Lebenswerk zu verkaufen

Fachwerk-Ensemble sucht Fachwerk-Freund - Preis: 0 Euro, zzgl. Steuern

Dieser Schafstall stand einst in Schwarme und ist 300 Jahre alt. Er gehört zum Anwesen von Helmut Waltring, der auf exakt 7 508 Quadratmetern in Hiddestorf, Gemeinde Blender, in 50 Jahren ein großes Fachwerkensemble mit sieben Gebäuden geschaffen hat.
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Dieser Schafstall stand einst in Schwarme und ist 300 Jahre alt. Er gehört zum Anwesen von Helmut Waltring, der auf exakt 7 508 Quadratmetern in Hiddestorf, Gemeinde Blender, in 50 Jahren ein großes Fachwerkensemble mit sieben Gebäuden geschaffen hat.

Helmut Waltring will nicht verkaufen, er will verschenken - und zwar sein Lebenswerk, ein kleines Fachwerk-Dorf. Mittlerweile melden sich Interessierte aus ganz Deutschland bei ihm.

Update vom 1. September: Helmut Waltring hat in den vergangenen Tagen viel Besuch erhalten. Er will sein Fachwerk-Ensemble in Blender an einen gewissenhaften Nachfolger weitergeben. Doch nicht alle Interessierte kommen bei dem Fachwerk-Enthusiasten in die engere Wahl: „Die Wellenlänge muss stimmen.“

Originalartikel vom 24. August: Blender – Wie eine Zeitreise wirkt der Besuch bei Helmut Waltring. Das mit Reet gedeckte Doppel-Häuslingshaus mit gemauertem Fachwerk hat den Charme längst vergangener Epochen – genauso wie die beiden Schafställe, von denen einer schon 300 Jahre alt ist. 

Romantisch wirkt der benachbarte Speicher, der sogar über zwei Schlafplätze und einen gemütlichen Kaffeeraum verfügt. Nicht zu vergessen das obligatorische Häuschen mit dem Herz in der Tür und ein Brunnen. Und da ist noch mehr: Eine kleine Scheune steht neben einem stattlichen Fachwerkgerüst, das förmlich nach Vollendung schreit.

Aber der 79-Jährige, der ein halbes Jahrhundert lang mit seinen eigenen Händen dieses Fachwerkensemble geschaffen hat, bietet es jetzt für null Euro an – in der Hoffnung, einen ebenso passionierten und begeisterten Fachwerkfreund zu finden wie er selbst es ist. Herzenswunsch von Helmut Waltring ist es, dass jemand sein Lebenswerk fortsetzt – und vielleicht sogar von seinem reichen Bauwissen profitieren möchte, das sich der 79-Jährige im Laufe eines halben Jahrhunderts angeeignet hat.

Das Fachwerkensemble weist mehrere Objekte auf.

Einst hat Helmut Waltring Maler gelernt, nach starken gesundheitlichen Problemen aber zum Radio- und Fernsehtechniker umgeschult. Bis zur Rente arbeitete er in Bremen. Dort hat er eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Er kann sich aber auch vorstellen, als Altenteiler in Hiddestorf zu leben: „Wenn es denn gewünscht wird!“ Das Baumaterial für das kleine Haus liegt – sorgfältig geschützt durch Lkw-Planen – schon auf dem Grundstück. „Das ist auch schon genehmigt“, sagt der 79-Jährige – und schmunzelt: „Das hat sogar schon eine Hausnummer.“

Lebenswerk in Blender wird immer wieder per Inserat angeboten

Per Inserat bietet er sein Lebenswerk immer wieder für null Euro an – dazu Führungen über das Gelände, das wie ein Freilichtmuseum im Dornröschenschlaf wirkt. Vor allem wegen des unvollendeten Fachwerkständerbaus, der einst ein Pferdestall war und in Holtorf stand. „Zwei Lanz Bulldog hab ich dafür gegeben“, schmunzelt der 79-Jährige, der auch landwirtschaftliche Maschinen und Geräte sammelt.

Aber für den Wiederaufbau in Hiddestorf hat er keine Genehmigung bekommen – trotz Ringfundament aus Beton und Findling-Sockel. Heute muss das Fundament mit den Ständern fest verbunden werden: Vorschrift. „Früher ist auch kein Haus weggeweht“, argumentiert Waltring, der sich der Bauweise der Vorväter verpflichtet fühlt. „Das Fachwerk hat doch Stürme ausgehalten!“

Der ehemalige Pferdestall vor der kleinen Scheune muss noch aufgebaut werden.

Seine Gäste empfängt der 79-Jährige in einem überdachten und windgeschützten Bau aus erhabenen Balken. An drei Holzwänden ziehen sich lange Bänke, die Platz für rund 40 Besucher bieten. An diesem Tag ist es nur eine Familie, die neugierig ist. Sie hat die Anzeige in der Zeitung gesehen, ist mit dem Fahrrad gekommen. Die Mutter erklärt: „Wir wollten mal wissen, was es mit dieser Geschichte auf sich hat.“

Fortsetzung des Lebenswerks kostet mindestens 500.000 Euro

Auf Nachfrage des Vaters nach den Bauten sprudelt es aus Helmut Waltring nur so heraus. Zu jedem Fachwerkgebäude kann er eine eigene Geschichte erzählen. Wie die des Doppel-Häuslinghauses, für das er alte Backsteine holen und erst sorgfältig säubern musste, bevor er sie wieder vermauert hat.

Das Plumpsklo hat Helmut Waltring 1977 fertiggestellt – auch wenn sein Anwesen längst über Strom, Wasser und Gas verfügt.

Dieses Haus hat er 1969 gekauft – ein abbruchreifes Gebäude mit Löchern im Dach und im Fußboden. Noch heute hat es großen Sanierungsbedarf. Denn noch während Helmut Waltring mit der Renovierung beschäftigt war, baute er bereits an anderen Fachwerkgebäuden. „Mein Hobby ist das Bauen“, gesteht der 79-Jährige. Der Familienvater lacht: „Nicht das Wohnen...“

Wer auch immer Waltrings Lebenswerk fortsetzt: Mindestens 500.000 Euro, so schätzt er gemeinsam mit einem Baufachmann, muss ein handwerklich geschickter Nachfolger mitbringen – und entweder selbst oder mit Freunden Hand anlegen. „Würde eine Firma das machen, wäre man sicher schnell bei einer Größenordnung von 1,5 Millionen Euro“, schätzt der Baufachmann. Helmut Waltring wiegt den Kopf: „Kommt darauf an, was man daraus machen will.“ In jedem Fall wird bei einem Besitzerwechsel eine Schenkungssteuer von etwa 30.000 Euro fällig.

Ein seltenes Stück: Helmut Waltring mit der Schablonenmalerei, die er in seinem Haus aufbewahrt.

Wer immer das Lebenswerk von Helmut Waltring übernimmt: „Er braucht ein Konzept.“ Seit sechs Jahren sucht er einen Nachfolger, hat sein Anwesen zunächst für 200.000 Euro angeboten – dann für 150.000 und es sogar einem Maklerbüro übergeben. „Die haben in drei Jahren keinen Interessenten gefunden“, sagt der 79-Jährige. An Gästen mangelt es bei seinen Führungen nicht. „Aber die kommen nicht wieder.“ Sogar eine Amerikanerin sei schon in Hiddestorf gewesen. Auch mit einer Stiftung hatte Helmut Waltring schon Kontakt. Doch die wollte nicht weiterbauen, sondern den Besitz nach seinem Ableben übernehmen.

Ideen, wer das Ensemble übernehmen könnte, gibt es viele. Zum Beispiel ein Verein, der öffentliche Zuschüsse beantragen könnte. Oder wäre eine Mehrgenerationen-Wohngemeinschaft eine Option? Helmut Waltring ist offen für Vorschläge – Hauptsache, sein Lebenswerk kommt in gute Hände. Interessierten gibt er unter 04233/8054 weiter Auskunft.

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