den Naherholungstourismus und wird zudem von einem Ortsfremden errichtet.“ Mensen sprach sich zudem dafür aus, einem Landwirt aus Beppen keine Baumöglichkeit zu geben („der kann auch direkt an seinem Hof bauen“) sowie einem Groß-Agronomen aus Bremen keine Möglichkeit zu bieten, seinen Betrieb nach Werder zu verlagern. Mensen brachte zudem grundsätzliche Argumente vor: „Man muss auch mal gegen die Agrarlobby gegenhalten. Der Gemeinderat ist in dieser Sache viel zu ängstlich.“

Im Verlauf der Sitzung wurde deutlich, dass auch den meisten Vertretern der anderen Fraktionen die Massentierhaltung durchaus ein Dorn im Auge ist. Sie verwiesen jedoch auf die derzeitigen Rahmenbedingungen und gesetzlichen Vorgaben. Karin Bergmann (CDU): Wir vertrauen in die Professionalität des Planers und werden die weiteren Schritte akribisch begleiten.“ Dr. Hans-Michael Künnemeyer: (SPD): „Die Abwägungen sind sachlich korrekt und nachvollziehbar.“ Gabriele Artelt-Marquardt (UBL) mahnte: „Wir können die Sache nicht noch weiter vor uns herschieben.“ Heinz von Hollen (parteilos) wies in diesem Zusammenhang auf die hohen Kosten, geschätzt um die 70000 Euro, hin, die dieser Plan bislang schon den Steuerzahler gekostet hat.

Gemeindedirektor Harald Hesse (ohne Stimmrecht) brachte noch einmal das Hauptargument auf den Punkt: „Dieser Plan muss vor den Verwaltungsgerichten Bestand haben“, wobei Hesse auch seine persönliche Meinung beisteuerte: „Ich bezweifle die gesellschaftliche Akzeptanz für riesengroße Ställe und damit für die Massentierhaltung. Das muss aber erst einmal auf höherer politischer Ebene bei unseren gewählten Volksvertretern ankommen. Wir hier können derzeit nicht anders.“ Hesse führte zudem ins Feld, dass von den rund 13000 Hektar Fläche 95 Prozent absolut unberührt bleiben würden.

Auch der Bau von neuen Windkraftanlagen ist in diesem B-Plangebiet übrigens nicht möglich

Nebenbei entzündete sich die Diskussion noch einmal an einem kleinen mobilen Hühnerstall, den ein Hobbyzüchter aus Beppen im Plangebiet aufstellen will. Auch das gibt der neue Plan nicht her. Tenor: Wenn einer das darf, kommen bald alle.

Letztlich wurde der B-Plan mit 12 Ja-Stimmen gegen vier Stimmen der Grünen Liste bei drei Enthaltungen (Heinz von Hollen, Matthias Röpke, Stefan Schröder) gebilligt. Er kommt jetzt erneut in die öffentliche Auslegung, das heißt, dass Bürger und Betroffene noch einmal Gelegenheit erhalten, zu dem geänderten Plan Stellung zu beziehen. Diese Einwände muss der Rat dann abwägen.

Eile ist geboten, denn schon zum 31. Juli läuft eine Veränderungssperre für dieses Gebiet aus, wodurch die jetzigen Bemühungen der Gemeinde noch konterkariert werden könnten.

sp

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