Fernsehköchin Sarah Wiener geht mit Machenschaften der Lebensmittel- und Agrarindustrie hart ins Gericht

„Niemand erfindet die Küche neu“

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Ein großes Publikum lockte der Auftritt von Sarah Wiener auf den Hof Böse-Hartje.

Thedinghausen - Von Bernd Hägermann. Die Kunst der professionellen Essenszubereitung alleine genügt schon lange nicht mehr, um sich in diesem Metier bundesweit einen Namen zu machen. Dafür förderlich sind regelmäßige Fernsehauftritte, putzige Bärte, eine wechselweise väterliche oder schnoddrige Umgangsweise an Herd und Topf mit häufig devoten Kücheneleven oder die mühsam unterdrückte Selbsteinschätzung, viel mehr als Koch zu sein, nämlich mindestens Lebensverbesserer.

Sarah Wiener gehört auch in die Riege derer, die gute Einschaltquoten garantieren und bis auf den letzten Stuhl besetzte Veranstaltungsplätze. Einen solchen gab es am vergangenen Freitagabend auf dem Bioland-Hof Böse-Hartje in Thedinghausen-Eißel, wo der Journalist Ottmar Willy Weber mit Wiener vor rund 400 Leuten sprach.

Wiener, gerade wegen der Trennung von ihrem Ehemann von den bunten Blättern über den Boulevard geleitet, glaubt sich im Vergleich zu vielen ihrer Kochkollegen („Köche zeigen zu wenig Flagge“) in einer anderen Spielklasse. Viele Kollegen sind Wiener zu selbstverliebt, nur drei lässt sie gelten: Vincent Klink, Rainer Sass und Tim Mälzer. Das Trio habe – was Sarah Wiener () auch für sich in Anspruch nimmt – originelle Ideen und Charakter. Die eigenen Eitelkeiten und die von Fernsehköchen sind an diesem Abend aber nicht das Thema.

Das sind vielmehr die Machenschaften der Lebensmittelindustrie und Agrarindustrie. Sarah Wiener rät den Zuhörern, die „Ernährungssouveränität nicht abzugeben an die Agrarindustrie, die nicht das Wohl der Menschen im Blick hat“. In diesem Zusammenhang spricht die Küchenmeisterin, Restaurant-Besitzerin und Erfolgsautorin vom Erdboden als Kosmos, den es zu pflegen gelte und nicht rücksichtslos auszunutzen.

In der ersten Gesprächspause singen die digitalisierten „Comedian Harmonist“ ihr „Ich wollt’, ich wär’ ein Huhn“. Danach erzählt Wiener von eigenen Hühnern, die sie jetzt nicht mehr hat, und davon, dass sie sich vorstellen könnte, selbst einmal Landwirtin zu werden.

Diese eigene Lebensperspektive stimmt sie einen Augenblick milde, bis sie sich wieder der „manipulativen Methoden vieler Nahrungsmittelproduzenten“ erinnert. Diese hätten verheerende Auswirkungen: „Die Allergien und Unverträglichkeiten nehmen zu. Es gibt schon Sechsjährige, die an Altersdiabetes leiden. Woher kommt das?“ Wiener weiß die Antwort. Von schlechter Ernährung. Genauso wie die vielen künstlichen Gelenke – mutig argumentiert – bei 75-Jährigen.

Sarah Wiener will das nicht. Sie will 95 Jahre alt werden, aber bis dahin gesund bleiben. Und zwischenzeitlich noch einige kulinarische Reisen, die vom Kulturkanal „arte“ aufbereitet und ausgestrahlt werden, unternehmen.

Jüngst war sie in Japan, Indien und Vietnam gewesen, um dort „liebe Menschen“ zu treffen und deren Essgewohnheiten zu erkunden. Natürlich war sie früher schon bei den europäischen Nachbarn vorstellig geworden. Nicht anfreunden mochte sie sich mit einer französischen Delikatesse wie der Stopfleber.

Und Großbritannien, nicht gerade bekannt als das Mekka für Gourmets? „Dort gibt es köstliche Dinge, aber man muss suchen“, sagt Sarah Wiener und verkündet doppelsinnig: „Jede Region hat das Recht, auf ihre Wurzeln stolz zu sein.“

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