Stallungen in Tokio stammen von Röwer & Rüb aus Thedinghausen / Akribische Begleitung

Ein Hauch von Olympia weht an der Eyter

Nach erfolgreicher Montage in Japan konnten die Reiter aus aller Welt die Boxen in Beschlag nehmen.
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Nach erfolgreicher Montage in Japan konnten die Reiter aus aller Welt die Boxen in Beschlag nehmen.

Bei den Olympischen Spielen in Tokio gab es diverse Reitwettbewerbe. Doch eines hatten die Teilnehmer alle gemeinsam: die Stallungen. Sie stammen von der Firma Röwer & Rüb aus Thedinghausen.

Thedinghausen – Die Olympischen Spiele in Tokio – sie sind seit dem 8. August 2021 Geschichte. Längst sind die Sportler aus den unterschiedlichen Nationen in ihre Heimat zurückgekehrt. Zurückgeblieben sind lediglich die Sportstätten, die auch weiterhin von den Japanern genutzt werden. Dazu gehört auch eine Einrichtung aus Thedinghausen. Denn die Stallungen, die unter anderem die Pferde der erfolgreichen Deutschen Dressur-Equipe beherbergt haben, stammen von der Firma Röwer & Rüb.

Rüdiger Deckert wollte darin zwar keinen direkten Zusammenhang sehen, doch auch ihm war die Freude über die Goldmedaillen der drei Reiterinnen deutlich anzusehen. „Isabell Werth, Jessica von Bredow-Werndl und Dorothee Schneider sind neben einigen weiteren Springreitern alles unsere Kunden. Natürlich kennen wir sie auch persönlich und haben entsprechend mitgefiebert“, gibt der Geschäftsführer zu verstehen.

Anfrage für 350 Boxen von der Japan Racing Association kam bereits 2016

Nachdem Röwer & Rüb bereits 2008 Pferdeställe für die Olympischen Spiele in Peking ausstatten durfte, fiel die Wahl nun erneut auf den weltweit bekannten Hersteller aus Thedinghausen. „Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, über welches Netzwerk wir 2016 kontaktiert wurden“, zuckt Rüdiger Deckert mit den Achseln. „Allerdings war das auch nicht so wichtig. Scheinbar kennt man uns.“ Dennoch machte sich nach der Anfrage der Japan Racing Association (JRA) neben der Freude über das Interesse auch ein wenig Skepsis breit. „Nach der ersten Kontaktaufnahme haben wir uns schon gefragt, warum die Japaner ausgerechnet an uns herantreten. Zumal Pferdeboxen dort auch seit Jahrzehnten gebaut werden. Und der JRA gehören einige Rennbahnen, Reitanlagen und Pferdeställe“, weiß Deckert. Daher wäre für ihn die Zusammenarbeit mit lokalen Herstellern das Naheliegende gewesen. „Denn wir waren uns nicht ganz sicher, ob es nur darum geht das Know-how abzugreifen, oder ob sie es auch wirklich ehrlich meinen.“ Eine Unsicherheit, die sich nach einem ersten Besuch der japanischen Delegation in Thedinghausen sehr schnell erledigt hatte. Deckert: „In den Gesprächen wurde uns ziemlich deutlich gemacht, dass die JRA für Olympia Sicherheit braucht. Und dafür brauchen sie die Gewährleistung, dass sie gemäß dem internationalen Standard das Beste bekommen.“

Geschäftsführer Rüdiger Deckert erreichte schon jetzt die nächste Anfrage aus Japan.

Nachdem sich beide Seiten einig geworden sind, konnte die Produktion von 350 Pferdeboxen Modell „Verden“ in Thedinghausen beginnen. Für Rüdiger Deckert und seine Mitarbeiter eine ganz besondere Herausforderung. Zwar gab es in der Vergangenheit bereits Aufträge mit einem ähnlich großen Volumen, doch eine derart akribische Begleitung von Kundenseite war auch für ihn neu. „Die Japaner waren mehrfach vor Ort und haben bei der Produktion nicht nur hospitiert, sondern auch Stichproben vorgenommen. Daher haben wir für das Projekt sogar einen neuen Standard eingeführt und jedes einzelne Bauteil definiert“, wurden laut Deckert alle Maße und Toleranzen festgelegt und nach Fertigstellung exakt nachgemessen und zu einhundert Prozent protokolliert. Nach Fertigstellung und erfolgreicher Abnahme seitens der JRA wurde alles 2018 in zehn Container verladen und nach Japan verschifft. Deckert: „Wir haben einen Mann mitgeschickt. Er hat vor Ort in drei Wochen den Aufbau überwacht und gezeigt, wie alles geht.“

Die Japaner waren mehrfach vor Ort und haben bei der Produktion nicht nur hospitiert, sondern auch Stichproben vorgenommen. Daher haben wir für das Projekt sogar einen neuen Standard eingeführt und jedes einzelne Bauteil definiert.

Rüdiger Deckert, Geschäftsführer Röwer & Rüb

Ein Jahr später wurde alles auf seine Funktionalität getestet. „Da hat es aber keine Probleme gegeben. Das war natürlich sehr erfreulich“, so der Röwer & Rüb Geschäftsführer. Dass die Corona-Pandemie letztlich zu einer Verschiebung der Olympiade geführt hat – für Deckert kein Problem. „Für die Sportler war es schon ärgerlich. Uns hat es aber nicht betroffen, da wir ja schon vorher alles abgewickelt haben. Etwas anders sieht es da schon für die Japaner aus. Schließlich wollen sie die Stallungen ja auch nach Olympia nutzen und mussten sich damit nun ein Jahr länger gedulden.“

Die 350 gelieferten Pferdeboxen genügten dem höchsten internationalen Standard.

Die Qualitätsarbeit aus Thedinghausen – sie hat allerdings schon jetzt ihre Nachhaltigkeit unter Beweis gestellt. Denn nur wenige Tage nach Olympia erreichte Rüdiger Deckert eine weitere Anfrage aus dem Fernen Osten über 14 Boxen. „Und damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Denn wie schon einmal gesagt. Die Japaner produzieren ja auch schon seit Jahrzehnten. Da haben wir wohl vieles richtig gemacht!“

Von Kai Caspers

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