„Ein großer Ansturm“

Drei Praxen geben Auskunft zu Auffrischungsstand

Das Pflaster zeugt noch von der frisch verabreichten Impfung.
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Das Pflaster zeugt noch von der frisch verabreichten Impfung.

Thedinghausen – Die Zahlen der am Coronavirus erkrankten Menschen in Deutschland ist seit Tagen auf einem alarmierenden Rekordstand. Und auch wenn längst nicht so viele Patienten auf den Intensivstationen liegen wie noch vor einem Jahr zu dieser Zeit, als es noch keinen Impfstoff gab, so ist die Lage doch sehr ernst – schon wieder. Umso mehr drängen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und einige Virologen auf die sogenannte Booster-Impfung, eine dritte (beziehungsweise zweite) Spritze. Unsere Zeitung hat stichprobenartig bei Hausarztpraxen in der Samtgemeinde nach dem Stand der Dinge gefragt.

Die Diabetologische Schwerpunktpraxis und Praxis für Allgemeinmedizin um Dr. med. Carsten Dreyer in Blender arbeitet eine Liste ab, erklärt Stephanie Biebrich. „Ein halbes Jahr muss natürlich eingehalten werden“, sagt die Praxismanagerin über den Abstand von der zweiten Corona-Schutzimpfung zur dritten. Und es werde nach Alter und Vorerkrankungen priorisiert.

Doch auch wer die Kriterien für den dritten Piks erfüllt, kommt in Blender nicht sofort zum Zug: Die Wartezeit auf die Drittimpfung beträgt in der Praxis, in der neben dem Inhaber auch zwei Fachärztinnen für Allgemeinmedizin arbeiten, aktuell vier Wochen. Das ist einmal der Tatsache geschuldet, dass die Praxis nur an einem bis zwei Nachmittagen pro Woche eine Impfsprechstunde anbietet, in der jeweils etwa 30 Patienten ihre Dosis erhalten. Und zudem erreichen die Praxis laut Stephanie Biebrich derzeit sehr viele Nachfragen, weil die meisten Impfzentren geschlossen sind und nicht alle Hausärzte Corona-Vakzine spritzen.

„Es ist ein großer Ansturm gerade. Es wäre schön, wenn die Impfzentren wieder aufmachen würden. Das wäre für die Hausärzte ein Segen“, so die Blenderaner Praxismanagerin. Sie und ihre Kollegen haben seit Mitte des vergangenen Monats zu 80 Prozent mit Auffrischungsimpfungen zu tun, „mit Erstimpfungen fast gar nicht mehr“, sagt sie.

„Wir sind bis Ende Januar ausgebucht“, heißt es von Allgemeinmedizinerin Cirstin Blumenau, die in der Gemeinschaftspraxis in Riede arbeitet, zu Impfterminen. Diese stehen freitagnachmittags im Fünfminutentakt an. 40 bis 50 Menschen schaffe das Team der Gemeinschaftspraxis dann jeweils.

Im Gegensatz zum Frühjahr dieses Jahres ist der Hausärztin zufolge jetzt genügend Impfstoff da. Allerdings sei die Terminplanung schwierig, weil die Abrechnung „Bürokratie hoch sieben“ sei, sagt Cirstin Blumenau. Noch dazu müssten Patienten, die eine Kreuzimpfung bekämen, komplett neu aufgeklärt werden. Sie findet es schade, dass die Impfzentren zugemacht haben. Die Medizinerin hat beobachtet, dass die Menschen nun aktiv auf sie und ihre Kollegen zukämen und nach den Boostern fragten. Anfangs sei das andersherum gewesen.

Blumenau wünscht sich beim Thema Corona generell eine bessere Orientierung und mehr Konsens. So sei kürzlich eine Frau an die Praxis herangetreten, der das Jugendamt erzählt habe, sie sei als Pflegemutter berechtigt, die dritte Impfung zu bekommen – was nicht so sei. Ein weiterer Wunsch der Hausärztin: „Dass Politiker mit Ärzten Rücksprache halten und Ärzte entscheiden lassen, das fänd’ ich total wichtig.“

Während die Rieder Praxis deren Internetseite zufolge aktuell diejenigen Menschen boostert, die über 70 Jahre alt sind, pflegebedürftig, immungeschwächt oder die zuvor das Vakzin von Johnson & Johnson erhalten haben, spritzt die Hausarztpraxis von Dr. med. Matthias Röpke in Thedinghausen alle, die das wollen und sechs Monate Pause hatten. „Wenn wir die Kapazitäten haben, impfen wir auch Menschen, die jünger als 60 Jahre sind“, sagt Röpke. Die Ständige Impfkommission, das Robert-Koch-Institut und die Gesundheitsministerkonferenz empfehlen das aktuell erst für Menschen, die über 60 beziehungsweise 70 Jahre alt sind. Aber: Durch die Priorisierung im vergangenen Frühjahr „ist ja sowieso nicht jeder gleichzeitig dran“, sagt Röpke. Etwa 300 Menschen hat er bereits versorgt.

In der Praxis stehen die Impfungen gegen Corona jeden Tag auf dem Programm. Deshalb müssten Patienten, die sich deshalb melden, auch nur wenige Tage auf einen Termin warten, so der Facharzt am Telefon. Weil er direkt im September mit den Auffrischungen begonnen und die Altenheime und Hausbesuche, für die er zuständig ist, abgehakt habe, seien seine Patienten über 80 Jahre alle schon durchgeboostert. Die Impfzentren wieder aufzumachen, hält Röpke für ein unnötiges Hin und Her, das zudem mit großem Aufwand verbunden wäre. „Wenn alle niedergelassenen Kollegen jetzt in die Hände spucken, werden wir keine erneute Öffnung der Impfzentren brauchen!“

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