Erinnerungsort für Eltern

Pastorin will Gräberfeld für Sternenkinder auf Lunser Friedhof einrichten

Eingefasst in einem Karee aus kleinen Büschen soll die Sternenkinder-Namensstele ihren Platz finden. Pastorin Anja Sievers will sie am zweiten Advent einweihen. Foto: Duncan

Sternenkinder nennt man Babys, die während oder kurz nach der Geburt gestorben sind. Eltern sind in dieser Situation oft so erschüttert, dass sie nicht daran denken, was mit dem Fötus passiert.

Lunsen - „Bei einer Freundin blieb das Kind einfach im Krankenhaus“, erzählt Pastorin Anja Sievers. Hintergrund ist die Gesetzeslage: Wiegt der Fötus weniger als 500 Gramm, wird Eltern keine Möglichkeit eingeräumt, ihr verstorbenes Kind zu beerdigen. „Nicht bestattungspflichtig“, heißt es knapp. Sie bleiben mit dem Verlust und ohne einen Trauerort zurück.

Diesen Familien möchte die Kirchengemeinde Lunsen nun einen Raum zum Trauern und Erinnern schaffen. Am Sonntag, 8. Dezember (am zweiten Advent), weiht Pastorin Sievers nach einem Familiengottesdienst, der um 10.30 Uhr beginnt, ein Gräberfeld für Sternenkinder auf dem Lunser Friedhof ein.

Viele Privatspenden für Gräberfeld für Sternenkinder 

Die bisher freie, 25 bis 30 Quadratmeter große Fläche haben Gemeindemitglieder in ehrenamtlicher Arbeit bereits mit kleinen Büschen eingefasst. Die Pflanzen spendierte die Baumschule Schröder aus Thedinghausen. Ungefähr mittig soll eine Namensstele aus unpoliertem Jura-Kalkstein aufgestellt werden. Entworfen hat sie in Absprache mit Sievers Georg-Friedrich Schaefer, Bildhauer und Steinmetzmeister aus Verden-Höhnisch. „Er hat sofort gesagt, er möchte das Projekt unterstützen“, erzählt Sievers. Material und Arbeitskraft stellte er der Kirchengemeinde kostenlos zur Verfügung. Henning Hüneke, Bestatter aus Morsum, steuert ebenfalls seine Manpower bei. Zudem seien über die Kollekte nach dem Gottesdienst viele Privatspenden zusammengekommen.

Die Idee zu dem Erinnerungsort für Familien mit Sternenkindern zeichnete sich bei Anja Sievers vor zwei bis drei Jahren ab, bevor sie mit ihrem Sohn Jasper schwanger war. „Ich merkte, wie viele das schon betroffen hat. Die Angst können wir den Eltern nicht nehmen, aber wir wollen ihnen die Möglichkeit geben, einen Abschluss zu finden.“

Sternenkinder: Thema mehr in Öffentlichkeit rücken

Als die Pastorin im Februar 2019 aus der Elternzeit in den Beruf zurückkehrte, schob sie das Projekt an. Als Erstes nahm Sievers Kontakt zum Verein Sterneneltern Achim auf („Die leisten gute Aufklärungsarbeit“). Der Verein bestärkte sie in dem Vorhaben und zeigte Möglichkeiten zur Umsetzung auf. Sievers findet es auch aus christlicher Sicht für das Erinnerungsritual wichtig, den Kindern einen Namen zu geben. „Und ich wollte es so gestalten, dass es die Lebenswelt junger Eltern anspricht“, erzählt Sievers. Georg-Friedrich Schaefers Stil erschien passend. So nahm der Entwurf Formen an: Goldene Sterne, darunter ein symbolhafter Engel, und dann die Namen der Kinder, sollen die Stele auf der Vorderseite zieren, auf der Rückseite wird ein kleines Kreuz und ein Bibelspruch eingraviert: „Denn ich bin der Herr, Dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht; Fürchte dich nicht, ich helfe dir.“ (Jesaiah 41,13.)

Leider würden Sterneneltern noch viel zu selten über ihren Verlust sprechen. „Darum ist es wichtig, das Thema mehr in die Öffentlichkeit zu rücken“, findet Sievers. Darüber hinaus soll das Gräberfeld für alle Eltern offen sein, die ein Kind im frühen Stadium der Schwangerschaft verloren haben. „Wer kann, kann spenden, wer es nicht kann, zahlt nichts.“  ldu

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