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Essensversorgung für die Kita Blender: Rat rügt Vorgehen der Samtgemeinde

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Von: Philipp Köster

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In der Grundschulmensa in Blender nehmen die Kinder ihr Mittagessen ein. Am Donnerstag tagte dort der Gemeinderat
In der Grundschulmensa in Blender nehmen die Kinder ihr Mittagessen ein (das zurzeit aber in Morsum gekocht wird). Am Donnerstag tagte dort der Gemeinderat. © pk

Blender – Schon seit ein paar Wochen hat ein Posten im Etat 2022 der Gemeinde Blender vor allem Holger Haßfeld (SPD) auf den Appetit geschlagen: 46 000 Euro steht da auf der „Einkaufsliste“ für den Haushalt: Das Geld umfasst die Mehrkosten, die die Gemeinde tragen soll, die für die Mittagsverpflegung der Kindergartenkinder jährlich anfallen. Mehrkosten deshalb, weil der neue Anbieter, die Firma Leckerbiss, mehr kalkuliert für das Essen als der frühere Caterer, ein Restaurant aus Hoya.

Und das kam so: Die Samtgemeinde hatte im Samtgemeindeausschuss bereits vor zwei Jahren festgelegt, dass in den Mensaküchen in Riede, Morsum und Blender frisch gekocht werden soll. Die Leistungsbeschreibung sieht vor, dass aus Gründen der Wirtschaftlichkeit Kita- und Schulkinder das gleiche frisch gekochte Essen einnehmen – und damit entsprechend sowohl Schulen als auch Kindergärten mit dem gleichen Essen versorgt werden. „Leckerbiss“ hatte im vergangenen Jahr als einziges Unternehmen „angebissen“, um in den neuen Mensen in Morsum und Blender frisch zu kochen und das Essen dann nebenan in die Kitas zu bringen.

Doch in dieser Angebotskoppelung – gleiches Essen für alle – steckt der Kern des Problems: Die Schulen sind Samtgemeindesache, die Kindergärten sind Gemeindesache – und um die Verwirrung komplett zu machen: Krippen sind wieder Angelegenheit der Samtgemeinde.

Und obwohl natürlich Ratsmitglieder der Gemeinden den Samtgemeindeausschuss bilden, war der Informationsfluss vor zwei Jahren, als das ganze beschlossen worden war, wohl nicht so ideal, zumindest nicht in Richtung Blender, um es mal vorsichtig zu formulieren.

Der Gemeinderat sollte nun am Donnerstag bei seiner Sitzung in der – wie passend – Grundschulmensa, den Sperrvermerk für die 46 000 Euro entweder aufheben oder die Versorgung durch einen anderen Anbieter auf den Weg bringen, so die Beschlussvorlage.

Holger Haßfeld feuerte quasi mit der Gulaschkanone auf die Samtgemeinde und die Verwaltung: „Die Samtgemeinde hat ohne Vertretungsvollmacht gehandelt und obwohl sie gar nicht für die Kindergärten zuständig ist.“ Dem bisherigen Anbieter sei gekündigt worden, obwohl der Verwaltung keine Beschwerden über das Essen bekannt gewesen seien, wie eine von vielen Nachfragen im Thedinghauser Rathaus ergeben hätte. Es gehe nicht an, dass die Gemeinde oder die Eltern über die Erhöhung der Essenspauschale nun für diese Mehrkosten aufkommen müssten, bei drei Jahren Vertragsdauer immerhin rund 150 000 Euro. „Ich weiß nicht, ob die Eltern das wollen“, sagte Haßfeld.

Der Haushalt sei nicht ausgeglichen, die Überschussrücklagen würden schmelzen, Straßen seien zu sanieren, Vereine träten mit Finanzierungswünschen an die Gemeinde heran. Er sehe die Samtgemeinde in der Pflicht, eine Lösung herbeizuführen statt „den schwarzen Peter bei uns abzuladen“.

Zudem relativierte der Sozialdemokrat die Rede von der Zubereitungsküche vor Ort: In der Blenderaner Grundschule werde gar nicht frisch gekocht, sondern nur in Morsum, von dort aus würden die Essen thermiert, abgepackt und ausgeliefert, genauso wie früher auch aus Hoya. Nur jetzt für mehr als den doppelten Preis. Gemeindedirektorin Anke Fahrenholz bestätigte das: Es sei für Blender noch kein Koch gefunden worden.

Wenn auch nicht in dessen Vehemenz teilten die anderen Parteien die Kritik Holger Haßfelds. Gitta Stahl (Grüne Liste) sagte, die Gemeinde habe die Mehrkosten nicht verursacht. Jetzt sei aber zu schauen, wie mit diesem „Schadensereignis“ umzugehen sei. Sie sprach sich gegen unterschiedliche Essen für Kita- und Schulkinder aus. Sie und ihr Fraktionskollege Henning Wiese wussten vom hohen qualitativen Standard des neuen Essens zu berichten, hatten sie von der Kitaleitung erfahren.

Auch Mario Hoffmann (CDU) pflichtete Haßfeld bei: „Das geht gar nicht!“ Und: „Man muss der Verwaltung eine Rüge geben.“ Er gab aber zu bedenken, dass sich die Mensa nur trage, wenn auch der Kindergarten mitversorgt werde. Wenn man nun den alten Anbieter wieder anfragen würde, sei zweifelhaft, ob der zum alten Preis liefern würde.

Das Qualitätsargument rief noch einmal Haßfeld auf den Plan: Sei das jetzige Essen nun besser? Was sei an dem alten schlecht gewesen? „Wenn mein Vater kocht, schmeckt es anders, als wenn meine Mutter kocht.“

Martin Joost (SPD) verlangte ähnlich wie Haßfeld, dass die Verursacherin der Mehrkosten bezahlen solle, also die Samtgemeinde.

Bürgermeister Patrick Rott (CDU) nahm schließlich die aktuelle Verwaltungsspitze mit Gemeindedirektorin und Samtgemeindebürgermeisterin Anke Fahrenholz wie auch den neuen Rat und dessen Vertreter im Samtgemeindeausschuss aus der Ziellinie. Niemand dieser Leute trage eine Verantwortung für das Problem.

Trotz der von allen Parteien geäußerten Kritik am Verhalten der Samtgemeinde votierte die Mehrheit dafür (sechs von CDU und Grüne Liste; drei Gegenstimmen und eine Enthaltung von der Gruppe JWB/SPD) den Sperrvermerk in Höhe von 46 000 Euro aus dem Haushalt zu nehmen – und damit an der aktuellen Essensversorgung nichts zu ändern.

Von Philipp Köster

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