Familie Deiterding wohnt mittlerweile fast 20 Jahre in Morsum / Eigenes Buch

„Da möchte ich nicht tot überm Zaun hängen“

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Die Kämenas (li.) mit den Deiterdings vor deren Haus. Fast 20 Jahre leben sie schon in Morsum – und fühlen sich wohl. Ein eigenes Buch über ihren Wohnort und ihre Geschichte ist entstanden.

Morsum - „Ihr zieht nach Morsum. Da möchte ich ja nicht tot überm Zaun hängen.“ Das war der erste Satz von Elke Kämena aus Achim, als sie hörte, das ihre Nachbarn, die Deiterdings, nach Morsum ziehen wollten.

Anita und Lothar Deiterding saßen hinten und Peter Kämena lenkte das Auto vom Kegelabend nach Hause. Stille herrschte in der Stahlkarosse auf dem Rest des Nachhauseweges. Elke Kämena hatte zuvor einmal eine Freundin ihrer Tochter nach einem Discobesuch in dunkler Nacht und bei dickem Nebel nach Morsum fahren müssen. „Das war eine Höllenfahrt für mich, die ich nicht vergessen habe“, so schildert Elke Kämena ihre Erinnerungen an Morsum.

Doch das Ehepaar merkte sofort: Das mit dem „über dem Zaun“ war bei Anita und Lothar nicht sonderlich gut angekommen. „Eigentlich kannten wir Morsum gar nicht und dann so ein Spruch. Also machten wir uns daran, alles, was wir über Morsum in Erfahrung bringen konnten, zu sammeln“, so das Ehepaar Kämena heute.

Denn ein bisschen peinlich war Elke dieser Satz schon. Als erstes wurde Morsum einmal erkundet. „Eigentlich doch gar nicht so schlecht, ein schönes ländliches Dorf und in der Straße Zum Fleet schien nach unserer Auffassung die Welt noch in Ordnung zu sein“. Die Kämenas machten Fotos von den Bauphasen der Deiterdings und sammelten alle Zeitungsausschnitte aus dem Achimer Kreisblatt über Morsum. Daraus wurde am Ende ein handgemachtes Buch.

Kegel-Kollegen aus der Buchbinderei Runge gaben dem Werk eine entsprechende professionelle Note. Während des Stühlerückens wurde das Gesamtwerk dem Ehepaar Deiterding 1997 übergeben. „Wenn man fast zwanzig Jahre danach darin blättert, entdeckt man so einiges neues und wird an vieles erinnert“, so Lothar Deiterding, der wie seine Frau heute in Morsum voll integriert ist.

„Tolle Nachbarn, hier kräht noch der Hahn, Sportverein, Fährverein oder der Oldtimerclub Syke“, fallen Lothar und Anita sofort als Aktivitäten ein. Im Buch stoßen die Vier beim nochmaligen Durchblättern auf so manchen Artikel, wie über einen künstlich geplanten See für eine Wasserskianlage im Gewerbegebiet Morsum 1996, (aus dem nichts wurde) oder über das Hafenkonzert von Radio Bremen in Morsum, über bei der Raiffeisen gefundenes Gen-Soja oder die 1000 Teilnehmer beim 75-jährigen Schützen-Jubiläum.

Was ist daraus geworden? Was ist in der Zeit passiert“, fragt man sich in der Runde und diskutiert. Besonders ist Elke Kämena die Begegnung mit dem damals neu gewählten Bürgermeister Dr. Hans-Albert Kurzhals in Erinnerung geblieben. Dem wurde das Buch mit der Bite um eine Signatur vorgelegt – was der Bürgermeister selbstverständlich tat.

Und wo man schon so in lockerer Runde über dies und das plauderte, musste Anita unbedingt erzählen, dass sie der erste Kunde im neuen „Netto-Markt“ in Morsum war. „Die hatten Spielzeugtrecker für meinen Enkel“.

Wer heute von den Deiterdings spricht, sagt häufig: „Das ist das Ehepaar mit der großen weißen Garage vor dem Haus.“ Hier schraubt Lothar nämlich an seinen Oldtimern, wie dem Heinkel-Roller, und der schöne Garten lädt jetzt im Sommer natürlich zum Grillen ein.

ha

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