Heimatforscher Helmut Waltring erkundet früheren Lauf von Weser und Aller

Drei Flussarme in Hiddestorf

Diese alte Karte zeigt die Verläufe der Flussarme im Bereich Einste, Hiddestorf und Holtorf.

Blender/Thedinghausen – Heimatforscher Helmut Waltring aus Blender-Hiddestorf hat sich in den vergangenen Wochen wieder intensiv mit der Regionalgeschichte befasst. Sein aktuelles Thema sind die Flussläufe von Weser und Aller. Auf Grundlage einer Karte aus dem Buch „Die Siedlungsstruktur der Weserniederung zwischen Hoya und Riede oberhalb Bremens“ von Hans-Peter Jorzick (siehe Bild) ist er der Frage nachgegangen, wo früher Jahren Weser- und Allerwasser geflossen ist.

„In der Mitte der Karte ist die Emte, von Hoya kommend, eingezeichnet – Weserwasser. Nördlich von Oiste zeigt ein alter Flussarm in Richtung Hutbergen und Verden – Allerwasser. Diese beiden Flussarme fließen weiter über Morsum und Holtorf nach Thedinghausen.“ Ein dritter Flussarm mit Weserwasser komme vom Blender See nach Hiddestorf. Hiddestorf würden drei Flussarme verlassen. „Das bedeutet, dass durch Holtorf Weser- und Allerwasser geflossen sind“, schlussfolgert Waltring, der anmerkt: „Flüsse waren im Mittelalter das, was heute die Autobahnen sind. Darum wurde dort auch gesiedelt.“

„In Hiddestorf sei der Meyerhof noch immer als Insel zwischen den Wasserarmen erkennbar – „ein guter Ort für eine Überwachung der Flussarme, aber auch für einen Handelsplatz“, so Waltring weiter. Dort hatte Bruno von Verden (Bischof von Verden von 962 bis 976) ein Allodium, ein Eigengut. Auch das zeigt die Attraktivität des Standortes. Waltring: „Alle, was kürzlich bei Ausgrabungen in Holtorf gefunden wurde, muss es vielfach in Diddestorf und Einste gegeben haben.“

Nach einer Fehde zwischen dem Bremer Erzbischof Hildebold und dem Grafen von Oldenburg unterschrieb 1262 der Ritter Dietrich von Hiddestorf als Bürge eine Urkunde – was seine besondere Stellung erkennen lässt.

Die Verläufe von Weser und Aller hatten auch weiterhin ihre Bedeutung. Die Ritter hatten ihre Burgen meist im oder am Wasser. So hat zum Beispiel Prof. Huder zum 1150-jährigen Oister Dorfjubiläum im September 2010 einen Vortrag gehalten, in dem er von den Rittern von Oiste sprach – wobei der genaue Standort der Burg noch gesucht werden müsse. Die Emte bei Oiste fließt in einem alten Weserarm. Eine Handzeichnung von 1759 bezeichnet den Platz mit „auf der Burg“.

In Gahlstorf, einem Ortsteil von Blender, wurde ein einmaliger Goldring aus dem 5. bis 7. Jahrhundert vor Christus gefunden. „Der Goldring muss über den Wasserweg nach Gahlstorf gekommen sein“, meint Heimatforscher Waltring.

Auch die Tatsache, dass die Ritter Dietrich Klenke und Clauß Hermeling hier Höfe hatten, spricht für eine exponierte Wasserlage des Ortes. Nikolaus Hermeling erhielt von Herzog Heinrich zu Braunschweig und Lüneburg sogar das Recht aus einem Hof einen adeligen Sitz zu machen.

Helmut Waltring blickt nach vorne und meint abschließend: „Das Aller-Binnendelta und die Weserarme halten auch für die nächsten Generationen bestimmt noch viele Überraschungen bereit.“

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