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Enorme Kosten für Energie, Futter und Dünger in der Milchgenossenschaft Thedinghausen

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Holger Fehsenfeld (rechts) und Reiner Wortmann (links) verabschiedeten Jürgen Fahrenholz und Johann Schütte.
Holger Fehsenfeld (rechts) und Reiner Wortmann (links) verabschiedeten Jürgen Fahrenholz und Johann Schütte. © Suling-Williges

Thedinghausen – Nach 28 Jahren im Ehrenamt machte Johann Schütte aus Schwarme am Mittwochabend einen Schnitt und schied als Vorsitzender des Vorstands der Milchliefergenossenschaft Thedinghausen eG aus seinem Amt aus. „Im Namen der Genossenschaft zu denken, ist manchmal nicht ganz einfach“, erinnerte sich der Milchviehhalter an sein ehrenamtliches Engagement. Schließlich gelte es, die Interessen aller zu vertreten und die eigenen auch mal hintanzustellen. Aus den Händen von Joachim Burgemeister vom Genossenschaftsverband nahm Johann Schütte den Ehrenbrief des Genossenschaftswesens entgegen. Mit ihm schied Jürgen Fahrenholz (Syke) aus dem Vorstand aus.

Zu Nachfolgern im Vorstand wählten die Mitglieder auf der Genossenschaftsversammlung im Gasthaus Dunekack in Kleinenborstel Jürgen Clausen (Intschede) und Jan Hein Kruse (Bahlum). In ihren Ämtern im Aufsichtsrat wurden Reiner Wortmann (Thedinghausen) und Jürgen Fastenau (Martfeld) bestätigt.

Die Genossenschaft zählt derzeit 46 Mitglieder. Ihre Milch liefert sie an die „frischli“-Milchwerke in Rehburg-Loccum. Zwischen Januar und März dieses Jahres zahlte die Molkerei 42,72 Cent pro Kilogramm Milch an die Erzeuger aus. „Für Juni sind 53 Cent angekündigt“, sagte Dr. Jörn Uwe Starcke von „frischli“. „Ich sehe die Tendenz weiter steigend“, konstatierte er.

Dem gegenüber stünden aber stark steigende Preise für Energie, Futter und Düngemittel. Das schilderte Joachim Burgemeister vom Genossenschaftsverband eindrucksvoll. „Die Abhängigkeit von Russland ist da, die können wir nicht von heute auf morgen abstellen“, sagte er. Allein 40 Prozent des Gases, das in Deutschland verbraucht werde, komme aus Russland. Trete in Deutschland in Sachen Energieversorgung der Notstand ein, würden zunächst Privathaushalte und Krankenhäuser weiter versorgt. „Wir müssen die Lebensmittelindustrie in die Vorrangigkeit bekommen. Das ist für uns schon ein massiver Punkt“, sagte Joachim Burgemeister. Bei der Beschaffung von Düngemitteln und den stark schwankenden Preisen wiederum komme es auf den richtigen Zeitpunkt für den Kauf an: „Ich weiß, dass das für sie eine große Herausforderung ist“, zeigte Joachim Burgemeister Verständnis für die anwesenden Landwirtinnen und Landwirte.

Daneben haben sie auch andere Vorhaben zu stemmen, um den steigenden Anforderungen weiterhin gerecht zu werden, die Handel und Molkerei an sie stellen: Ob Fütterung ohne Gentechnik, noch mehr Tierwohl oder CO2-Fußbadruck: Diese und andere vielfältige Aufgaben haben sich mehrere Arbeitsgemeinschaften im „frischli“-Milcherzeugerausschuss auf die Fahnen geschrieben, um den QM-Milch Standard nicht nur zu erfüllen, sondern auch den neuen Fortschreibungen des Standards in Stufe 2 und 3 gerecht zu werden. Letztere sieht unter anderem vor, dass Außenklimareize wie ein Laufhof, Weidegang an mindestens 120 Tagen für jeweils sechs Stunden oder eine Öffnung von mehr als 25 Prozent der Stall-Außenhülle geschaffen werden und die Fütterung gänzlich ohne Gentechnik erfolgt. Engagiert ist „frischli“ bei der Analyse des CO2-Fußabdrucks seiner Lieferbetriebe: Bis Ende 2022 sollen hier mindestens 200 Höfe mitgemacht haben. „Wir wollen außerdem den Austausch zwischen Milcherzeugern und Handel intensivieren“, sagte Jörn Uwe Starcke. Denn es sei wichtig, ein Verständnis für die Bedürfnisse und Ansprüche beider Seiten untereinander zu schaffen.  ine

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