„Schmuckstück ist verunstaltet“

Ex-Samtgemeindebürgermeister und Besucher kritisieren Rathaus-Umbau

Im alten Eingangsbereich an der Frontseite des Rathauses gelangen Besucher über eine Treppe mit historischem Wert in die oberen Räume (links). Im Zuge des Umbaus wurde diese abgebaut. In dem Bereich sind jetzt Büros untergebracht (rechts). Eine Veränderung, die nicht jedem gefällt.
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Im alten Eingangsbereich an der Frontseite des Rathauses gelangen Besucher über eine Treppe mit historischem Wert in die oberen Räume. Im Zuge des Umbaus wurde diese abgebaut. In dem Bereich sind jetzt Büros untergebracht. Eine Veränderung, die nicht jedem gefällt.

Thedinghausen – Das Rathausensemble in Thedinghausen war vor der Nutzung als Domizil der Verwaltung ein Kaufmannhof und Gutshaus. Die eigentliche Hofstelle findet schon im Mittelalter als Poggenburg und Ihlenburg (Burgmannssitze) Erwähnung. Vom jetzigen Ensemble wurden um 1800 das Packhaus, das Herrenhaus, die Scheune und auch der Taubenturm gebaut. Vor dem Verkauf an die Samtgemeinde Ende der 1970er-Jahre war die Poggenburg fast 130 Jahre lang im Besitz der Familie Grimm gewesen. Das Bauwerk in klassizistischen Stil hatte in Thedinghausen und der gesamten Region eine herausragende Stellung – auch architektonisch.

Mittlerweile stehen am Rathaus diverse Sanierungs- und Anbaumaßnahmen vor dem Abschluss (wir berichteten). Dennoch waren einige Besucher in den vergangenen Wochen ziemlich erstaunt – bis hin zu enttäuscht – als sie sich in den ehemaligen Eingangsbereich „vorgekämpft“ hatten. Denn die Treppe ins Obergeschoss war verschwunden. Im Aufgangsbereich hatten stattdessen neue Büros ihren Platz gefunden.

Einer, den der Abriss der Treppe von Anfang an ziemlich ärgerte, ist der langjährige Samtgemeindebürgermeister Gerd Schröder, der 18 Jahre lang im Rathaus als Chef fungierte. Zu ihm haben auch die erwähnten Besucher Kontakt aufgenommen. Er meint auf unsere Nachfrage: „Von der Außengestaltung mit dem seitlichen Glaskasten als neuem Eingangsbereich, die das Ortsbild bestimmt nicht verschönert, will ich gar nicht lange reden. Aber auch im Inneren hat dieses alte Herrenhaus jetzt völlig seinen Charakter verloren. Die bisherige harmonische Symbiose der Räumlichkeiten im Rathaus und dem angeschlossenen Packhaus ist völlig verloren gegangen. Das ehemals schöne Rathaus ist jetzt nur noch ein reiner Zweckbau.“

Schröder weiter: „Mir ist völlig schleierhaft, warum es dem beauftragten Architektenbüro nicht gelungen ist, den bei diesem Objekt voll greifenden Denkmalschutz und die Funktionalität unter einen Hut zu bringen. Hier wären mit Sicherheit bessere Lösungen möglich gewesen. Unverständlich finde ich auch, dass es von Seiten der Kommunalpolitik im Vorfeld keinen Einspruch gegen diese gravierenden baulichen Eingriffe gegeben hat. Nun muss die Gemeinde an dieser exponierten Stelle damit leben, dass ein jahrhundertelang gewachsenes Schmuckstück zumindest optisch verunstaltet worden ist.“

Der amtierende Verwaltungschef Harald Hesse kann die Aufregung nicht verstehen: „Es steht außer Frage, dass auch das Rathaus technisch und funktionell den Sprung ins nächste Jahrtausend schaffen muss. Alle baulichen Maßnahmen sind mit den Denkmalschutzbehörden in Verden und Hannover abgeglichen und von diesen genehmigt worden. Ganz davon abgesehen, war die Treppe für mich und auch etliche meiner Mitarbeiter niemals ein besonderer Hingucker. Hingegen passt sich der Anbau gut ein.“ sp

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