Der Mann aus dem Verborgenen

Samtgemeindebürgermeister-Kandidat für Thedinghausen: Norman Schill

Norman Schill, Samtgemeindebürgermeister-Kandidat in Thedinghausen
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Keine Angst: Laika (nach dem ersten Hund im Weltraum) und Gina (nach der Lollobrigida) tun nichts, auch Herrchen nicht, obwohl der muskelbepackte Norman Schill früher Türsteher in der Kirchweyher Diskothek „Maddox“ war.

Samtgemeinde – Es war gar nicht so leicht an ihn ranzukommen. Keine Telefonnummer bekannt, kein Internetauftritt, kein Wahlplakat mit einem Hinweis, wie man mehr erfahren kann über ihn. Auch über die sogenannten Sozialen Medien klappte es nicht. Norman Schill ist mit seiner Kandidatur für das Amt des Samtgemeindebürgermeisters lange im Verborgenen geblieben.

„Ich habe auch noch mein Handy verloren“, sagt er und deutet auf eine Wiese beim Horstedter Deich. Eine gute Zeit sei das aber gewesen, so ohne Smartphone.

Der gute alte Brief musste es schließlich richten, sodass auch der fünfte Kandidat, der Hauptverwaltungsbeamter der Samtgemeinde werden will, noch vorgestellt werden kann. Der Reiz, dass man nur seinen Namen auf dem Wahlzettel liest, geht damit ein Stück verloren.

Denn für den 48-Jährigen lag darin ein Reiz. Er hat kein großes Interesse, für sich selbst die Werbetrommel zu rühren. Im Gegenteil. Über die Kandidatur nachgedacht hat er, weil er sich von der zunehmenden Wahlplakatieruung in der Samtgemeinde genervt fühlte. Kurz vor Toreschluss marschierte er ohne Maske („Ich habe eine Befreiung“) ins Rathaus. Dort sagte ihm der zuständige Mitarbeiter im Ordnungsamt, Jens Knipping, dass Schill nur noch wenig Zeit habe, die notwendigen Unterstützerunterschriften beizubringen. „Am Montag hatte ich noch zwei Stunden Zeit. Aber ich bin dann durch Thedinghausen gefahren und hatte die 64 Unterschriften schnell beisammen.“ Wohnhaft in Horstedt, sei das für den gebürtigen Thedinghauser in seinem Heimatort kein Problem gewesen.

Doch was hat den Maschinenbaumechaniker bewogen auch wirklich anzutreten? „Ich habe mich seit dem Lockdown viel mit Politik befasst.“ Was ihm dabei aufgefallen sei: dass zu viel bestimmt werde von den Regierenden. Stattdessen sollten die Leute wieder selbstbestimmter leben, freier, und nicht so viel aus der Hand geben. Die Corona-Bestimmungen seien dafür ein Beispiel. Schill kritisiert nicht, dass Menschen sich impfen ließen und Masken trügen, das sollte aber jedem selbst überlassen sein, findet er. Und dafür würde er sich als Bürgermeister auch einsetzen, selbst wenn es zu einer Konfrontation mit dem Landkreis kommen würde, der die Verordnungen durchsetzt, und nicht die Samtgemeinde. Das weiß Schill auch. Trotzdem. Konfrontationen sei er noch nie aus dem Weg gegangen, gibt er zu. Er stehe für seine Überzeugungen ein.

Sieht er sich als ein „Querdenker?“ Schill verneint das nicht. Er war 2020 sogar auf einer Querdenker-Demo in Berlin. Doch in die rechte Ecke will er nicht gestellt werden. „Jeder Mensch ist in Ordnung.“ Der Wladimir-Putin-Fan bewundert auch den FDP-Politpromi Wolfgang Kubicki, der sich soeben für die Aufhebung aller Corona-Beschränkungen ausgesprochen hat.

Aber in der Samtgemeinde, da sind ja eher lokalpolitische Themen von Bedeutung, nicht das große bundesdeutsche oder globale Spektrum. Was hat er da für Vorstellungen? „Ich habe 1 000 Ideen.“ Norman Schill will zuerst die Gemeinschaft fördern, das was das Dorf zum Dorf mache. „Warum machen wir nicht ein Tauziehen mit Achim über die Weser?“, nennt er ein simples gemeinschaftsförderndes Beispiel.

Es sollte auch mehr Treffpunkte für die Leute geben. Auch Norman Schill bedauert das Gaststätten-Sterben, meint, dass die Kneipen weiterbetrieben hätten werden können. Doch der Reiz, an Investoren zu verkaufen, sei größer gewesen als zum Beispiel die Lokale zu verpachten.

Kommunalpolitisch ist der Junggeselle unbeleckt. „Das ist ein Vorteil, dass ich keine Erfahrung habe.“ Die anderen mit Stallgeruch seien „festgefahren“. Und als Verwaltungschef habe man ja auch Mitarbeiter, auf die man sich verlassen könne.

Scheut er denn den zeitintensiven und verantwortungsvollen Job nicht, zumal Schill intensiv genutzte Lebenszeit als sehr wertvoll erachtet? Das nicht, aber wenn er nach einem Monat merke, dass die Arbeit nichts für ihn sei, würde er sich vorbehalten, auch wieder zurückzutreten.

Dann bliebe wieder mehr Zeit für seine beiden Hunde Laika und Gina. Apropos Hunde: Norman Schill spricht sich für die Einführung eines erweiterten Hundeführerscheins aus, den der Halter nur bekommt, wenn seine Tiere absolute Folgsamkeit nachgewiesen hätten – auch ohne Leine. Denn auch Hunde sollten frei leben dürfen, sagt der bekennende Veganer und Tierfreund.

Wer Norman Schill näher kennenlernen möchte, kann das am besten über Instagram tun. Sein Kontakt lautet r.rockland_vegan.

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