Klaus Domröse führt in Gudewill-Aula durch Veranstaltung zum Naziterror

Direkte Zeitzeugen fehlen zum ersten Mal

Klaus Domröse vor einer Projektion, die echte Zeitzeugen bei einer Veranstaltung vor mehreren Jahren am Podium in der Gudewill-Schulaula zeigt. Foto: laue

Thedinghausen - Seit 2003 gibt es die jährliche Zeitzeugen-Veranstaltung in der jetzigen Gudewill-Schule in Thedinghausen zur Erinnerung an den Naziterror. Jetzt am Freitag fehlten erstmals direkte Zeitzeugen. Ein 89-Jähriger hatte absagen müssen, weil er sich mittlerweile zu schwach fühlt, über seine Erfahrungen zu berichten, und die meisten anderen, die das Dritte Reich noch miterlebt und -erlitten haben, sind inzwischen gestorben. Klaus Domröse, von 1972 bis 2010 Geschichtslehrer an dieser Schule und von Anfang an Veranstalter der Reihe, gestaltete diesen Vormittag daher als „Nachzeitzeuge“ des Geburtsjahrgangs 1947 selber. Zusammen mit der aktiven Gudewill-Kollegin Hildegard Mackenthun hatte er maßgeblich das Programm vorbereitet.

Er erinnerte zunächst an einige der beeindruckendsten Zeitzeugen früherer Veranstaltungen und ging dann in seiner Powerpoint-Präsentation auf die schrecklichen Zustände im Lager Sandbostel bei Zeven ein, das viele der Schülerinnen und Schüler aus neunten und einer zehnten Klasse kürzlich selber noch besucht hatten.

Fotos von großen SA-Aufmärschen in Thedinghausen erläuterte Domröse ebenso wie die Auswechslung eines kritischen Rektors der Schule durch einen hundertprozentigen Nazi.

Die Aufklärung über die damalige Zeit sei heutzutage vielleicht wichtiger denn je, da die Zahl der Holocaust-Leugner ansteige und die damaligen Verhältnisse samt millionenfachem Morden als „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte verharmlost würden, hob Domröse im Gespräch mit der Zeitung hervor.

Nach einer Pause sahen die Gudewill-Schüler einen Film, in dem ein Überlebender des Konzentrationslagers Auschwitz über das Grauen dort berichtete. Die Mädchen und Jungen in der Aula schienen schon von Beginn der Veranstaltung nicht nur interessiert an dem, was sie sahen und hörten, sondern wirklich gebannt und tief berührt zu sein.

Auch ohne lebende Zeitzeugen dürfte diese jährliche Veranstaltung, die sich von der Terminierung her an der Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee ausrichtet, eine Zukunft haben.  la

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