Lebenslange Freiheitsstrafe

Es war Mord: Bundesgerichtshof verwirft erneut Revision des Rieder Brandstifters

Riede – Es war Mord. Fünfeinhalb Jahre nach dem Brand mit zwei Toten in Riede steht dies nun rechtskräftig fest. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat zum zweiten Mal die Revision des mittlerweile 48 Jahre alten Angeklagten verworfen. In einem ersten Prozess war er wegen fahrlässiger Tötung und nach einer erfolgreichen Revision der Staatsanwaltschaft und der Nebenkläger am 20. September 2019 in einem Urteil der 8. Großen Strafkammer des Landgerichts Verden wegen Mordes und Betruges zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Im August 2015 hatte der in Upgant-Schott (Kreis Aurich) geborene Angeklagte einen Kaufvertrag für das später abgebrannte Haus abgeschlossen. Die Übergabe des Objektes war noch vor Bezahlung des Kaufpreises erfolgt. Als die Finanzierung scheiterte, fasste er den Plan, durch seinen damals 22 Jahre alten Halbbruder einen Brand legen zu lassen. „Dabei rechnete er damit, dass sich zur Tatzeit in der Nacht Personen in dem Haus aufhielten; seinem Halbbruder täuschte er jedoch vor, dass es unbewohnt sei“, heißt es in einer Pressemitteilung des BGH.

Opfer sterben im Obergeschoss an Rauchgasvergiftung

Der Angeklagte hatte selbst das Erdgeschoss bewohnt und das Obergeschoss an die beim Brand getötete Frau vermietet. Wie so oft, hatte bei der 56-Jährigen in der Brandnacht ihr 61 Jahre alter Partner übernachtet. Während der Angeklagte durch einen Krankenhausaufenthalt ein Alibi hatte, machte sich der Halbbruder in der Nacht zum ersten Advent 2015 aus Wiesmoor auf den Weg nach Riede. Er legte den Brand im Erdgeschoss. Unbemerkt von ihm schliefen die Opfer im Obergeschoss und starben dort an einer Rauchgasvergiftung.

Im ersten Prozess saßen die ungleichen Halbbrüder zusammen auf der Anklagebank. Während der 48-Jährige alles leugnete, war der Jüngere umfassend geständig. Dabei hatte er sich selbst schwer belastet. Seine Reue wirkte ehrlich und seine Verurteilung zu sechs Jahren Haft wegen besonders schwerer Brandstiftung, fahrlässiger Tötung und Beihilfe zum Betrug wurde von allen Verfahrensbeteiligten akzeptiert.

Der 48-Jährige, der seit Jahren in Untersuchungshaft sitzt, leugnete seine Tatbeteiligung bis zum Abschluss des zweiten Prozesses und legte danach Rechtsmittel ein. Ohne Erfolg, wie der BGH gestern mitteilte: „Der Angeklagte hat mit seiner Revision Verfahrensmängel geltend gemacht und die fehlerhafte Anwendung des materiellen Rechts gerügt. Die revisionsrechtliche Überprüfung durch den 3. Strafsenat hat jedoch keinen Rechtsfehler ergeben. Der Senat hat deshalb die Revision im Einklang mit dem Antrag des Generalbundesanwalts durch einstimmigen Beschluss verworfen. Das Urteil ist damit rechtskräftig.“

Die Mutter der getöteten Frau: „Bloß nicht noch mal“

Mit der Rechtskraft hat das Strafverfahren auch für die Nebenkläger – vier Kinder der beiden Opfer und die Mutter der getöteten Frau – ein Ende. Deren Ziel war eine lebenslängliche Freiheitsstrafe. Die Mutter hatte mit ihrem Mann beide Prozesse vom ersten bis zum letzten Tag fast ausnahmslos begleitet. „Bloß nicht noch mal“, hatte die Bremerin am Tag der zweiten Urteilsverkündung gesagt. Ein dritter Prozess bleibt den Angehörigen erspart.

Von Wiebke Bruns

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