Verschiedene Strafen für Missetäter im Mittelalter / Gohgericht Lunsen

„Galgenberg“ erinnert an dunkle Zeiten

Der 83-jährige Heinz Haake weiß noch, wo zwischen Ahsen-Oetzen und Lunsen das Flurstück „Galgenberg“ liegt.
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Der 83-jährige Heinz Haake weiß noch, wo zwischen Ahsen-Oetzen und Lunsen das Flurstück „Galgenberg“ liegt.

Thedinghausen – Die Corona-Krise führt zu zahlreichen Einschränkungen des bürgerlichen und gesellschaftlichen Lebens. Zuwiderhandlungen können sogar bestraft werden, auch wenn es sich aus Sicht der Betroffenen um vermeintliche Kleinigkeiten handelt.

Doch die Obrigkeit hat auch zu früheren Zeiten für Ordnung gesorgt. Das geht beispielsweise aus den Aufzeichnungen des Beppener Heimatforschers Kurt Asendorf (1923 bis 1999) hervor. Asendorf hat hierfür in seinem Heimatbuch Morsum einige Fälle von Rechtsprechung um das Jahr 1630 des Gohgerichts in Lunsen, das für weite Teile der hiesigen Wesermarsch zuständig war, aufgelistet. Zum Beispiel:

Claus Radeken hat in der Hütten ohne Erlaubnis Bier auszapfen lassen. Strafe: 2 Daler (Taler).

Lüder Heidtmann hat Gretken Böschen notzüchtigen wollen. Strafe: 20 Daler.

Harmen Cöster hat Burchert Tilen mit der Forke in Johan Dewerts Haus gejagt. Strafe: ein Daler.

Heinrich Ahsendorf zu Ahsen hat sieben Häupter Vieh gekauft und unverzollt nach Rotenburg zum Markt getrieben. Strafe: 2 Daler.

Johann Talemann hat den Morser Müller für einen Dieb gescholten. Strafe: ein Daler.

Zum Vergleich: Eine Köchin verdiente seinerzeit rund zehn Taler im Jahr, ein Schneider etwa 25 Taler, „Staatsbedienstete“ deutlich mehr.

Missetäter wurden im Mittelalter mitunter auch durchaus härter bestraft, bis hin zur Todesstrafe (beispielsweise bei Verrat). Ein Flurstück nördlich der Straße von Lunsen nach Oetzen trägt heute noch den Namen „Galgenberg“. Auf einer Karte des alten Amtes Thedinghausen aus dem Jahre 1570 ist an dieser Stelle noch ein Galgen eingezeichnet. In der Nähe lag der „Armesünderberg“. Dort wurden die Hingerichteten beerdigt. Heute ist dieser Teil der Ortshistorie fast in Vergessenheit geraten.

Das Morsumer Urgestein Heinz Haake, der in der Nähe der ehemaligen Richtstätte wohnt, erinnert sich noch an seine Kindheit, als Oma ihm das Spielen auf dem Areal verboten hatte – und er lange nicht wusste, warum. Es lag aber etwas Unheimliches und Geheimnisvolles auf dem Stückchen Land. „Und genau darum haben wir Jungs uns natürlich heimlich dorthin geschlichen.“

Solch drakonische Strafmaßnahmen für Sünder wie auf dem Galgenberg sind derzeit nicht zu befürchten, wenn man die Corona-Verbote nicht beachtet. Der Thedinghauser Polizeichef Bernd Junker lobt seine Bürger. „Es gab wenige mündliche Ermahnungen, aber wir mussten noch keine Ordnungsgelder verhängen. Auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln, die wir regelmäßig kontrollieren, haben wir noch keine Verstöße gegen die Maskenpflicht festgestellt.“  sp

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