Fernmeldetechniker mit Brieftauben-Gen

Der frühere Emtinghauser Dirk Voigt hält über Jahrzehnte die Bande zu seiner Heimat aufrecht

Dirk Voigt kommt vom Aufräumen im unmittelbaren Nachbarstadtteil Erftstadt-Blessem zurück
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Dirk Voigt kommt vom Aufräumen im unmittelbaren Nachbarstadtteil Erftstadt-Blessem zurück.

Emtinghausen / Erftstadt – Viele Brieftaubenvereine heißen „Treu zur Heimat“. Wenn Dirk Voigt eine Brieftaube wäre, die man mit dem Auto irgendwo hinführe und dort aufsteigen ließe, würde er wahrscheinlich auch nur ein Ziel kennen: Emtinghausen. Dirk Voigts Verbundenheit mit seinem Herkunftsort ist sehr groß, obwohl er schon mehr als 20 Jahre im Rheinland lebt.

Häufig kommt der 53-Jährige nach Hause zu seinem Vater Uwe und besucht seine alten Freunde, die hier oder in der Region leben, wie etwa Frank Bollhorst, Jörg Heidorn oder Frank Segelke. Pflichttermine sind das Osterfeuer und das Erntefest. Inzwischen hat sogar Dirks Sohn schon Freunde in Emtinghausen.

Der Grund für diese Heimatverbundenheit liegt vor allem darin, dass Dirk Voigts Freundschaften derart dicke sind, weil er seine Kumpels bereits aus Vorschulzeiten kennt. Mit rund 80 Prozent der Kinder, mit denen er damals mit fünf Jahren in Emtinghausen in diese heute einem Kindergarten vergleichbare Einrichtung eingeschult worden ist, ist er nach der zehnten Klasse auch von der Realschule in Thedinghausen abgegangen. „Zu meinen besten Freunden habe ich mal mit besoffenem Kopp gesagt: ,Ich liebe euch’.“

Verstörende Bilder aus Dirk Voigts Wohnort Erftstadt. Seine Siedlung ist vom Hochwasser eingeschlossen.

Tief eingewurzelt wurde der junge Dirk auch durch viele Aktivitäten in Vereinen. Der Mannschaftssportler spielte leidenschaftlich Fußball, als Individualist erwarb er sich in der Leichtathletik Meriten sogar auf Landesebene. Auch zur Feuerwehr bestehen noch heute Verbindungen.

Dabei hatte es den jungen Mann nach Schule und Ausbildung zum Fernmeldetechniker sowie Bundeswehrzeit wenn auch nicht in die große weite Welt so doch immerhin nach Stuttgart und in die frisch gegründeten neuen Bundesländer geführt. Noch später als Spezialist für Vermittlungsstellen-Technik in Köln hielt er mehr als nur Kontakt zum TSV Emtinghausen, weil sein Vater Uwe, der Fußball-Obmann im Verein, Sohn Dirk als Trainer für den Nachwuchs engagierte.

Doch wusste er sich durchaus auch im Rheinland zu bewegen. „Hier wird ja viel gefeiert. Und zur Weiberfastnacht 2001 habe ich meine Frau kennengelernt.“ Schnell wurde das Paar Eltern. Da musste er die Betreuung der Fußballmannschaft zu Hause aufgeben.

Aber regelmäßige Besuche in Emhusen zählen wie gesagt auch heute noch zum Jahresrhythmus. „So sechs bis acht Mal fahre ich nach Hause.“ Doch vor Kurzem musste er nach einem verzweifelten Hilfeanruf seiner Frau den Heimatbesuch abbrechen. Denn die vierköpfige Familie, Dirks Kinder sind 20 und 14, wohnt in Erftstadt-Köttingen, also ganz in der Nähe des von der Hochwasserkatastrophe ganz schwer getroffenen Stadtteils Blessem. „Nur 20 oder 30 Zentimeter höher –und bei uns wäre das Wasser auch durch die Straßen gerauscht.“ Fassungslosigkeit und Angst herrschten bei Familie und Freunden.

Nach der Hochwasserkatastrophe in Dirk Voigts Wohnort Erftstadt.

Für Dirk Voigt war es in den vergangenen Tagen da nur selbstverständlich, seinen Urlaub sinnvoll zu nutzen und den Mitbürgerinnen und Mitbürgern zu helfen, die nicht so viel Glück hatten wie er. „Ich habe mich fast schon geschämt, dass wir nicht betroffen sind. Jedenfalls war klar, dass ich mich nicht irgendwo schön an einen See zum Entspannen hinlegen konnte.“

Dirk Voigts Lebensmittelpunkt liegt heute im Rheinland. Und das wird trotz aller Treue zur früheren Heimat auch so bleiben. „Meiner Frau ist es schon schwergefallen von Köln nach Erftstadt zu ziehen. In den Norden kriege ich sie nicht. Da würde sie eingehen wie eine Rose“, sagt der 53-Jährige.

An ein Zurück denkt Voigt also nicht. Doch wer weiß, was kommt und wie sich Lebenskonzepte mal ändern, gibt er zu bedenken.

Vielleicht sitzt Dirk Voigt dann irgendwann mit 80 Jahren doch mit seinen Freunden so auf einer Bank wie die älteren Herren, die er als kleiner Steppke mit den Kumpels vor dem „Götzen“ sitzen sah. Die Opis warteten einst früh morgens vor der Emtinghauser Gaststätte darauf, dass sie öffnet. „Wenn wir alt sind, sitzen wir da auch“, hatte Klein-Dirk damals verkündet.

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