1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Thedinghausen

Drastischer Amphibienrückgang

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Heiner Albrecht

Kommentare

Ein Doppeldecker im Eimer: Eine männliche Kröte hat sich auf ein Weibchen gesetzt
Ein „Doppeldecker“ aus dem Eimer: Eine männliche Kröte hat sich auf ein Weibchen gesetzt. © ha

Thedinghausen – Es gibt wohl kaum eine Naturschutzgruppe, die nicht dringend weitere Helferinnen und Helfer sucht. Denn vor allem Amphibienschutz ist aufwendige Handarbeit.

Es ist Krötenwanderung. Die Saison erstreckt sich in der Regel über zwei bis drei Monate, mit dem Höhepunkt gegen Mitte März. „Jetzt erwarten wir die höchste Rate“, sagt Thomas Berger, der mit seinem Team vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) an der Kuhlenkampstraße zwischen Beppen und Wulmstorf auf einer Strecke von knapp zwei Kilometern unterwegs ist. Um mitzumachen, sind Vorkenntnisse nicht zwingend nötig. „Es wäre schön, wenn jemand an vielen Tagen mit anpacken kann, wer nur einmal oder zweimal Zeit hat, ist aber auch willkommen.“

Zunächst müssen Zäune aufgestellt werden. Dies übernimmt dankenswerterweise die Straßenmeisterei des Landkreises. Stehen die Zäune, müssen diese jeden Tag kontrolliert werden, am besten am frühen Abend und am frühen Morgen.

Jette Berger vom Nabu sammelt neben Amphibien auch jede Menge Müll ein
Jette Berger vom Nabu sammelt neben Amphibien auch jede Menge Müll ein. © Albrecht

Mitte Februar wurden die Zäune bereits aufgestellt. In vergangenen Jahren herrschte zu der Zeit bei der Wanderung schon immer reger Betrieb. Aber in diesem Jahr ist Flaute. Gerade mal 250 Kröten haben die Aktiven gezählt. Grund waren vor allem die Nachtfröste in den vergangenen Wochen – und die Trockenheit. „Die beiden Vorjahre waren schon unterdurchschnittlich“, weiß Thomas Berger aus seiner Statistik. Gut 2 500 Amphibien waren 2021 in den Eimern entlang der Strecke gelandet. Diese schon damals geringe Zahl führt Berger auf die trockenen Sommer der Jahre 2019 und 2020 zurück.

Befinden sich Amphibien in den Netzen, werden sie in Transporteimer umgefüllt und über die Straße getragen. Dann können sie ungestört in die nahe Landwehr marschieren und sich dort fortpflanzen. In der Regel werden dabei auch Anzahl, Arten und Geschlechter notiert.

Wie die Hilfe funktioniert, wie man die Tiere richtig anfasst, wie man Grasfrösche von Springfröschen oder Bergmolche von Teichmolchen unterscheidet, ist schnell gelernt, macht Thomas Berger Naturfreunden Mut, mal dabei zu sein. Jeweils samstags um 8 Uhr kann man die Sammler begleiten und sich einfach der jeweiligen Gruppe anschließen. „Aber bitte vorher bei mir anrufen und anmelden“, sagt Berger, der am vergangenen Wochenende mit seiner Tochter Jette unterwegs zum Sammeln war. Am Sonntag blieben die Eimer bis auf eine Handvoll Kröten leer. Was sich am Ende aber reichlich in den Eimern findet, ist Müll. „Leider“, bedauert Berger und zeigt auf das Gefäß, den seine Tochter mitgebracht hat.

„Aber ein Doppeldecker ist dabei“, sagt Jette Berger erfreut. Das bedeutet, die männliche Kröte hat schon ein Weibchen gefunden und sich an ihr festgeklammert, um ihre Eier dann am Ziel in der Landwehr zu befruchten.

Thomas Berger richtet einen Dank an die Autofahrer, die Rücksicht auf Kröten und Sammler nehmen. Eine Bitte an alle anderen Fahrer geht dahin, die Geschwindigkeit zu reduzieren und Abstand zu Sammlern am Straßenrand zu halten. Vorgestern hat es geregnet. Der Boden ist feucht und die Temperaturen steigen. Das Team des Naturschutzbundes hofft jetzt auf eine erhöhte Wanderung.

Thomas Berger ist unter Telefon 04204/91 32 37 zu erreichen.

Von Heiner Albrecht

Auch interessant

Kommentare