Ausverkaufte lateinamerikanische Nacht beim Musik-Festival im Erbhof

Drei Konzerte – dreimal Höchstklasse

Lea Rahel Bader (Barock-Cello) und Flóra Fàbri (Cembalo) präsentieren Barock-Musik aus Neapel.

Thedinghausen - Von Andreas Schley. Hochklassige Musik an historischen Orten erklingen zu lassen – das gelang auch beim zweiten „Musikfestival im Landkreis Verden“ sehr gut. Insgesamt drei Konzerte lockten im Erbhof Thedinghausen, und die begeistert gefeierte „Noche Latino Americana“ war sogar ausverkauft.

Festival-Initiatorin Dr. Stefanie Mauer hatte mit Professor Matias de Oliveira Pinto einen kompetenten und souveränen musikalischen Leiter verpflichtet, der ein abwechslungsreiches Programm zusammenstellte. Anders als im Vorjahr fanden alle Konzerte im Erbhof-Renaissance-Saal statt, und der Erbhof-Förderverein fungierte als Veranstalter.

In der lateinamerikanischen Nacht wurde mit Werken etwa von Heitor Villa-Lobos und Astor Piazolla in der Besetzung Viviane Taliberti (Klavier), Theodora Geraets (Violine) und Matias de Oliveira Pinto (Cello) die große Bandbreite brasilianischer und argentinischer Musik präsentiert. Ob mit folkloristischen Anklängen der "Brasilianischen Miniaturen" von Edmundo Villani Cortes oder bei den „Vier Jahreszeiten“ Astor Piazzollas – immer gelang eine mitreißende und hochvirtuose Interpretation.

Am Sonnabend konzertierten vier junge Künstler. In den Ankündigungen wurde das Alter der Solisten mit „unter 16“ angegeben, was einige Interessierte irritiert haben mag. Die vier jungen Künstler sind Jungstudenten aus Berlin und Münster, die nicht nur ihr Instrument seit vielen Jahren beherrschen, sondern bereits renommierte Preise gewonnen haben.

Das Repertoire ist sehr anspruchsvoll, und die Interpretationen sind überragend. Jede Cellistin und jeder Cellist zeigen ihre eigene Persönlichkeit, die nicht nur über die Auswahl der Stücke deutlich wird. Marie Langlamet, Nicklas Erpenbach, Elias Lung und Emma Osterrieder, mit einer zauberhaften Klavierbegleitung von Risa Adachi, demonstrieren eindrucksvoll die klanglichen Möglichkeiten ihrer Instrumente und ihre hohe Virtuosität. So ist es nicht verwunderlich, dass es zum Abschluss stehende Ovationen des Publikums gibt. Wenn bereits die Jungstudierenden ein so hohes Niveau bieten, muss man sich um die Zukunft der Cello-Solisten keine Sorgen machen.

Den Abschluss des Festivals bildete am Sonntag „Napoli!“, eine Barock-Matinee mit Musik aus Neapel. Lea Rahel Bader (Barock-Cello) und Flóra Fàbri (Cembalo) geben und tollen Einblick in das Schaffen der neapolitanischen Cello-Musik mit Werken von Nicola Antonio Porpora, Allessandro Scarlatti, Salvatore Lanzetti und Jean-Baptiste Barriére.

Dieses Konzert wird zum besonderen Erlebnis, weil sich der Klang des Cembalos – ein Nachbau eines flämischen Cembalos aus der Werkstatt von Christian Kuhlmann aus Bremen – im Raum sehr gut mit dem speziellen Klang des Barock-Cellos entwickelt und mischt. Die Akustik des Erbhof-Saales ermöglicht so eine Zeitreise: Es ist zu erahnen, wie die Musik damals geklungen haben muss.

Auch bei diesem Konzert sparten die begeisterten Zuhörer nicht mit Applaus.

Das Konzept des Festivals mit der Mischung aus etablierten Künstlern und Nachwuchsförderung ist sicher aufgegangen, auch wenn nicht alle Konzerte von den Besucherzahlen her gleich gut angenommen wurden. Die hohe Qualität der Darbietungen und der große Spaß der beteiligten Musikerinnen und Musiker blieb davon jedoch unberührt, und so darf man sich jetzt schon auf eine Fortsetzung freuen.

Das dritte „Musikfestival im Landkreis Verden“ wird 2017 vom 22. bis 24. September erneut im Erbhof veranstaltet.

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