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Frischluftbaden im Wandermodus in der Samtgemeinde Thedinghausen

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Von: Philipp Köster

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Thomas Froitzheim aus Verden kennt sich mit der Digitalisierung von Wanderrouten aus und etabliert in der Region das Projekt „Eine Stunde raus“.
Thomas Froitzheim aus Verden kennt sich mit der Digitalisierung von Wanderrouten aus und etabliert in der Region das Projekt „Eine Stunde raus“. © pv

Samtgemeinde – Naherholung und Tagestourismus findet seit Jahren verstärkt mit dem Fahrrad statt. Die Samtgemeinde Thedinghausen profitiert wie andere Kommunen zum Beispiel vom Weserradweg vor der Haustür. Doch auch das Wandern erfreut sich wieder steigender Beliebtheit. Dies – wie das Radeln auch – erst recht seit Corona.

Eine besondere Form der Nah- oder besser Nahest-Erholung entwickelt der Neu-Verdener Thomas Froitzheim mit seinem Projekt „Eine Stunde raus.“ Wie der Name schon andeutet, geht es nicht ums Verreisen und dann (Fern-)Wandern, sondern um Spaziergänge vor der Haustür. Und Bäume wie beim gerade sehr angesagten sogenannten Waldbaden braucht man für das Frischluftbaden im Wandermodus von Thomas Froitzheim noch nicht einmal.

Der Rheinländer, der vor eineinhalb Jahren vier Wochen vor der dortigen Hochwasserkatastrophe aus Erftstadt in den Norden gezogen ist, hat bereits für Verden Spaziergänge im Rahmen von „Eine Stunde raus“ entwickelt, zuletzt auch im Landkreis Osterholz.

Acht Routen in der Samtgemeinde stellte er am Mittwochabend dem Ausschuss für Tourismus im Renaissancesaal des Schlosses unter Leitung von Christiane Siemer (Grüne Liste) vor. Es handelt sich um in der Regel fünf Kilometer lange Rundkurse durch die Natur, auch den Wald, auf dem Deich oder durch die Siedlungen. „Lange Jammer“ wie sie in einer Broschüre aus dem Jahr 1993 verzeichnet sind, vermeidet Froitzheim.

Und anders als beim Waldbaden, wo sich Kursleiter dafür bezahlen lassen, dass sie Leute durch den Wald latschen lassen, ist das Angebot kostenlos. Nur ein Smartphone sollte man haben, um sich den Verlauf anzeigen lassen zu können. Die Strecke kann dann auch in der beliebten Freizeit-Routenplaner-App Komoot dargestellt oder der Startpunkt mit Google Maps verlinkt werden.

Die Spaziergänge liegen in allen vier Gemeinden und heißen zum Beispiel „Bauerneis und Weserwasser“ oder „Löwen- und Lunser Strecke“, sie führen durch das Adelige Holz oder komplett durch den Jerusalemer Forst, dabei die Landkreisgrenzen überschreitend.

Der Ausschuss begrüßte das Projekt. Es solle aber noch einmal genauer geschaut werden, ob die Routen nicht womöglich Privatwege berühren könnten oder ob Wild in seinen Ruhezonen gestört werde, wie zum Beispiel Ingrid Wortmann (CDU, Thedinghausen) kritisch anmerkte.

Tourist-Info-Chefin Imke Meyer hatte diesbezüglich schon von einem Streckenverlauf an der kleinen Eyter in Emtinghausen abgeraten. Einen neunten, besonders reizvollen Spaziergang hat Froitzheim in seiner Karte zudem nicht aufgeführt. Er verläuft in Horstedt über den Deich. Doch den zu betreten, ist nicht per se erlaubt, wie Imke Meyer aus einem aktuellen Telefonat mit dem Mittelweserverbands-Geschäftsführer Peter Neumann zu berichten wusste. Auch Andreas Klein (CDU, Blender) brachte Bedenken zum Ausdruck. In alten Pachtverträgen sei die öffentliche Nutzung oft ausgeschlossen. „Bevor man Wege ausweist, muss man mit den Eigentümern sprechen und die Haftung klären.“

Jürgen Winkelmann (SPD, Riede) erkundigte sich, ob die Spaziergänge nicht auch in Papierform zugänglich gemacht werden könnten. Nicht jeder habe ein Handy. Laut Imke Meyer wäre sogar noch Geld vorhanden, die bestehenden Tourismusbroschüren in einer neuen Auflage um die Routen zu ergänzen. Doch angesichts der Unklarheiten über den erlaubten Verlauf mahnte Jörg Schümann (WGE / FDP / von Hollen, Emtinghausen) erst einmal nur auf die digitale Version zu setzen. „Einen Flyer holen die Leute auch noch nach drei Jahren aus der Schublade hervor.“

Imke Meyer schlug schließlich vor, die Routen noch einmal mit Thomas Froitzheim durchzugehen und dann den kundigen Ortsbürgermeistern vorzulegen. Danach, einen entsprechenden Beschluss im zuständigen Samtgemeindegremium vorausgesetzt, könnten die acht Spaziergänge online gestellt werden.

Mittelweser-Tourismus 2019: 223 Millionen Euro Wertschöpfung

Seit 2005 ist die Samtgemeinde Thedinghausen Mitglied in der Mittelweser-Touristik (MWT), zunächst zwei Jahre schnuppernd mit halben Kosten, seit 2007 als Vollmitglied. MWT-Geschäftsführer Martin Fahrland stellte am Mittwochabend im Schloss seine „Destinationsmanagementorganisation“, wie die GmbH neudeutsch heißt, vor. Die Mittelweser-Anrainerkommunen von Petershagen (NRW) bis Bremen sind Gesellschafter. In der MWT werden die Kräfte vor allem für die Vermarktung der touristischen Lockmittel Radfahren, Erholung auf dem Wasser und Landurlaub gebündelt. Die MWT verschickt kostenlos Infomaterial an die Reisenden und präsentiert sich auf Messen. Auch im Internet ist sie vielfach präsent. Das Engagement zahlt sich offensichtlich aus: Für das Jahr 2019 hat eine Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr an der Universität München allein für die Mittelweserregion im Sektor Tourismus eine Wertschöpfung von 223 Millionen Euro ausgerechnet. pk

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